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Ein Versuch Erdnüsse im Garten

Arachis hypogaea - ein Name, der nicht sehr appetitlich klingt, hinter dem sich aber Schmackhaftes verbirgt – Erdnüsse! Doch wachsen die auch in Bayern? An der Landesanstalt für Gartenbau in Bamberg haben es die Gärtner ausprobiert…

Stand: 15.03.2019

Heimat der Erdnuss

Die ursprüngliche Heimat der Erdnüsse ist wahrscheinlich Brasilien, dort findet man noch heute wildwachsende Arachis-Arten. Schon vor mehreren tausend Jahren begannen die Indianer mit dem Kultivieren der nahrhaften Pflanze. Im 16. Jahrhundert gelangte die Erdnuss durch Seefahrer in andere tropische Gebiete, wo sie sich bald als wichtiges Nahrungsmittel etablierte. Der Sprung nach Europa gelang der Erdnuss erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in Spanien und Frankreich erfolgten die ersten Anbauversuche. Als Feldfrucht durchsetzen konnte sich die Erdnuss bei uns nicht, zu niedrig waren die Erträge pro Hektar. Und auch im Garten kann man Erdnüsse nicht gerade Kiloweise ernten. Der Anbau lohnt sich dennoch, vor allem für wissbegierige und neugierige Pflanzenliebhaber.

Weshalb heißt die Erdnuss Erdnuss?

Die Antwort ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: die Früchte entwickeln sich unter der Erde. Aus botanischer Sicht gehört die Erdnuss nicht zu den Nussfrüchten. Arachis hypogaea gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler, ist damit verwandt mit Bohne und Erbse. Im Englischen bezeichnet man die Früchte deshalb korrekt als Peanuts, also Erbsennüsse. Die hübschen gelben Blüten erscheinen, wie bei den Verwandten Erbsen und Bohnen auch, über der Erde an den Trieben. Erdnusspflanzen wachsen krautig etwa 30 bis 60 Zentimeter hoch. Die zahlreichen Seitentriebe können kriechend, halbaufrecht oder aufrecht wachsen. Die Blüten entwickeln sich im Sommer, sind nur knapp einen Zentimeter groß und sitzen in den Blattachseln. Der Blütezeitraum zieht sich über mehrere Wochen, von Ende Mai bis in den August, manchmal auch bis in den September hinein. Die Einzelblüte ist allerdings nur wenige Stunden geöffnet. Während dieser Zeit bestäubt sich die Blüte meist selbst. Auf Fremdbestäubung durch Insekten ist die Erdnuss also nicht zwingend angewiesen, fruchtet deshalb bei jedem Wetter. Die Erdnussblüten erscheinen oberirdisch, doch wie gelangt die Frucht dann unter die Erde?

Der Vorgang ist faszinierend zu beobachten: Nach der Bestäubung streckt sich die Basis des Fruchtknotens und beginnt einen in Richtung Boden wachsenden Fruchtstiel auszubilden. Hat sich die Spitze 1 bis 6 Zentimeter in die Erde gebohrt, beginnt dort die Fruchtentwicklung. Die Ernte beginnt, wenn die Pflanzen welken und absterben. Dann sollte man nicht mehr lange zögern und die Erdnüsse ans Licht holen. Dazu den Boden mit der Grabgabel lockern und die Erdnusspflanze vorsichtig aus dem Erdreich holen. Wie an Schnüren befestigt findet man dann die "Erdnüsse" im Wurzelballen, kann sie abknipsen und trocknen. Probiert man eine solch frische Frucht, kann man die Verwandtschaft mit Erbse und Bohne eindeutig schmecken. Erst nach dem Trocknen und Rösten entsteht das typische Erdnussaroma. In größeren Mengen roh verzehren sollte man Erdnüsse nicht.

Die Erdnuss-Saison beginnt jetzt!

Wer Erdnüsse im eigenen Garten anziehen möchte, braucht als allererstes geeignetes Saatgut, also ungeschälte und unbehandelte Erdnüsse. Diese bekommt man im gut sortierten Saatgutfachhandel oder man kann sie aus Vogelfuttermischungen herauslesen. Von ihrer schützenden, holzigen Hülle befreit kann man im März die Samen in kleine Töpfe ablegen. Als Substrat eignet sich eine Anzuchterde, die nochmals mit Sand aufgelockert wurde. Denn Erdnüsse vertragen keinerlei stauende Nässe. Zum Keimen brauchen die Pflanzen hohe Temperaturen, um die 25 Grad Celsius sollten es sein. Innerhalb von drei bis sieben Tagen laufen die Samen auf, das heißt sie Keimen. Ist das erste Grün zu sehen, stellt man die Erdnüsse möglichst hell und sonnig auf. Ein Platz an einem Süd- oder Westfenster ist ideal, auch im warmen Wintergarten fühlen sich die Pflanzen wohl. Je mehr Licht und Sonne, desto besser entwickeln sich die Pflanzen. Die Temperatur sollte auch jetzt nicht unter 20 Grad fallen, besser sind Werte von 23 bis 25 Grad.

Während der ganzen Kultur sollte man die Erdnüsse nur vorsichtig gießen, Staunässe führt schnell zu Kümmerwuchs oder lässt die Pflanzen absterben. Haben sich die Erdnüsse gut entwickelt, kann man sie sechs Wochen nach der Aussaat in 12 cm Töpfe setzen. Zum Umtopfen eine hochwertige Pflanzerde verwenden oder auch ein Kübelpflanzensubstrat. Bis Mitte Mai bleiben die Gewächse im Warmen, dann geht es nach draußen in den Garten. Ein vollsonniges Beet mit durchlässigem Boden eignet sich am besten. Auch ein Hochbeet ist geeignet, die lockere Erde, die schnellere Erwärmung und der sichere Wasserabzug fördern die Fruchtentwicklung. Für die Kultur von Erdnüssen braucht man übrigens nicht zwingend einen großen Garten, auch in Kübeln und Balkonkästen reifen die Früchte. Aufgestellt an der wärmenden Hauswand können sich die Pflanzen besonders gut entwickeln.