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Herbstzeitlosen Blüten im Herbst

Spätherbst ist Pflanzzeit. Fast alle Stauden haben ihr oberirdisches Wachstum eingestellt, nur die Wurzeln sind noch aktiv. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Herbstzeitlosen blühen jetzt, haben dafür aber keine Wurzeln …

Stand: 16.10.2015

Herbstzeitlose | Bild: BR

Herbstzeitlosen haben ihren Lebenszyklus verschoben. Sie blühen, während sich andere auf den Winterschlaf vorbereiten, und fruchten, wenn die meisten Gewächse blühen. Der Grund dafür: Die Pflanzen optimieren auf diese Weise ihre Fortpflanzung, sichern sich die Aufmerksamkeit vieler Bestäuber, indem sie blühen, wenn es sonst kaum mehr Blüten gibt.

Die Samen reifen im Frühjahr des folgenden Jahres, zu einer Zeit in der Wachstumswetter herrscht, wenn es warm und sonnig ist. Herbstzeitlosen sind also gewiefte Strategen. Und sie können noch mehr. Durch die Ausbildung einer Knolle, also eines Speicherorgans für Nährstoffe und Wasser, sind die Pflanzen in der Lage unwirtliche Zeiten zu überdauern, um dann innerhalb kürzester Zeit Knospen und Blüten zu schieben.

Herbst ist Pflanzzeit …

… das gilt auch bei den Herbstzeitlosen, ab August bis weit in den Oktober hinein sind die Speicherorgane in den Gärtnereien zu bekommen. Die meisten Herbstzeitlosen mögen einen eher frischen Standort im Garten, das heißt einen Boden, der nie vollständig austrocknet. In der Natur findet man die heimische Herbstzeitlose, die Botaniker als Colchicum autumnale bezeichnen, meist in dichten Gruppen in Wiesen wachsend. Dürfen die Samen ausreifen, verwildern die Pflanzen aber auch im Garten und bilden im Laufe der Jahre lila bis rosafarbene Blütenteppiche. Sucht man im Sortiment etwas weiter, kann man auch weiße und gefüllt blühende Sorten entdecken.

Empfehlenswerte Arten und Sorten:

  • Colchicum autumnale ‚Album‘ – weiße, einfache und eher zierliche Blüte
  • Colchicum autumnale ‚Album Plenum‘ – gefüllte weiße Sorte
  • Colchicum tenorii – lila mit eher zierlichen Blüten
  • Colchicum Hybide ‚Waterlily‘ – stark gefüllte lila Sorte, Blüten erinnern an Seerosen
  • Colchicum cilicicum‚Purpurea‘ – lila Sorte, mag einen etwas trockeneren Standort

Vorsicht, Gift!

Herbstzeitlosen sind in allen Teilen giftig, beim Standort und beim Pflanzen selbst ist deshalb Vorsicht geboten. Um Vergiftungsfällen vorzubeugen, sollte man Herbstzeitlose nie in die Nähe von Küchenkräutern oder Gemüsen pflanzen. So lassen sich vor allem im Frühjahr Verwechslungen vermeiden. Nach dem Pflanzen empfiehlt es sich, gründlich die Hände zu waschen und in Gärten, in denen Kinder spielen, sollte man besser keine Herbstzeitlosen pflanzen. Ist jedoch ein passender Standort vorhanden, bilden die frühlingshaften Blüten einen Blickfang im herbstlichen Staudenbeet.

Vom Garten ins Wohnzimmer

Durch ihren ungewöhnlichen Lebenszyklus kann man Herbstzeitlosen auch gut für Dekorationen verwenden. So bilden die nackten Knollen ohne Wasser und Erde zuverlässig ihre Knospen und blühen über einen langen Zeitraum. Querbeet-Floristin Julia Hostlowsky hat sich für die ungewöhnlichen Gewächse einen dreidimensionalen Bilderrahmen gebaut. Dieser besteht aus einem weißen Holzrahmen, der mit Birkenhölzern, Moos und einigen Steinen ausdekoriert ist. Damit die Knollen ausreichend halt finden, kommt dann etwas Wickeldraht zum Einsatz. Locker um Hölzer und Steine geschlungen bildet er quasi das Fangnetz für die Speicherorgane. Einige mit Flechten besetzte Zweige kaschieren den Draht zusätzlich. Im Zimmer hält diese Dekoration bis zu zehn Tage, im Freien aufgestellt verdreifacht sich die Lebensdauer. Herbstliches Wetter mit Regen oder auch leichten Frösten kann dieser Dekoration nichts anhaben. Nach und nach öffnen sich immer neue Knospen, verwandeln das Bild von Tag zu Tag. Und nach der Blüte können die Herbstzeitlosen dann in den Garten umziehen.

Kontakt:

Staudengärtnerei Augustin
Neunkirchener Str. 15, 91090 Effeltrich
Telefon: (0 91 33) 77 66-0
Fax: (0 91 33) 77 66-77
E-Mail: info@stauden-augustin.de