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Familiengeschichten Maulbeergewächse

Was haben Maulbeeren, Mehl und Stacheldraht miteinander zu tun? All das findet man innerhalb einer Pflanzengattung: den Maulbeergewächsen, von Botanikern Moraceae genannt.

Stand: 07.08.2015

Maulbeeren | Bild: BR

Weiße und Schwarze Maulbeere

Querbeet-Kübelpflanzenexpertin Maria Sansoni stellt die ersten beiden Familienmitglieder vor:

"Die Weiße Maulbeere ist ein ganz wunderbarer Obstbaum, der sehr früh im Jahr dran ist, etwa ab Juli sind die Früchte reif zum Essen. Er ist völlig winterhart, wurde früher schon traditionell angebaut zur Seidenraupenzucht, ist also schon seit über 4000 Jahren hier in Kultur, aber fast in Vergessenheit geraten. Das Laub ist glänzend, etwa vier Wochen lang kann man seine Früchte ernten. Sie schmecken etwas süß, relativ zart im Geschmack und haben keinerlei Kerne, was vor allem kleine Kinder sehr lieben." Maria Sansoni

"Die Schwarze Maulbeere ist wesentlich später dran, erntereif sind ihre Früchte etwa im August oder September. Sie sind reif, wenn sie richtig schwarz sind. Wie Brombeeren sehen sie dann aus. Man kann sie sehr gut essen, sie schmecken deutlich aromatischer als die Weiße Maulbeere. Leider machen sie Flecken. Hat man sie draußen stehen, ist eine Unterpflanzung empfehlenswert, in die die überflüssigen Früchte hineinfallen können. Die Schwarze Maulbeere ist etwas frostempfindlicher, sie soll gut ausreifen können im Herbst, ist in sommerheißen Weinbaugegenden also gut zu kultivieren. Oder man hält sie im Kübel und räumt sie im Herbst, wie eine Feige, auch wieder rein." Maria Sansoni

Brotfruchtbaum

Für einen weiteren Verwandten geht es nach Bayreuth. In eines der Schaugewächshäuser des Ökologisch-Botanischen Gartens.

"Der Brotfruchtbaum stammt aus den richtigen Tropen, dort wo es ganzjährig warm und feucht ist. Seine Heimat ist Polynesien, dort wird er auch sehr gern als Park- und Schattenbaum angebaut, weil er eine wunderbar ausladende Krone hat und vor allem auch wunderschöne Blätter. Jedes einzelne Blatt kann bis zu 90 cm lang werden. Es ist grün und mehrfach fiederschnittig. Hauptsächlich wird er aber wegen seiner Früchte angebaut, die bis zu zwei Kilo schwer werden können und stärkehaltig sind. Man kann sie einerseits zubereiten wie Kartoffeln oder man trocknet sie und verarbeitet sie zu Mehl, dann kann man wirklich Brot daraus backen, sie also als Mehllieferant verwenden." Dr. Marianne Lauerer

Bereits im Alter von 5 bis 7 Jahren trägt der Baum Früchte. Für die Verarbeitung werden diese im grünen, also noch unreifen Zustand geerntet. Beim Anbau in den Tropen schlägt man die Früchte mit Stangen vom Baum, im Botanischen Garten kommen Teleskopschere und Obstpflücker zum Einsatz.

"An einer frisch abgeschnittenen Brotfrucht erkennt man die Zugehörigkeit zu den Maulbeergewächsen sehr schön. Sie haben nämlich einen wässrigen Milchsaft, der in großen Mengen heraustropft. Der tritt bei Verletzungen aus und dient zum schnellen Verschluss der Wunde. Auch ein Charakteristikum der Maulbeergewächse: sie haben alle Blütenstände und am Ende Fruchtverbände." Dr. Marianne Lauerer

Osagedorn

In der Familie der Maulbeergewächse bilden nicht alle so nützliche und genießbare Früchte wie Maulbeere und Brotfruchtbaum. Dafür haben sie andere Qualitäten. Und genau genommen hat ein bestimmtes Familienmitglied es sogar zu einiger Berühmtheit gebracht:

"Der Osagedorn stammt aus den südöstlichen USA. Vornehmlich in wärmeren Gegenden am Rande der Prärien. Dort hat er sein natürliches Verbreitungsgebiet, welches allerdings sehr klein ist. Der Osagedorn, Maclura pomifera heißt er botanisch, gehört auch zu den Maulbeergewächsen und ist in gewisser Weise ebenfalls eine Nutzpflanze. Und zwar verwendet man das Holz für Bögen, weil es sehr elastisch ist, allerdings auch ein bisschen schwer zu bearbeiten. Und andererseits hat man den Strauch sehr gerne als Einzäunung, als Hecke, verwendet, weil er sehr dornig ist. Gerne haben die Farmer den Osagedorn zur Einzäunung ihrer Felder gepflanzt, da das Vieh in keinster Weise durch solch dornige Hecken geht. Als die Ländereien immer größer geworden sind, hat es nicht mehr gereicht, nur Osagedorn zu pflanzen, so dass eine technische Lösung gefordert war. Und diese technische Lösung hat ausgesehen wie Stacheldraht. Verzwirbelte Drähte, in die man Metallplättchen eingedreht und dann als Stacheldraht aufgebaut hat. Das wurde dann auch 1868 zum Patent angemeldet von einem Mann namens Michael Kelly. In seiner Patentschrift hat er sogar direkt Bezug genommen auf den Osagedorn. Er hat gesagt: ´Meine Erfindung gibt Drahtzäunen den Charakter von dornigen Sträuchern.´ Und damit ist der Osagedorn ein belegtes Naturvorbild, ein bionisches Vorbild für den Stacheldraht." Dr. Marianne Lauerer

Kontakt:

Maria Sansoni-Köchel
FLORA MEDITERRANEA
Königsgütler 5, 84072 Au/Hallertau
Telefon: 08752 1238
Mail: info@floramediterranea.de


Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth
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Mail: obg@uni-bayreuth.de