BR Fernsehen - Querbeet

Kaffee Ernte von Kaffeekirschen in Bayern

Ein Morgen ohne Kaffee: unvorstellbar. Das ist die Meinung der meisten Deutschen. Zwei bis drei Tassen trinkt jeder täglich. Doch selbst Kaffeekirschen ernten, dass können wohl die wenigsten.

Stand: 30.10.2015

Kaffeekirschen | Bild: BR

Kaffee macht munter: Das in den Bohnen enthaltene Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem, steigert die Konzentration und sorgt für gute Laune .Ob als Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato – Kaffee hilft Schlafmützen auf die Beine.

Kaffee macht munter.

Auch bei Till Hägele geht morgens nichts ohne Kaffee. Eines unterscheidet ihn jedoch vom klassischen Kaffeetrinker: Als Leiter der Gewächshäuser des Botanischen Gartens München, begegnet er täglich dem Gewächs, das die Kaffeebohnen produziert. Coffea arabica nennen Botaniker das Gehölz, das in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens als kleiner Baum wächst und regelmäßig fruchtet. Die Kaffeebohnen reifen jeweils zu zweit in einer Frucht, die in der Reife kirschrot gefärbt ist. Aus diesem Grund nennt man die Früchte auch Kaffeekirschen. Möchte Till Hägele Kaffee aussäen, erntet er einfach einige der Früchte.

Auf der Fensterbank anziehen

In Botanischen Gärten ernten darf natürlich nicht jeder. Muss auch nicht sein. Denn Kaffeesamen findet man leicht im Internet. Häufig ist das sogar überraschend günstig. Doch hier ist Vorsicht geboten. Der Preis allein ist nicht entscheidend, auf die Qualität kommt es an. Frisches Kaffeesaatgut ist hell. Je älter der Samen ist, desto dunkler wird er und desto mehr bekommt er eine Patina. Damit die Samen gut keimen, sollte man sie vor dem Säen quellen lassen. Bei sehr altem Saatgut verfärbt sich das Wasser bräunlich und die Samen bleiben dennoch hart. Bei solch altem Saatgut ist natürlich auch kein guter Keimerfolg gewährleistet. Frisches, helles Saatgut ist nach dem Quellen etwas nachgiebig und kann dann einfach in kleine Töpfchen ausgesät werden. Als Substrat sogenannte Aussaat- oder Kräutererde verwenden. Diese ist nur mit wenig Nährstoffen angereichert und zudem durchlässig. In einen neun Zentimeter großen Topf kann man dann gleich mehrere Samen ablegen, nach dem Keimen werden diese später vereinzelt. Damit Kaffee zügig keimt, braucht er Temperaturen von 18-22 Grad und ausreichend Feuchtigkeit. Spitzen die ersten Blätter, kann man sie etwas kühler stellen. Kälte und Zugluft mögen aber auch Jungpflanzen nicht.

Von der Jungpflanze zur Frucht

Drei bis vier Monate nach der Aussaat sind die Pflanzen gut 20 Zentimeter hoch, haben die ersten richtigen Blätter entwickelt. Jetzt ist es Zeit die Pflanzen zu pikieren, das heißt zu vereinzeln. Dazu die jungen Kaffeepflanzen austopfen und vorsichtig auseinander ziehen. Anschließend geht es für die Kaffeepflanzen mit frischer Erde in einen neuen Topf. Beim Vereinzeln wählt Till Hägele nur die kräftigsten Keimlinge aus, um so die wüchsigsten Pflanzen zu erhalten.

Nach dem Topfen dürfen die Gewächse wieder ans Fensterbrett. Bis die jungen Kaffeebäume das erste Mal Früchte tragen, werden gut fünf Jahre vergehen. Ob es dann schon für eine Tasse Kaffee reicht, ist fraglich. Dennoch ist Coffea arabica eine wertvolle Kübelpflanze.