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Buntnesseln Bunt ohne Blüten

Unzählige Farben in immer neuen Kombinationen und Mustern. Buntnesseln lassen einen schnödes Blattgrün fast vergessen. Außerdem sind sie das, was die meisten Gärtner heute von ihren Pflanzen fordern: pflegeleicht!

Stand: 16.10.2015

Buntnessel | Bild: BR

Auf Deutsch heißen sie einfach nur Buntnesseln. Ihr Laub erinnert an das der Nesseln und ist bunt. Was die Familienzugehörigkeit anbelangt, steckt man sie zu den Lippenblütlern, den Lamiaceae.

Schwieriger wird es da bei Gattungs- und Artnamen. Den wechseln die Buntnesseln häufiger. So hießen die Pflanzen früher einmal Coleus blumei, daraus wurde dann Scutellaria scutellarioides und heute kennt man Buntnesseln unter der botanischen Bezeichnung Plectranthus scutellarioides. Es sind einige Arten der Buntnesseln bekannt, doch was bei uns im Handel ist, sind meistens Hybriden. Denn Buntnesseln kamen schon Mitte des 19. Jahrhundert nach Europa und auch damals handelte es sich bereits um Hybriden.

So mögen es Buntnesseln

Sie haben keine großen Ansprüche an Substrat, Temperatur, Düngung und Wasser. Das heißt, wie die meisten Zimmerpflanzen gießt man sie 1-2 mal wöchentlich im Sommer bzw. 1 mal wöchentlich im Winter. Gedüngt wird im Sommer einmal pro Woche mit Flüssigdünger, im Winter alle 2 Wochen.

Anspruchsvoller werden die Pflanzen, wenn es ums Thema Licht geht:

Viele der Blätter an den Pflanzen wirken enorm dunkel und oft alles andere als grün. Das heißt aber nicht, dass in ihnen kein Chlorophyll enthalten ist. Denn ohne Chlorophyll könnten die Pflanzen keine Photosynthese betreiben und wären nicht lebensfähig. Somit ist das Blattgrün auch in vermeintlich rot aussehenden Buntnesseln enthalten. Es wird einfach von kräftigeren Farben überdeckt. Daher Buntnesseln besonders hell aufstellen. Das hat zwei Vorteile: das enthaltene Chlorophyll kann seine Arbeit in Form von Photosynthese erledigen und die Farben des Laubes werden intensiver.

Vermehrung

Doch Vorsicht: Viel Licht und Dünger lassen die Pflanzen in die Höhe wachsen und blühen. Zeit für den Rückschnitt. Dabei die Blüten entfernen und die Pflanzen in Form schneiden. Aus dem Schnittgut lassen sich Stecklinge gewinnen. Und zwar Kopf- aber auch Teilstecklinge. Als Kopfstecklinge bezeichnet man die Spitzen von Trieben, als Teilstecklinge solche, bei denen die Spitze fehlt, zum Beispiel weil hier schon früher einmal eine Blüte entfernt wurde. Abgesehen vom Austrieb sollte ein Buntnesselsteckling aus 2-3 gesunden Blattpaaren bestehen. Besser 3, da das unterste Blattpaar entfernt werden muss. Würde man es an der Pflanze belassen, wäre es nach dem Stecken unter der Erde und würde zu schimmeln beginnen. Normalerweise sagt man: Gesteckt wird in nährstoffarme Aussaaterde. Bei Buntnesseln tut es aber auch normale Blumenerde. Auch muss man hier nicht erst in kleine Töpfe stecken und später umtopfen. Es kann direkt in größere Modelle, etwa mit 9 cm Durchmesser, gesteckt werden. 14 Tage später haben die Pflanzen dann meist auch schon Wurzeln gebildet. Erkennen kann man das an den Triebspitzen oder den treibenden Seitenknospen. Wenn sie austreiben, war die Vermehrung erfolgreich. Querbeet-Zierpflanzenexperte Till Hägele, der im Beitrag die Vermehrung erklärt, stellt seine Buntnesseln an ein Ostfenster. Anders als an einem Südfenster wird ihnen hier nicht zu heiß, aber sie erhalten dennoch ausreichend Licht. Eine andere Variante: die Aussaat. Sie erfolgt bei etwa 22 Grad. Die Samen werden hierfür nicht abgedeckt, wenn sie auf dem Vermehrungssubstrat abgelegt wurden, sie sind Lichtkeimer.

Buntnesseln im Beet

Buntnesseln können auch ins Freiland! Egal ob über Samen oder Stecklinge vermehrt. Im Botanischen Garten München-Nymphenburg verwenden die Gärtner eine Mischung aus beidem. Genauer gesagt sät man hier bereits im Herbst aus, kultiviert die Pflanzen den Winter über im Gewächshaus und schneidet dann im zeitigen Frühjahr Stecklinge aus ihnen. So entwickeln sich die Pflanzen am Jahresanfang besonders schnell und machen dann eine besonders gute Figur, wenn sie Mitte Mai in den Schmuckhof gepflanzt werden.

2015 bildeten sie dort gemeinsam mit anderen Beet- und Balkonblumen in insgesamt 400 Arten und Sorten den Sommerflor.

Wichtige Voraussetzung für Buntnesseln im Freiland: die Temperaturen dürfen nicht mehr unter 15 Grad sinken. Ansonsten sind die Pflanzen aber dankbare Gartenbewohner. Sie begnügen sich mit Sonne oder Halbschatten, sind alles in allem ebenso pflegeleicht wie im Haus. Nur die Wasserversorgung sollte man im Auge behalten. Und: vorm Pflanzen den Boden tiefgründig lockern.

Im prominenten Schmuckhof soll es das ganze Jahr blühen – und das am besten ohne Lücken im Beet. Damit das funktioniert, pflanzen die Gärtner die Buntnesseln und auch den restlichen Sommerflor im Abstand von 20-25 Zentimetern. Die Buntnesseln zogen sich 2015 wie kleine Inseln durch die Beete des Schmuckhofes – immer gruppiert zu 7-10 Exemplaren einer Variante. Gemeinsam mit Harfenstrauch, Ziersalbei und Feldrittersporn bildeten sie den Rahmen für die diesjährige Pflanzung. Die stand unter dem Motto „Insektenfreundliche Sommerblumen“.

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