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Win-win-Situation Der Duft der Weiden

Fliegen Insekten verschiedene Weidenarten an, können sich diese untereinander kreuzen: sie bastardieren. Aber ist das so gewollt? Schließlich hieße das, dass die Arten ihre Eigenständigkeit verlieren.

Stand: 01.04.2016

Weide | Bild: BR

Diese Frage hat auch Dr. Gregor Aas beschäftigt, den Direktor des Botanischen Gartens in Bayreuth. Sein Lösungsansatz liegt in der Methode der Weiden, Insekten anzulocken: ihrem Duft.

Selbst an einem nasskalten Tag ist der Duft sehr intensiv und Voraussetzung dafür, dass auch auf großer Entfernung Bestäuber angelockt werden. Allerdings: Würden alle Weidenblüten gleich aussehen und duften, könnten die Insekten nicht unterscheiden, welche Art sie gerade anfliegen. Und dann käme es häufiger zu Kreuzungen. Um dem auf die Spur zu kommen, haben Gregor Aas und sein Kollege Martin Feulner den Weidenduft abgesaugt. Über einen Blütenstand wird eine Tüte gestülpt, verschlossen und der Duft in ein Röhrchen gepumpt. Und das an je 4 Blütenständen bei 18 verschiedenen Weidenarten.

Keine duftet wie die andere

Der nächste Schritt passiert im Labor. Ein Gas-Chromatograph hat die einzelnen Duft-Komponenten voneinander getrennt. Und das Ergebnis?

"Das Interessante ist, dass die verschiedenen Weidenarten einen spezifischen Blütenduft haben und die einzelnen Duftkomponenten in unterschiedlichen Anteilen in den einzelnen Arten vorkommen. So dass Insekten die Arten als solche tatsächlich erkennen können und zunächst innerhalb einer Art bevorzugt bestäuben. Dadurch wird die Bastardierung deutlich reduziert. Eine zweite Funktion dieses unterschiedlich zusammengesetzten Blütenduftes ist, dass Komponenten für wärmeliebende, tagaktive Insekten vorhanden sind, zum anderen aber auch für solche Insekten, die bei kühleren Temperaturen und regnerischem Wetter noch aktiv sind. Das hat für die Weide den Vorteil, dass auch bei kühleren Temperaturen die Bestäubung gesichert ist." Dr. Gregor Aas

Es scheint also, dass jede Weiden-Art unter sich bleiben möchte. Ganz egal, welcher Bestäuber wann vorbeikommt. Ein hundertprozentiger Schutz vor Kreuzungen sind die unterschiedlichen Duftstoffe aber dennoch nicht, eine Bastardierung wird aber immerhin eingeschränkt.

Das Salicetum in Bayreuth

Experten kennen an die 500 Arten der Gattung Salix. Im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth hat man alleine den Weiden 2.000 m² zur Verfügung gestellt. Im sogenannten Salicetum wachsen 90 verschiedene Arten, an denen unter anderem zu den Themen Bestäubung und Vermehrung geforscht wird.

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