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Winterportulak Gemüse für Zwischendurch

Hobbygärtner schmieden im Winter Pläne: Welche Arten werden ausgesät? Wer steht später im Topf? Wer im Beet? Im Erwerbsgartenbau ist das anders. Hier werden bereits im Spätsommer die Weichen fürs nächste Jahr gestellt, damit die Gewächshäuser den Winter über nicht leer stehen.

Stand: 30.01.2015

Winterportulak | Bild: BR

Die Gärtner säen ihre Kaltkeimer aus. Das sind Arten, deren Saatgut bei niedrigen Bodentemperaturen aufläuft, sprich keimt. Eine davon ist Winterportulak, botanisch Claytonia perfoliata.

Die Aussaat und das Keimen

Gesät wird in Quickpot- oder Multitopfplatten, die mit nähstoffarmer Aussaaterde befüllt wurden. Den Winterportulak sät man nicht einzelkornweise, sondern legt pro Saatschale immer mehr Körner ab. So entwickeln sich später Tuffs und man kann ganze Büschel ernten. Im Gegensatz zur Aussaat in kleine Töpfe nutzt man bei der Multitopfplatten-Variante die vorhandene Fläche bestmöglich aus. Auch eine Aussaat in Schalen ist denkbar, ist aber beim Auspflanzen mit mehr Aufwand verbunden, da die einzelnen Pflänzchen erst einmal getrennt und dann wieder in Tuffs zusammengefasst werden müssen.

Wie erwähnt zählt Winterportulak oder Postelein zu den Kaltkeimern, sein Saatgut läuft bei Bodentemperaturen unter 12 Grad auf. Daher bietet er sich ideal für die Winterkultur an und kann Ende August / Anfang September gesät werden. Man kann ihn natürlich auch erst Anfang Februar säen, dadurch ist aber das Zeitfenster zur Ernte wesentlich geringer.

Die Weiterkultur

Von der Aussaat bis zur ersten Ernte vergehen acht Wochen. Und obwohl die Pflanze zu den Lichtkeimern gehört, benötigt das Saatgut von Claytonia perfoliata relativ wenig Licht zum Auflaufen. Sogar unter einer schwarzen Vliesabdeckung, die zum Beschleunigen der Keimphase dient, sprengt der motivierte Nachwuchs die einengende Samenhülle und beginnt zu wachsen.

Kurze Zeit später kann die Temperatur reduziert werden. Im weiteren Kulturverlauf reichen der Pflanze 4-8 Grad. Am besten pflanzt man den Wintersalat dazu in ein unbeheiztes Gewächshaus. Die Kultur funktioniert auch in Beeten im Freiland oder im Balkonkasten. Hier muss für die Winterernte allerdings an frostreichen Tagen zusätzlich eine Vliesabdeckung angebracht werden. Pflegearbeiten sind meist nicht nötig. Die Pflanzen sprießen so schnell, dass Beikräuter kaum eine Chance haben. Und auch sonst ist das Gemüse eher anspruchslos. Meist als Folgekultur angebaut, begnügt es sich mit den noch im Boden vorhandenen Nährstoffen.

Die Ernte

Im Erwerbsanbau wir der im September gesäte Postelein von November bis Februar, manchmal auch bis in den März hinein geerntet. Er ist ein sehr schönes Wintergemüse, das reich an Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen ist, und besticht durch niedrige Nitratgehalte. Beim Ernten stets soviel an den Pflanzen belassen, dass diese erneut austreiben können. So kann man Claytonia perfoliata im Hausgarten sogar bis zu sechs Mal beernten. Doch spätestens zur Blütezeit Ende März/Anfang April ist Schluss. Im jungen Stadium können die Blüten zwar mit verzehrt werden. Je weiter sie sich öffnen, desto bitterer werden sie allerdings. Auch neigt Winterportulak dazu, sich stark zu versamen. Ein weiterer Grund, die Beete zuvor abzuräumen.

Steckbrief: Winterportulak

Aussaattermin: ganzjährig, außer von Juni bis August
Reihenabstand: 10-20 cm
Abstand in der Reihe: 10-20 cm
Saattiefe: 0,5 cm
Ansprüche: Schwachzehrer, feuchter Boden, Halbschatten bis Schatten
Keimdauer: 7-14 Tage
Kulturdauer: 2-4 Monate


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