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Magnolien Traumhafte Frühlingsblüher

Verkünden die ersten warmen Tage das Näherkommen des Frühlings, haben sie ihren großen Auftritt. Keine andere Pflanze kann dann mit ihnen konkurrieren, denn ihre porzellanartigen, duftenden Blütenschalen sind an Schönheit kaum zu überbieten. Von wem die Rede ist? Natürlich von Magnolien!

Stand: 01.04.2016

Magnolie | Bild: BR

Schützender Pelz

Noch liegen die Knospen der Magnolien im Winterschlaf. Silbrige Haare schützen die Blütenanlagen vor Eis und Schnee, isolierend wie ein Pelz. Klettern die Temperaturen längere Zeit über den Gefrierpunkt wird der wärmende Mantel bald zu eng.

Die wachsende Knospe sprengt ihre Hülle, die bis zu 20 Zentimeter großen Blüten entfalten sich. Ein Moment herbeigesehnt und gefürchtet zugleich. Denn eine Frostnacht reicht, um die Pracht zu vernichten. Doch deshalb auf Magnolien verzichten? Auf keinen Fall, meint Klaus Körber. Sein Tipp: Das Risiko durch Sortenwahl und Standort minimieren. Wer auf der Suche nach einer Magnolie für den eigenen Garten ist, bekommt in Veitshöchheim einen guten Überblick über das Sortiment. 120 Magnolienarten und -sorten wachsen auf den Versuchsflächen der Landesanstalt für Gartenbau.

Magnolien von Klein bis Groß

Ursprünglich stammen Magnolien zum größten Teil aus Asien, zudem kommen Arten aus Amerika. Vor über 300 Jahren gelangten die ersten Pflanzen nach Europa, verwandeln seither viele Gärten im Frühling in ein Blütenmeer. Wählt man aus dem großen Sortiment der Arten und Sorten die richtige Magnolie aus, passt die Pflanze in wirklich jeden Garten. Die Sternmagnolie ist die kleinste Vertreterin im Magnolienreich, zählt zudem zu den am frühsten blühenden Arten. Die Farbpalette reicht von weiß über zartrosa bis hin zu kräftigerem rot. Größere Blütenschalen zeigen die Tulpenmagnolien, ihre Blütenschalen wirken in ihrer Vollkommenheit fast schon künstlich. Für Extravaganz im Garten sorgen zart gelbblühende Magnolien, die aus Kreuzungen mit der Gurkenmagnolie, Magnolia acuminata, entstanden. Sorten wie `Elisabeth´ oder `Yellow Bird´ blühen erst relativ spät und sind somit meist nicht von gefährlichen Spätfrösten betroffen.

Schönheit mit Ansprüchen

Damit die Pflanzen auf Dauer gut im Garten gedeihen können, sollte man beim Pflanzen etwas Umsicht zeigen. Magnolien lieben einen leicht sauren Boden. Da dieser bei uns kaum vorhanden ist, das Pflanzloch großzügig bemessen und etwas Rhododendron- oder Moorbeeterde beim Setzen mit einarbeiten. Bevor die Magnolie dann in den Boden darf, ritzt Klaus Körber den Wurzelballen leicht ein. Die Verletzung regt das Gehölz zum Ausbilden neuer Feinwurzeln an. Diese sind für die Wasser- und Nährstoffaufnahme verantwortlich. Beim Setzen achtet man zudem auf die Pflanztiefe, sie sollte dem ursprünglichen Bodenniveau im Topf entsprechen. Zu tief gepflanzte Bäume wachsen oft schlecht an. Ein Gießrand hilft das Wasser dahin zu leiten, wo es gebraucht wird – direkt an den Wurzelballen.

In den ersten Jahren die Magnolie während Trockenperioden ein- bis zweimal wöchentlich Wässern, ältere Pflanzen versorgen sich in der Regel selbst. Da Magnolien zu den flach wurzelnden Gehölzen zählen, die einen Großteil ihrer Wurzeln nahe der Erdoberfläche ausbreiten, nehmen sie einen viel begangenen oder befahrenen Standort, etwa nahe der Gartenauffahrt oder eines Weges, übel. Aus demselben Grund sollte die Baumscheibe rund um den Stamm nicht gehackt oder umgegraben werden. Um sich jährlich an den Blüten erfreuen zu können, sollte man auf einen windgeschützten, sonnigen bis halbschattigen Platz Wert legen. Kleinkronige Bäume kann man zudem in frostigen Nächten mit einem Vlies vor dem Blütenfrost schützen.

Malerischer Wuchs

Alle Magnolien haben einen malerischen Wuchs und sollten auf keinen Fall mit der Schere verstümmelt werden. Bei der Auswahl der Pflanzen ist deshalb schon auf die Wuchsstärke zu achten und es sollte ausreichend Platz eingeplant werden, damit die Pflanze auch später ihre volle Pracht entfalten kann. Jeden Schnitt straft die Magnolie mit dem Austrieb sogenannter Besen, das heißt an der Schnittstelle entwickeln sich zahlreiche Neutriebe, die wie ein Besen aussehen. Diese dichten Äste beschatten sich gegenseitig, schießen dadurch schnell in die Länge und verschandeln häufig das Aussehen des gesamten Baumes. Zur Schere greift der Gärtner deshalb wirklich nur, wenn abgestorbene Zweige das Bild stören oder sich ein einzelner Ast allzu weit in den Garten neigt.

Blüten für Käfer?

Magnolien zählen zu den ältesten Blütenpflanzen der Erde. Für die Bestäubung sind vor allem pollenfressende Käfer verantwortlich. Magnolienfrüchte ähneln wenn überhaupt den Zapfen von Nadelbäumen. Botanisch gesehen sind es verholzte balgfruchtähnliche Sammelfrüchte. Die Samen reifen ab Oktober und sind von einer orange bis rot gefärbten fleischigen Schicht umgeben. Bei manchen Arten scheinen die Samen sich abseilen zu wollen, sie hängen an einem dünnen Strang, dem sogenannten Funiculus, aus der Frucht heraus. Fallen die Samen auf den Boden und keimen, vergehen mindestens 5 bis 10 Jahre, manchmal aber auch 30, bis sich die ersten Blüten öffnen. In den Gärtnereien bekommt man deshalb in der Regel keine Sämlinge, sondern veredelte Jungpflanzen angeboten. Diese zeigen häufig bereits im zweiten Standjahr die ersten Blüten. Ihre volle Schönheit entfalten die sensiblen Diven allerdings erst im Alter.

Im Beitrag genannte Arten und Sorten:

  • Stern-Magnolie – Magnolia stellata
  • ‚Gelbe‘ Magnolie - Magnolia acuminata `Elisabeth´
  • Magnolia acuminata ´F.M.` x Magnolia sprengeri ´Diva’
  • Tulpen-Magnolie - Magnolia soulangeana ‘Burgundy’