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Neophyten Pflanzliche Einwanderer

Als Neophyten bezeichnen Botaniker Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas1492 beabsichtigt oder unbeabsichtigt vom Menschen in Gebiete gebracht wurden, in denen sie vorher nicht vorkamen. Einige dieser Neophyten können Probleme bereiten. Entweder, weil sie einheimische Arten verdrängen, wirtschaftliche Schäden verursachen oder sogar gesundheitsschädlich sind.

Stand: 26.06.2015

Neophyten | Bild: Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth

Dr. Marianne Lauerer vom Ökologisch-Botanischen Garten in Bayreuth stellt einige der bekanntesten und problematischsten Neophyten vor.

Das Drüsige Springkraut

"Das Drüsige Springkraut stammt vom indischen Subkontinent und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeführt. In der Folge ist es, weil seine Blüten sehr gerne von Bienen besucht werden, auch als Bienenweide immer wieder in der freien Landschaft ausgebracht worden. Und diese Mehrfachausbringung hat sicher auch dazu beigetragen, dass das Springkraut so weite Verbreitung gefunden hat."

Dr. Marianne Lauerer

Jede Pflanze produziert an die 4000 Samen, die sie mehrere Meter weit schleudert. Eine Bekämpfung des Indischen Springkrauts wird durch die große Verbreitung oft nur bei massiven Vorkommen und etwa in Naturschutzgebieten durchgeführt. Gesundheitsschädlich ist das Gewächs nicht. Seine Samen sind sogar essbar.

Japan-Knöterich und Sachalin-Knöterich

Auch von den nächsten Kandidaten droht keine gesundheitliche Gefahr – dafür eine wirtschaftliche. Ihre Wurzeln besitzen eine enorme Sprengkraft und verursachen dadurch Probleme an Flüssen und Deichen.

"Diese Staudenknöterich-Arten sind als Zierpflanzen nach Mitteleuropa gekommen und kommen mittlerweile in der freien Natur spontan vor. Das ist aus Sicht des Naturschutzes ein Problem, weil sie sich in Ufernähe sehr leicht ansiedeln. Es sind Pflanzen, die sich über Rhizome ausbreiten - jedes kleine Rhizomstück kann wieder bewurzeln. Zudem sind sie sehr raschwüchsig und können mehrere Meter hoch werden. Die Wüchsigkeit des Sachalin-Knöterichs etwa führt dazu, dass es im Bestand dunkel wird, die heimischen Begleitarten werden stark ausgedunkelt und verdrängt, so dass die Knöteriche Reinbestände in Ufernähe bilden können. Wenn man den Knöterich bekämpfen möchte, muss man alle unterirdischen Rhizome aus der Erde entfernen, um den Bestand komplett beseitigen zu können."

Dr. Marianne Lauerer

Die Beifußblättrige Ambrosie

"Die Ambrosie ist windbestäubt, ihr Pollen wird über den Wind vertragen. Und das ist auch das Problem, denn der Pollen wirkt stark allergieauslösend und führt zu Heuschnupfen, Rhinitis und, bei besonders empfindlichen Personen, bis hin zu Asthma. Vor allem Allergiker haben damit große Probleme, zumal sie auch erst sehr spät im Jahr blüht und ihre Pollen ausstäubt, wenn andere heimische Pflanzen schon längst verblüht sind. Für Allergiker wird also die Phase der Pollenbelastung in der Luft über mehrere Wochen verlängert. Die Blühphase der Ambrosie kann bis in den Oktober reichen." Dr. Marianne Lauerer

Internet-Tipp: Ambrosia melden

Wer die Pflanze in der freien Landschaft entdeckt, kann den Fund melden. Weitere Infos finden Sie unter folgenden Links:

Und woran erkennt man die Ambrosie?

Die Ambrosie wird gern mit dem einheimischen Beifuß verwechselt. In der Tat sind die Blätter ähnlich. Allerdings sind die Blätter des heimischen Beifuß unterseits durch die Behaarung weißlich, während die Ambrosie auf der Unterseite hellgrün ist. Eingeschleppt wurde die Ambrosie unter anderem durch verunreinigtes Vogelfutter und Saatgut. Erkennen kann man die Samen an der charakteristischen Spitze, umgeben von mehreren kleineren Spitzen.

Die Herkulesstaude

Der nächste Kandidat gehört sicher zu den bekanntesten Neophyten. Kein Wunder, das Herkulesstaude oder Riesen-Bärenklau genannte Gewächs ist kaum zu übersehen.

"Die Pflanze ist zwei-bis mehrjährig, das heißt, sie bildet im ersten Jahr eine große Rosette und im zweiten Jahr entwickelt sie einen mehrere Meter hohen Blütenstand, aus dem sich dann die Samen entwickeln. Nach der Fruchtreife stirbt die Pflanze ab. Die Herkulesstaude ist mittlerweile an feuchteren Standorten weit verbreitet und eine wirkliche Problempflanze. Im Pflanzensaft von Blättern und Stängel sind Furanocumarine enthalten, die auf der Haut in Verbindung mit Sonnenlichteinwirkung zu Verbrennungen führen. Man sollte also tunlichst bei der Bekämpfung vermeiden, in Kontakt mit dem Saft der Herkulesstaude zu kommen."

Dr. Marianne Lauerer

Die Kanadische Goldrute

"Die Goldrute gehört in die Verwandtschaft der Korbblütler, ist verwandt mit dem Löwenzahn, was man an ihren vielen kleinen gelben Körbchenblüten erkennen kann. Wie der Löwenzahn bildet die Goldrute Früchte, die flugfähig sind und sich über große Distanzen ausbreiten. Wenn die Goldrute in Feuchtflächen einmarschiert und sich dort ausbreitet, ist es ein Problem aus Sicht des Naturschutzes. Bei uns sind Feuchtbiotope selten geworden und deswegen geschützt. In solchen feuchten Habitaten muss die Goldrute entfernt werden, damit sie nicht die seltenen einheimischen Arten in den Biotopen verdrängt." Dr. Marianne Lauerer

Neben der Verbreitung über Samen hat die Goldrute noch eine zweite Methode entwickelt sich auszubreiten. Sie schiebt lange Wurzelausläufer durch den Boden.

Auch Gartenbesitzer in der Verantwortung

Wann ist eine Bekämpfung von invasiven Pflanzen nötig und wann nicht? Wenn sich eine Art in großen Beständen erst mal etabliert hat, wird die Bekämpfung schwierig. Besonders wichtig ist es daher, dass es gar nicht erst so weit kommt, meint Marianne Lauerer:

"Meines Erachtens sind an der Stelle auch Gärtner und Gartenbesitzer gefordert, weil ein Großteil der Pflanzen, die neu zu uns kommen, als Zierpflanzen eingeführt werden. Die Gärtner sind dann die ersten, die feststellen, wenn eine Pflanze besonders ausbreitungsstark ist. Und da ist der Gärtner gefordert, dass solche Pflanzen den Garten nicht verlassen."

Kontakt:

Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth
Tel. 0921 552961
Fax. 0921 55 2976
Mail: obg@uni-bayreuth.de


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