BR Fernsehen - Querbeet

Jedes Ei ein Unikat! Osterbrunnen Diepersdorf

An Ideen mangelt es den Malerinnen nicht. Wer seit über 25 Jahren Ostereier bemalt, sammelt immerzu Eindrücke, Bilder, Geschichten – und bannt die mit dem Pinsel auf handverlesene Hühnereier. Denn nicht jedes Ei ist gut genug…

Stand: 12.04.2019

Handverlesene Eier

In Diepersdorf werden, wann immer es geht, alle Eier ausgeblasen, nur so gibt’s genügend Rohmaterial für den Osterbrunnen. Damit sich Eier ausblasen lassen, brauchen sie Löcher und genau da fangen die Schwierigkeiten an. Am besten sind Eier mit kreisrunden Löchern, erklärt Andrea Schimmek. Nur diese halten später an den Schnüren und brechen nicht aus. Deshalb sortiert die Ostereierexpertin viele Eier schon vor dem Bemalen aus. Zudem lassen sich natürlich weiße Eier einfacher grundieren als grüne oder braune – auch das ein wichtiger Punkt. Ist die Auswahl getroffen, werden die Eier mehrfach einfarbig grundiert und erst dann geht’s ans Malen.

Von Hundertwasser bis VW-Bus…

…ist alles mit dabei. Je nach Motiv dauert das Bemalen mehrere Stunden. Oder auch mal einen ganzen Tag, lacht Uta Streng. Ihre Eier sind rundum bemalt – jedes Ei ein Kunstwerk für sich. Kathleen Dittes malt vorwiegend Naturmotive – von Insekt bis Faultier, dazwischen immer wieder Pflanzen. Als Vorlage dienen ihr Bücher, Zeitungen oder auch mal Taschentuchbehälter – nichts entgeht dem geschulten Auge der Diepersdorfer Malerinnen.

Andrea Schimek malt zudem gerne Serien – seien es Figuren in immer anderen Bewegungsmomenten, Persönlichkeiten aus Märchenbüchern oder lustig-launige Sprüche. So unterschiedlich wie die Malerinnen, sind auch deren Eier. Plastikeier kommen nicht an ihren Brunnen!
Sind die Motive fertig, lackiert Andrea Schimek alle Eier mit Bootslack. Das macht die zerbrechlichen Kunstwerke etwas stabiler und fixiert die Farbe.

2.200 Eier…

…haben die Diepersdorfer mittlerweile bemalt, 1.500 brauchen sie jedes Jahr für ihren Brunnen. Dafür werden die Eier auf Nylonschnüre gefädelt. So lassen sie sich dann später auf die Grüngirlanden und Gestelle binden.
Zum „Fädeln“ braucht es Schnur, Holzperlen, Eier und vor allem viele Hände. Zuerst werden die Eier nach Farbe und Motiv sortiert, dann kommen Holzperlen zwischen die Eier. Sie nehmen den Druck von den zerbrechlichen Eierschalen.
Die größte Herausforderung beim Fädeln ist aber das richtige Anordnen der Eier, damit später am Brunnen kein Motiv auf dem Kopf steht.

Gut drei Wochen bleibt der Diepersdorfer Osterbrunnen jedes Jahr geschmückt. Dann beginnt die Saison von vorne. Denn nach dem Abbau müssen die Eier erst getrocknet und dann sortiert werden. Was einen Sprung hat oder Farbe verliert, wird ausgemustert. Diese Eier kommen aber nicht etwa weg, sondern beginnen ein zweites Leben bei einer der Diepersdorfer Familien, sie nutzen diese Exemplare für die private Osterdekoration. Im Sommer treffen sich die Malerinnen dann bereits wieder zum Arbeiten. Nur um Weihnachten ist Pause, denn da möchte niemand an Ostern denken.