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Obstvielfalt Apfelbaum veredeln

Mitte Januar: Roman Döppler beim Schnitt von Reisern. Die braucht er zum Veredeln von Obstbäumen, denn die Edelreiser tragen die Erbinformation der Mutterpflanze in sich.

Stand: 10.04.2015

Apfelbaum | Bild: BR

Wichtig beim Schneiden der Edelreiser ist, dass die Triebe in Saftruhe sind. Das heißt man schneidet die Edelreiser am besten zwischen Anfang Dezember und Ende Januar.

Welche Edelreiser eignen sich?

Grundsätzlich verwendet man nur kräftige einjährige Triebe, die in der Kronenspitze gewachsen sind. Die Blattknospen an diesen Trieben ergeben dann später den Neuaustrieb. Außerdem wichtig: nur gesunde Edelreiser schneiden, denn nur die wachsen gut an und bringen den gewünschten Erfolg. Bis zum Veredeln lagert man die Reiser kühl, feucht und dunkel.

Im März kann es losgehen!

Mitte März ist es dann soweit: Roman Döppler will einen siebenjährigen Apfelbaum umveredeln, denn seine Früchte sind zu klein und kaum lagerfähig.

Beim Abwerfen, das heißt beim Zurücksetzen der Äste, ist es wichtig, dass man den Kronenaufbau mit verwendet. Der Baum soll also in seinem Aufbau erhalten bleiben. Man sucht sich glatte Stellen aus, an denen man die Äste zurücknimmt, denn an dieser Stelle wird später die Veredlung durchgeführt. Außerdem wird ein Zugast ausgesucht, dieser Zugast wird nicht zurück geschnitten! Er soll während des Austriebs den Druck von den jungen Veredelungen nehmen, die ganze überschüssige Kraft des Baumes aufnehmen. Ließe man keinen Zugast stehen, könnte es passieren, dass der Saftdruck die eingesetzten Edelreiser einfach ‚wegspült‘. Die Veredlung würde nicht gelingen. Das Abwerfen des Baumes ist ein großer Eingriff, ist aber notwendig, da die alte Sorte ganz durch neue Edelsorten ersetzt werden soll.

Saftwaage erhalten!

Die Leitäste kürzt Roman Döppler alle auf etwa gleicher Höhe ein, dadurch bleibt die ‚Saftwaage’ erhalten. Die ‚Saftwaage’ sichert die gleichmäßige Versorgung der Leitäste mit Nährstoffen. Der Mitteltrieb endet etwas darüber. Zum Umveredeln von Apfelbäumen sollte man verschiedene Sorten verwenden. In diesem Fall sind es früh-, mittel- und spätreifende Sorten, dadurch befruchten sich diese später gegenseitig.

Beim Veredeln des Apfelbaumes eignet sich eine Geißfußveredelung, zumindest für die Mitte des Baumes, denn dort ist der Pfropfkopf, also die Unterlage, stärker als das Edelreis. Bei der Geisfußveredelung führt man zwei Schnitte durch die einen Keil ergeben. Vorteil bei dieser Veredelungsart: Man ist unabhängig vom Rindenlösen und kann die Veredelung schon Mitte März durchführen. Am Baum werden dann ebenfalls zwei Schnitte durchgeführt, die es ermöglichen das Edelreis passgenau einzusetzen. Gelingt der Schnitt perfekt, liegen die Kambiumschichten von Edelsorte und Unterlage auf ganzer Länge aneinander – Grundvoraussetzung dafür, dass das Edelreis anwachsen kann. Als Kambium bezeichnen Gärtner die Zellschicht zwischen Rinde und Holz. Sie besteht aus extrem teilungsfähigen Zellen und übernimmt unter anderem auch das Heilen von Wunden.

Fixieren und verstreichen

Zum Fixieren verwendet Roman Döppler spezielle Veredlungsgummis. Diese pressen die Partner aneinander, schneiden aber nicht ins Holz ein und fallen im Laufe der Zeit von alleine ab. Zuletzt wird die Stelle mit Baumwachs verstrichen.

Das Geißfußveredeln erfordert viel Übung und ein einseitig geschliffenes Veredlungsmesser. Wer noch nie veredelt hat, kann sein Geschick an Weidenzweigen erproben und sich dann an seine Obstbäume wagen. Zudem sollte man die Wuchsstärke von Edelreiser und Unterlage kennen. Für Hochstämme eignen sich vor allem wüchsige Edelsorten wie ‚Boskoop’ oder auch ‚Florina’, denn die ermöglichen später einen schönen Kronenaufbau

Eine weitere Veredlungsmethode

Wenn Edelreis und Trieb gleich stark sind, ist die Kopulation die günstigste Veredelungsmethode. Dabei schneidet man über eine Länge von fünf Zentimetern und macht anschließend eine Gegenzunge. Die Kopulation mit Gegenzunge bringt gleich zwei Vorteile: Zum einen stabilisiert sich die Verbindung, zum anderen vergrößert sich der Bereich, an dem beide Kambiumschichten überlappen - das erleichtert das Anwachsen. Auch bei dieser Veredelung wird mit Veredlungsgummis gearbeitet und am Schluss mit Baumwachs verstrichen. Zum Schluss kürzt Roman Döppler alle Edelreiser auf etwa vier Augen ein. Aus diesen treibt der Apfelbaum im Frühjahr neue Zweige.

Internet-Tipp:

Informationen der Bayerischen Gartenakademie zum Veredeln finden Sie unter folgendem Link:


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