BR Fernsehen - Querbeet

Rizinus, Eisenhut, Schierling Todesursache Pflanze

Man sieht es ihnen nicht unbedingt an. Doch in den schönsten Pflanzen steckt bisweilen Tödliches. Eine Reise durch die "mörderische" Welt der Pflanzen bietet der Ökologisch-Botanische Garten in Bayreuth in einer Führung.

Stand: 27.11.2015

Pflanzenmord | Bild: BR

Der Wunderbaum - Ricinus communis

Der Wunderbaum wird in unseren Breiten als einjährige Zierpflanze kultiviert. Sein „mörderischer“ Inhaltsstoff ist das Protein Rizin, das sich in den Samen befindet.

Zerkaut man die Samen, kommt es nach spätestens einigen Tagen zu den charakteristischen Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, blutige Durchfälle, Krämpfe, Fieber, Atemlähmung und Herzrhythmusstörungen. Als tödliche Dosis bei Erwachsenen gelten 20 Samen. Das aus den Samen gewonnen Rizinusöl enthält übrigens kein Rizin. Es kommt beispielsweise als Abführmittel oder in der Kosmetikindustrie zum Einsatz.

… und die Geschichte

Das Rizin ging beim sogenannten „Regenschirmattentat“ in die Geschichte ein. Am 7. September 1978 wurde der bulgarische Schriftsteller Georgi Markow vermeintlich aus Zufall mit der Spitze eines Regenschirmes verletzt. So injizierte der Täter ein Kügelchen von nicht einmal 2 mm Durchmesser in den Unterschenkel des Opfers. Die Kugel war mit Rizin gefüllt und mit einer Zuckerlösung verschlossen. So konnte sich bei Körpertemperatur das Gift nach und nach ausbreiten. Drei Tage nach dem Attentat starb der Schriftsteller.

Der Eisenhut - Aconitum napellus

Auch er musste über Jahrhunderte als Mordinstrument herhalten: der Eisenhut. Eine unserer giftigsten heimischen Pflanzen. In all seinen Pflanzenteilen steckt das Alkaloid Aconitin, das bereits in geringen Mengen tödlich wirkt. Es kommt in allen Teilen der Pflanze vor. Die tödliche Dosis bei Erwachsenen liegt bei 2 bis 4 g der Wurzel. Das entspricht 1 bis 10 mg Aconitin pro kg Körpergewicht. Der Tod tritt meist innerhalb weniger Stunden ein, durch Herzversagen und Atemlähmung. Die Pflanze blüht blau von Juni bis September und kommt im Garten an schattigen Stellen zum Einsatz. Da das Gift auch über die Haut aufgenommen werden kann, ist beim Teilen der Pflanze im Garten Vorsicht geboten.

… und die Geschichte

Ein berühmter Mord mit Eisenhut hat sich wohl im alten Rom zugetragen, 54 nach Christus, und zwar an Kaiser Claudius. Man spekuliert, dass seine Gattin Agrippina daran beteiligt war und diese auch den Leibarzt gewinnen konnte. Man hat dem Kaiser wohl giftige Pilze unter das Essen gemischt. Er konnte sich danach noch in seine Gemächer schleppen und mit einer Vogelfeder sollte ein Würgereiz hervor gerufen werden. Diese Vogelfeder war allerdings getränkt mit einem Extrakt aus Eisenhut, was letztendlich zum Tod des Kaisers führte.

Der Gefleckte Schierling - Conium maculatum

Rizinus und Eisenhut zu erkennen, fällt mit etwas Erfahrung leicht. Tückisch wird es, wenn sich Gift- und Nutzpflanzen sehr ähneln. Wie beim Gefleckten Schierling. Seine Früchte wurden immer wieder mit den Früchten von Anis oder Fenchel verwechselt. Allerdings lassen sich die Früchte des Schierlings gut identifizieren, da sie buchtenartig eingekerbt sind, wie kleine Rippen. Hauptwirkstoff im Schierling ist das Coniin. Es wirkt auf die Nerven, führt zu heftigen Krämpfen und bei entsprechend hohen Dosen zu Atemstillstand. Die ganze Pflanze ist giftig, den höchsten Gehalt an Coniin enthalten jedoch die unreifen Früchte.

… und die Geschichte

Haben Sie schon mal vom „Schierlingsbecher“ gehört? Diesen musste Sokrates leeren, als er 399 vor Christus zum Tode verurteilt wurde. 30 Minuten nach Einnahme des Schierling-Getränks starb der Philosoph.

Kontakt und Öffnungszeiten:

Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth
Tel. 0921 552961
Fax. 0921 55 2976
Mail: obg@uni-bayreuth.de

Allgemeine Öffnungszeiten des Botanischen Gartens:

Außenanlagen:

November-Februar
Montag – Freitag 08-16 Uhr
Sonn- u. Feiertage 10-16 Uhr

März-Oktober
Montag – Freitag 08-18 Uhr
Sonn- u. Feiertage 10-18 Uhr

Gewächshäuser & Ausstellung:

ganzjährig
Sonn- und Feiertage 10-16 Uhr
Dienstag-Donnerstag 10-15 Uhr
Samstag geschlossen