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Fleischfresser Folge 2 Fleischlos glücklich auf der Fensterbank?

Ohne Fleisch kein Überleben! Doch Beine, um ihrer Beute nachzujagen, haben fleischfressende Pflanzen nicht. Dafür kräftige Farben und vor allem einen verlockenden Duft, der die Opfer unwiderstehlich anzieht.

Stand: 01.07.2015

Venusfliegenfalle | Bild: BR

Schlaue Pflanzen

Fühlborsten sind der Auslöser. Zwei Berührungen innerhalb von 20 Sekunden und die Falle schnappt zu. Ein Entkommen? Unmöglich! Die Venusfliegenfalle hat ihre Blätter im Lauf der Evolution zu effektiven Klappfallen umgewandelt. Einmal ausgelöst, lassen sie kein Opfer mehr entkommen. Das Schließen dieser Fallen gehört zu den schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich: Nach etwa einer Zehntel Sekunde ist alles vorbei! Die Falle schnappt aber nicht sofort bei Berührung zu, könnte es sich doch nur um Falllaub oder einen Windstoß gehandelt haben. Die erste Berührung ist der Auslöser. Wahrgenommen wird sie von drei empfindlichen Borsten auf jeder Seite der Klappfalle. Wenn 30 Sekunden nach der ersten Berührung keine zweite erfolgt, schließt die Klappe nicht. Wenn doch, schlägt die Falle erbarmungslos zu.

Nach dem Zuklappen produziert die Venusfliegenfalle in ihren Fangblättern ein Verdauungssekret. Dieses löst innerhalb von zehn Tagen alle Nährstoffe aus der Beute. Übrig bleibt nur der Chitinpanzer. Der Klappmechanismus ist allerdings nicht besonders langlebig, die Fallen können sich nicht allzu oft öffnen und schließen, dann stirbt das Blatt ab. Dionaea muscipula heißt die Pflanze botanisch, sie ist die wohl bekannteste unter den über 600 Fleischfressenden Arten weltweit.

Auf der Fensterbank glücklich?

Einfach auf die Fensterbank stellen funktioniert bei vielen Karnivoren nicht unbedingt. Die trockene Heizungsluft und die hohen Temperaturen lassen die Klebetröpfchen des Sonnentaus ebenso vertrocknen wie die Fallen der Venusfliegenfalle oder die Kannen der Kannenpflanze. Möchte man die kleinen Fleischfresser zu Hause erfolgreich pflegen, muss man die Bedingungen ihrer Heimat, der Sümpfe und Moore, simulieren. Denn dort herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit und es gibt das ganze Jahr über viel Licht und Sonne. Zudem ist der Boden immer leicht feucht, teilweise gar sumpfig.

Genau diese Bedingungen brauchen die Pflanzen, um erfolgreich wachsen zu können. Als Kulturgefäß eignen sich Glasbehälter wunderbar. Für einzelne Pflanzen oder kleine Pflanzengruppen reichen Glaspokale oder kleine Vitrinen. In Aquarien lassen sich hingegen ganze Landschaften gestalten. Sabrina Werner hat ein 80-Liter-Aquarium gewählt und dessen Boden mit einer vier Zentimeter dicken Schicht aus Blähton bedeckt. Diese Schicht sorgt dafür, dass die Pflanzen später nicht an Staunässe leiden und gesunde Wurzeln ausbilden können. Als Substrat verwendet die Gärtnerin spezielle Karnivoren-Erde, diese ist sauer und nährstoffarm.

Pflanzenauswahl

Als erstes pflanzt Sabrina Werner zwei Venusfliegenfallen in ihr Aquarium, diese dürfen ganz vorne sitzen, denn dort bekommen sie später am meisten Licht. Daneben findet der Sonnentau seinen Platz. In den hinteren Bereich pflanzt Sabrina Werner eine schwachwüchsige Kannenpflanze. Sie stammt aus den Tropen, dort klettert sie Bäume hoch, kommt dadurch auch mit halbschattigen Standorten gut zurecht.

Innerhalb von wenigen Monaten breiten sich die Pflanzen im Gefäß aus und locken mit ihrem feinen Nektarduft so manch nervige Mücke ins Aquarium - raus kommt fast keine mehr! Füttern muss man die Gewächse übrigens nicht. Auch wenn nur wenige oder keine Insekten ins Aquarium fallen, versorgen sich die Pflanzen über das Torfsubstrat mit ausreichend Nahrung.

Kontakt zur in der Sendung vorgestellten Gärtnerei

Gartenbau Thomas Carow
Ümpfigstrasse 5
97720 Nüdlingen
Tel. 0971/98300
Fax 0971/98302


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