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Demenzgarten Gärtnern in der Seniorenresidenz

Ein Garten, der an die Bedürfnisse dementer Personen angepasst ist, kann diese Krankheit nicht heilen. Doch die Erfahrungen der Seniorenresidenz Neustift in Passau zeigen, dass er in der Lage ist, das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich zu steigern!

Stand: 03.09.2018

Wie alles begann

6500 m² groß ist die Freifläche der Seniorenresidenz Neustift. Also viel zu groß, um sie einfach ungenutzt zu lassen. Das dachte sich 2002 auch die Geschäftsleitung Beate Kainberger und begann, einen Garten anzulegen. Unterstützt wurde sie dabei von ihren Kollegen. Manche davon haben mittlerweile sogar ein gesplittetes Arbeitsverhältnis, verbringen die Hälfte ihrer Zeit mit der Betreuung von Senioren, die andere mit der des Gartens.

Der Garten als Raum für Therapie

Von den Bewohnern der Seniorenresidenz wird die Anlage ebenfalls intensiv genutzt. Täglich von halb zehn bis halb elf ist Gartenzeit im Demenzgarten. Und die beschränkt sich nicht nur aufs Rumsitzen. Wer möchte, gärtnert aktiv mit. Wer das nicht mehr kann, macht Ratespiele, Gymnastik oder häkelt.
Die dabei entstandenen Werkstücke finden sich im Garten wieder. So wie die gestrickten Kordeln, die um Dosen gewickelt den Rosenbogen schmücken, bis die Rosen das selbst übernehmen.

Der Garten als Therapie

Auch an anderer Stelle geht dieser Garten auf die Bewohner ein. Zeitliche und räumliche Verunsicherungen sind die Tücken der Demenz. Orientierungshilfen wie Jahreszeitenbeete ermöglichen es den Bewohnern, sich dennoch in ihrem Alltag zurechtzufinden. Hier wachsen Margeriten, Phlox und Sonnenhut. Pflanzen, die viele noch aus ihrer Kindheit kennen. Da Demenzkranke nichts Neues lernen können, ist es umso wichtiger, ihr Gehirn durch solche Erinnerungen zu aktivieren und zu trainieren. Darunter fällt auch das Ernten und Verarbeiten der Gartenfrüchte. Was wie heiteres Apfelpflücken aussieht, ist eine Form der Therapie, die sogenannte Biografiearbeit. In ihren klaren Momenten sind demente Menschen sich durchaus bewusst, was sie alles nicht mehr können. Sehen sie sich Erinnerungen aus ihrem Leben gegenüber, wie etwa dem Apfelpflücken, reagieren sie instinktiv. Sie ernten, erleben den Erfolg und fühlen sich so geschätzt.

Hier ein paar Tipps, wie man die Ansätze eines Demenzgartens auf den eigenen Hausgarten übertragen kann:

- große Flächen in derselben Farbe werden von den Betroffenen besser wahrgenommen
- Bauerngärten sind vielen Dementen zu wirr und bunt, sie werden unruhig. Ausnahmen sind hier solche Erkrankten, die Bauerngärten aus ihrer Kindheit kennen. Bei ihnen ruft diese Art der Gestaltung positive Erinnerungen und Wohlbefinden hervor
- Platzieren sie Gegenstände im Garten, die ebenfalls Erinnerungen hervorrufen und so einen guten Gesprächsansatz liefern