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Farbenfrohes Heidekraut Zu Besuch beim Erika-Züchter

Zwei der bekanntesten Herbstblüher sind Glockenheide und Besenheide. Wir haben die Gärtnerei Hiedl in Altusried im Allgäu besucht. Dort hat man sich auf Züchtung und Kultur dieser Pflanzenarten spezialisiert.

Von: Julia Schade

Stand: 01.10.2019

Züchtung

Früher gab es nur reine Mutationszüchtungen der Glockenheide. Das heißt, Triebe einer Pflanze, die Besonderheiten in Wuchs oder Farbe aufwiesen und sich so vom Rest der Pflanze unterschieden, wurden über Stecklinge vermehrt. Eine Selektion über Aussaat war nicht möglich. Heute ist das anders, Helmut Hiedl hat einen guten Weg gefunden, wie es klappt. Der ist nur leider Betriebsgeheimnis. Was dabei herauskommt, sind hunderte verschiedene Sämlinge. Die Grundlage für neue Sorten.

Pflanzen“casting“

Bis aus diesen Sämlingen tatsächlich neue Sorten entstehen, vergehen allerdings mehrere Jahre. Die Pflanzen werden immer wieder selektiert auf die Zuchtziele hin. Diese sind neue Blütenfarben, besonders große und viele Blüten, die besonders lange halten, generell ein gesunder Wuchs der Pflanzen und Frosthärte. Mit nur vielen Blüten ist es aber nicht getan, die Abstände zwischen den Blüten, die sogenannten Internodien, sollen möglichst kurz sein. Und der Blütenbesatz soll am besten von der Triebspitze bis zu dessen Basis gehen. Noch dazu sollen sich die neuen Sorten maßgeblich von den schon vorhandenen unterscheiden. Gleiches mit ähnlichem ersetzen kommt für Helmut Hiedl nicht in Frage. Ob eine Pflanze all diese Kriterien erfüllt, entscheidet der Gärtner gemeinsam mit seinem Sohn. Dazu genügt den Experten oft ein einziger Blick.

Pro Woche gehen sie mehrmals durch den Zuchtbestand und sortieren immer wieder aus. Zu Beginn einer Zuchtlinie existieren mehrere Duzend Sämlinge einer Kreuzung. Im zweiten Jahr sind es dann oft gerade einmal noch 6-9 oder noch weniger. Selbst wenn eine Kreuzung im ersten Jahr vielversprechend wirkt, kann es sein, dass sie im zweiten Jahr rausgeworfen wird. Denn oft ändern Pflanzen ihr Wuchsverhalten und somit ihre Eigenschaften im Laufe der Weiterkultur. Nur wenn das nicht der Fall ist, dürfen sie bleiben und werden zu neuen Sorten.

Vermehrung und Weiterkultur

Nach der Selektion kommt der Anbau zu Tausenden. Im Gegensatz zur Züchtung, die reine Handarbeit ist, kommen hier Maschinen ins Spiel und die Abläufe werden so gut es geht automatisiert. So auch das Stutzen, also das Kappen der Spitzen. Dadurch verzweigen sich die Pflanzen stärker und wachsen umso buschiger. 15-16 Monate nach dem Stecken sind die Pflanzen so groß, dass sie ihren Weg in den Einzelhandel antreten können.

Als in Bayern entstandene Sorten und gewachsene Pflanzen sind sie alle, was Blühzeitpunkt, Haltbarkeit und Kältetoleranz betrifft, bestens an unser Klima angepasst. Callunen und Eriken sind außerdem mehrjährig, lassen sich lange Zeit weiterkultivieren und sind alles andere als Wegwerfpflanzen. Noch dazu erhellen sie mit ihren leuchtenden Farben die dunkle Jahreszeit. Und das genau dann, wenn sich sonst nicht so viel in den Gärten tut.

Kontakt

Hiedl GbR
Wasserschwenden 3
87452 Altusried
Telefon: 08374 23433
Telefax: 08374 23435
E-Mail: hiedl-gbr@t-online.de