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Fleischfresser Folge 1 Vielfalt der Fangmethoden

In der Not frisst der Teufel auch Fliegen! In diesem Fall sind die 'Teufel' klein und grün und ständig in Not, denn an ihren Naturstandorten in Mooren, Sümpfen und Regenwäldern finden sie kaum Nährstoffe.

Stand: 01.07.2015

Sonnentau | Bild: BR

Deshalb haben sie sich auf das Fangen von fliegenden und krabbelnden ‚Düngetabletten' spezialisiert. 'Fleischfressende Pflanzen', sogenannte Karnivoren, gibt es weltweit, mehr als 600 Arten sind bekannt.

Vorsicht Falle!

Karnivoren ernähren sich nicht wie andere Pflanzen ausschließlich über ihre Wurzeln. Die Böden an den Naturstandorten sind meist so nährstoffarm, dass ein Überleben hier sehr ungewiss wäre. Da liegt es also nahe, sich eine andere Nahrungsquelle zu suchen und so den Nährstoffbedarf zu decken. Mit fünf verschiedenen Fallenarten jagen die interessanten Pflanzen. Diese nennen sich Klappfallen, Reusenfallen, Saugfallen, Fallgrubenfallen und Klebefallen. Mit Hilfe dieser Fallen fangen die Pflanzen Fliegen, Käfer und andere kleine Insekten. In den Fallen der Kannenpflanzen hat man aber auch schon kleinere Säugetiere wie Mäuse gefunden. Da Fleischfresser meist auf Primärstandorten angesiedelt sind, verschafft ihnen ihre Ernährungsstrategie einen zeitlichen Vorsprung gegenüber ihren Konkurrenzpflanzen.

Die klappende Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula

Ihre Blätter hat die Venusfliegenfalle im Lauf der Evolution zu effektiven Klappfallen umgewandelt. Einmal ausgelöst, lassen sie kein Opfer mehr entkommen. Das Schließen dieser Fallen gehört zu den schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich: Nach etwa einer Zehntel Sekunde ist alles vorbei! Die Falle schnappt aber nicht sofort bei Berührung zu, könnte es sich doch nur um Falllaub oder einen Windstoß gehandelt haben. Die erste Berührung ist der Auslöser. Wahrgenommen wird sie von drei empfindlichen Borsten auf jeder Seite der Klappfalle. Wenn 30 Sekunden nach der ersten Berührung keine zweite erfolgt, schließt die Klappe nicht. Wenn doch, schlägt die Falle erbarmungslos zu. Zersetzt ist die Beute nach ein bis zwei Wochen. Die Falle öffnet sich und Wind und Regen tragen den leeren Chitinpanzer fort. Der Klappmechanismus ist allerdings nicht besonders langlebig, die Fallen können sich nicht allzu oft öffnen und schließen, dann stirbt das Blatt ab.

Steckbrief

Venusfliegenfalle - Dionaea muscipula
Familie: Droseraceae - Sonnentaugewächse
Herkunft: nur in den Hochmooren von North und South Carolina beheimatet
Wuchs: krautiger Wuchs, bis zu 30 cm hoch, zu Klappfallen umgewandelte Blätter
Blütezeit: von März bis in den Sommer, weiße Blüten auf langen Blütenstielen
Standort: vollsonnig, humose Erde, hohe Luftfeuchtigkeit
Pflege: immer feucht halten, stauende Nässe wird teilweise toleriert, nicht düngen
Vermehrung: durch Aussaat

Der klebrige Sonnentau, Drosera capensis

Der Sonnentau hat eine andere Fangstrategie: Klebfallen. Seine Blattoberseite ist dicht besetzt mit gestielten, meist rötlichen Drüsen. Diese Drüsen produzieren einen Fangschleim, der den Opfern das Entkommen unmöglich macht. Sobald ein Insekt an einem dieser tentakelartigen Fäden hängt, beginnen die anderen Tentakel, sich auf das Insekt zu zu bewegen. Verdaut wird dann direkt vor Ort und mit Hilfe eines enzymhaltigen Saftes. Der Nachschub an Stickstoff, Phosphor und Kalium ist also gesichert.

Steckbrief

Sonnentau - Drosera capensis
Familie: Droseraceae - Sonnentaugewächse
Herkunft: Südafrika
Wuchs: Blattrosette, mehrjährig, Breite: 20 cm, Höhe: 20-30 cm
Blüte: dunkelrosa, über das ganze Jahr verteilt
Standort: Südfenster, hell, im Sommer warm, im Winter kühle Temperaturen, hohe Luftfeuchte
Pflege: Gießwasser nicht zu kalkhaltig, keine Düngung
Vermehrung: Wurzelschnittlinge, Aussaat

Die rutschige Schlauchpflanze, Sarracenia purpurea

Schlauchpflanzen sind mit die spektakulärsten Blüher unter den Fleischfressern. Aber auch nach dem Abblühen sind sie ein wahrer Blickfang. Die vielen Formen von Sarracenia purpurea beispielsweise bestechen durch die unterschiedlichsten Fallenzeichnungen. Diese bunten Farbspiele imitieren Blüten, die wiederum Insekten anlocken. Auf der Suche nach Nektar krabbeln diese über den glatten Rand und fallen in den ‚Schlund' der Pflanze, dort werden sie verdaut.

Steckbrief

Schlauchpflanze - Sarracenia purpurea
Familie: Sarraceniaceae - Schlauchpflanzengewächse
Herkunft: Osten Nordamerikas
Wuchs: 20-25 cm lange Schläuche, einzige Art ohne Deckel
Blütezeit: ab März, verschiedene Rottöne
Standort: verträgt Hitze und Sonne gut
Pflege: kann ausgepflanzt werden, frosthart bis -30° C
Vermehrung: durch Aussaat nach zweimonatiger Kühlperiode

Kontakt zur in der Sendung vorgestellten Gärtnerei

Gartenbau Thomas Carow
Ümpfigstrasse 5, 97720 Nüdlingen
Tel. 0971/98300
Fax 0971/98302


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