BR Fernsehen - Querbeet

Baum retten durch Köpfen?! Rezepte mit Balsampappel

Im Winter, in der laublosen Zeit, greifen viele Gärtner zu Schere und Säge, um Gehölze zu schneiden. Manchem Baum kann man mit der Säge sogar das Leben retten und bekommt zudem eine schöne Ernte.

Von: Sabrina NItsche

Stand: 22.01.2021

Vom Steckholz zum Baum

Die Balsampappel im Garten von Barbara Krasemann und Wolfgang Friedl ist 30 Jahre alt. Die Gärtnerin hat den Baum selbst aus einem Steckholz gezogen und seither jedes Jahr seine heilsamen Knospen im Winter geerntet. Doch seit fünf Jahren wächst der Baum nun nicht mehr Richtig, die Sommer waren sehr trocken und in der Krone sind viele Äste abgestorben. Jetzt ist es Zeit zu handeln und zwar aus mehreren Gründen:

"Ne, so ganz fit ist er nicht mehr, außerdem darf man nicht vergessen, wir werden älter und immer auf die Leiter und so, das ist auch nicht so toll. Aber wir geben ihm eine Chance, dass er noch ein paar Jahre hier wachsen kann, damit wir ihn noch ernten können. Aber das obere muss weg!"

sagt Barbara Krasemann.

Den Baum köpfen, um ihn zu retten? Das funktioniert. Denn der Schnitt fördert einen kräftigen Neuaustrieb. Vorausgesetzt der Stamm ist gesund, denn ein etwa 1 Meter hoher Stammstumpen bleibt stehen. Aus diesem Teil des Stamms soll der Baum, ähnlich wie eine Kopfweide, neue Triebe austreiben. Nach dem Fällen zeigt sich, der Stamm ist gesund. Damit das so bleibt, sorgt Wolfgang Friedl noch für eine saubere, leicht schräge Schnittfläche. So kann Regenwasser gut ablaufen und die Wunde gut heilen. Schon im kommenden Frühjahr wird der Baum hoffentlich gut austreiben und schon nächstes Jahr wieder große schöne Knospen liefern.

Nachwuchs durch Steckhölzer

Um sicher zu stellen, dass es auch weiterhin eine Balsampappel im Garten gibt, schneidet Barbara Krasemann noch einige Steckhölzer. Und zwar aus etwa dreijährigen Ästen, deren Seitentriebe sie entfernt und auf ca. 30-40 Zentimeter große Abschnitte kürzt. Diese kommen in ein freies Beet im Gemüsegarten. Dort hat die Gärtnerin den Nachwuchs stets im Blick. Haben die Steckhölzer Wurzeln gebildet, kommen sie im nächsten Herbst an ihren endgültigen Platz im Garten. Am liebsten stehen die Balsampappeln in nährstoffreichem, humosen Boden, der ausreichend viel Wasser bietet. Der jetzige Standort im Kräutergarten am Hang ist dagegen nicht so ideal, denn im Sommer ist es dort mittlerweile zu trocken.

Knospen-Ernte

Jetzt geht es ans Knospen ernten. Und zwar aus der gefällten Krone. Das duftende Harz, das die Knospen umhüllt. Es wirkt desinfizierend, antibakteriell und entzündungshemmend, darf deshalb in Barbara Krasemanns Hausapotheke nicht fehlen. Am größten sind die Terminalknospen, also die Spitzenknospen jedes Triebs. Bis zu zwei Zentimeter lang können diese sein. Doch von diesen gibt es nur eine Handvoll, der Rest ist winzig. 200 Gramm Knospen brauchen Wolfgang Friedl und Barbara Krasemann für ihre Rezepte.
Ein Knospen-Mazerat und einen Ölauszug möchte die Gärtnerin aus den Knospen gewinnen. Und auch die Rinde der Jungtriebe ist wertvoll. Die Rinde wird im Dörrautomat getrocknet und anschließend für Teemischungen verwendet.

Rezept: Balsampappel-Mazerat

Für ihr erstes Rezept, ein Mazerat, braucht Barbara Krasemann etwa 100 Gramm Balsampappel-Knospen. Die kommen in ein Glas mit dichtem Deckel. Fehlt noch das Lösungsmittel; bestehend aus Alkohol, Wasser und Glycerin.

Zutaten:
1 Teil Knospen
3 Teile Wasser
3 Teile 40 %igen Alkohol
3 Teile Glycerin

Zubereitung:
Sind die Knospen in dem Glas mit der Flüssigkeit aufgefüllt, wird das Glas geschlossen und geschüttelt. Anschließend kommt es an einen zimmerwarmen Ort, am besten in Sichtweite. Denn das Glas sollte mehrmals am Tag geschüttelt werden, damit sich kein Schimmel bildet. Nach drei bis vier Wochen wird abgefiltert und das Mazerat in kleine dunkle Flaschen abgefüllt. Angewendet wird es tropfenweise, zum Beispiel bei Entzündungen. Man kann es pur zum Beispiel bei Zahnfleischentzündungen anwenden oder auch verdünnt mit Wasser zu sich nehmen.

Rezept: Balsampappel-Salbe

Als Grundlage für die Salbe dient ein Ölauszug. Dazu werden 100 Gramm Knospen mit etwa 300 ml Pflanzenöl aufgefüllt. Auch dieses Glas muss jeden Tag mehrfach geschüttelt werden, bis man es nach einigen Wochen abfiltert. Dieser abgefilterte Ölauszug dient dann als Grundlage für die Salbe.

Zutaten:
Balsampappel-Ölauszug
Bienenwachspellets
Kakaobutterpellets

Zubereitung:
Um eine gute streichfähige Salbe zu bekommen braucht man pro 100 ml Öl 12 Gramm feste Fette. Dafür verwendet die Gärtnerin Bienenwachs und Kakaobutter-Pellets jeweils zur Hälfte. Die gibt sie jetzt in den Topf mit dem ab gefilterten Ölauszug und erhitzt das Ganze erneut. Aber nur bis die Pellets geschmolzen sind.
Noch einmal umrühren und die Masse direkt in kleine Dosen oder Gläser abfüllen. Damit die Salbe lange hält und sich beim Abkühlen kein Kondenswasser bildet, bleiben die kleinen Gefäße offen, bis die Salbe fest geworden ist.

Kontakt:

Barbara Krasemann
Dixenhausen 23
91177 Thalmässing
Telefon: 09173 78886