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Weihnachtssterne Pflanzen mit Zeitgefühl

Weihnachtssterne können die Tageslänge messen. Sobald im Herbst die Nächte länger werden als zwölf Stunden, beginnen sie mit der Anlage von Blüten und Hochblättern. Diesen Effekt machen sich die Gärtner zunutze.

Stand: 08.12.2014

Weihnachtsstern | Bild: BR

Weihnachtssterne oder Poinsettien sind sogenannte Kurztagspflanzen. Das bedeutet, sie blühen dann, wenn sie täglich nur über einen bestimmten Zeitraum Licht bekommen. Abhängig von der Sorte liegt die tägliche Belichtungsdauer bei etwa 12 Stunden. Durch gezieltes Belichten und Verdunkeln können Gärtner die Blütenbildung der Weihnachtssterne ziemlich exakt steuern. Daher findet man in den Gärtnereien oft schon im Oktober blühende Poinsettien. Diese wurden vorher acht Wochen lang im Gewächshaus verdunkelt, man hat ihnen also lange Nächte vorgetäuscht. Dieses System funktioniert auch Zuhause.

Wer im Wohnzimmer noch einen Weihnachtsstern aus dem Vorjahr stehen hat, der immer nur grün wächst, kann ihn gezielt zu Weihnachten zum blühen bringen. Acht Wochen vor Weihnachten stülpt man jeden Abend gegen etwa sechs Uhr einen lichtundurchlässigen Karton über die Pflanze. Morgens um acht befreit man die Poinsettien wieder. So kann man die ganz normalen Wohnzimmerlampen nutzen, und der Weihnachtsstern bekommt auf jeden Fall mehr als zwölf Stunden Nacht. Und dadurch blüht er dann pünktlich zum Weihnachtsfest.

Nicht nur rot ...

Auffällig an Poinsettien sind genau genommen nicht die Blüten, sondern die rot gefärbten Hochblätter, von Gärtnern Brakteen genannt. Die eigentlichen gelben Blüten stehen im Zentrum der Hochblätter und sind eher unscheinbar. An diesen Blüten kann man aber ablesen, wie ‚alt‘ ein Weihnachtsstern ist. Denn sind die nur wenige Millimeter großen Blüten vollständig geöffnet, das heißt die Staubblätter sind bereits alle zu sehen, beginnt der Weihnachtstern bald abzublühen. Beim Einkauf deshalb auf die kleinen ‚Knubbel‘ im Inneren der roten Hochblätter achten, die Blüten sollten noch frisch aussehen und sich gerade erst öffnen. Zur Adventszeit haben 90 % aller Weihnachtssterne rote Brakteen. Dabei lohnt es sich, mal über den Tellerrand zu schauen, denn es gibt zahlreiche Sorten mit ungewöhnlich gefärbten Hochblättern. Die Hochblätter von 'Premium Ice Crystal' beispielsweise sind hummerrot und tragen innen cremefarbene, kristalline Strukturen. Ein Farbmuster, das schön mit dem dunkelgrünen Laub harmoniert.

Klein aber fein: die ´Princettia´-Serie

Die Poinsettien aus der ´Princettia´-Serie unterscheiden sich in ihrem Aussehen schon sehr von den klassischen Weihnachtssternen. Sie sind kleiner und zierlicher als Euphorbia pulcherrima, haben eine kugelige Form und tragen viele kleine Hochblätter. Eine Züchtung, die ursprünglich aus Australien und Japan nach Europa gekommen ist. Das Farbspektrum dieser Serie reicht von zarthellem rosa bis zu kräftigem pink. Die Gärtner hoffen, dass mit der ´Princettia´-Serie die Poinsettien nicht nur zu Weihnachten in die Wohnungen geholt werden, sondern das ganze Jahr über neben anderen Zimmerpflanzen ihren Platz finden.

Steckbrief: Weihnachtsstern - Euphorbia pulcherrima


Familie: Wolfsmilchgewächse - Euphorbiaceae
Herkunft: Mexiko
Wuchs: aufrecht, verzweigt, bis zu zwei Meter hoch, dunkelgrünes Laub
Blütezeit: Im Winterhalbjahr, von November bis in den März
Standort: hell, sonnig und warm, aber vor direkter Mittagssonne schützen, im Winter nicht unter 18 °C, im Sommer gerne auf der Terrasse
Pflege: leicht feucht halten, keine Staunässe, nach der Blüte stark zurück schneiden
Vermehrung: durch Stecklinge, bewurzeln nur bei Temperaturen über 22 °C, mit Folie für hohe Luftfeuchte sorgen


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