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Bienenweiden Blütenmischungen im Test

Blüten und Bienen – eine Symbiose, die vor über 100 Millionen Jahren begann. Und so weit reicht, dass einer ohne den anderen nicht mehr leben kann. Die Abmachung: Nektar und Pollen als Lohn fürs Bestäuben! Im Frühjahr herrschen paradiesische Zustände, alles blüht, später im Jahr droht jedoch der Hungertod.

Stand: 10.07.2015

Bienenpflanzen | Bild: BR

Der Grund: Im Sommer und Herbst finden Bienen und auch andere Insekten kaum noch Blüten und damit keinen Nektar und Pollen mehr. Blütenmischungen wie Schönhagener Bienenweide, Bingenheimer Insektenbuffet, Dehner Bienenweide, Veitshöchheimer Bienenweide, Riegers Feldblumenmischung oder Ascherslebener Insektenfreund sollen helfen die blütenarme Zeit zu überbrücken. Doch wer liefert ausreichend Pollen und Nektar? Auf welche Blüten stehen die Insekten wirklich und wie lange hält ein solch gesäter Blütenflor an? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben die Experten der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau in Bamberg im vergangenen Jahr sechs Mischungen angebaut und dann beobachtet welche Insekten, wann, welche Blüten angeflogen haben.

Insekten zählen

Um Biene & Co. möglichst genau zählen zu können, haben die Gärtner in den sechs Mischungen je einen Quadratmeter mit Eisenstäben markiert. Dann ging es jeden Tag zweimal, um 10.00 und um 13.00 Uhr ans Insektenzählen. Je 1 Minute pro Mischung. Gelistet wurden dabei Bienen, Bienenähnliche, damit sind Hummeln und andere Wildbienen gemeint, Nützlinge wie Florfliege, Marienkäfer und Schwebfliege und Sonstige, wie beispielsweise Schmetterlinge. Gezählt wurde immer zu zweit, nach dem Vier-Augen-Prinzip. So war eine Gegenkontrolle möglich, das Ergebnis exakter. Sieben Wochen dauerte das Sichten, vom Aufblühen der Mischungen bis zum Ende der Hochblüte.

Dann ging es ans Erfassen aller gelisteten Insekten. Aus den Datenbeständen erstellten die Versuchsingenieure schließlich Grafiken. Anhand dieser kann man ablesen, welche Insekten welche Mischung besonders gerne besucht haben und wie lange die Mischungen ausreichend Nektar und Pollen lieferten. Von den Bienen und auch Nützlingen besonders gut angeflogen wurde das Bingenheimer Insektenbuffet. Auch Schönhagener und Veitshöchheimer Bienenweide, sowie Riegers Feldblumenmischung waren bei den Tieren beliebt.

Internet-Tipp

Die genauen Ergebnisse gibt es hier zum Nachlesen:

Vom Test in die Praxis aufs Feld

Auf den Feldern des ökologischen Gemüsebauversuchsbetriebs bauen die Bamberger Gärtner schon seit 10 Jahren Blütenstreifen an. Denn diese locken Nützlinge an, helfen so Läuse in Schach zu halten. Doch ganz ohne Probleme ist der Anbau der Mischungen nicht. So müssen nach der Keimung die Beikräuter regelmäßig entfernt werden, um ein verkrauten der Fläche zu vermeiden. Nach Erfahrung der Bamberger Experten empfiehlt sich der Anbau in Reihen, so kann man leichter zwischen Blumen und Unkräutern unterscheiden und letztgenannte auch leichter mit der Hacke entfernen.

Zudem muss man die Selbstaussaat einiger Pflanzen im Auge behalten, so dass nicht die Blütenmischungen selbst mit der Zeit zum Problem werden. Auf den Flächen des Ökologischen Gemüsebaus in Bamberg ist alle 30 Meter Platz für Blütenstreifen, das gewährleistet eine intakte Nützlingsfauna und Bienen finden immer reichlich Nahrung.

Lehrbienenstand in Bamberg

Das reichliche Nahrungsangebot ist wohl ein Grund dafür, dass die Völker des Bamberger Imkervereins, die auf dem Gelände leben, mehrmals im Jahr eine gute Honigernte liefern. Karl-Heinz Übelacker, Vorstand des Vereins, betreut gemeinsam mit anderen Imkern den Lehrbienenstand. Schon die jüngsten Vereinsmitglieder dürfen einmal wöchentlich bei Bienenpflege oder auch Honigernte mit anpacken. Gerade Kinder sind häufig schnell fasziniert von den Insekten, die für 1 Kilo Honig 3 bis 5 Millionen Blüten anfliegen müssen.

Die erste Honigernte erfolgt je nach Witterung und Blühsaison meist Ende Mai, im Juli kann dann ein zweites Mal geschleudert werden. Bevor die Waben in die Schleuder können, geht es ans Entdeckeln. Mit Hilfe einer feinzinkigen Gabel werden die Wachsdeckel entfernt. Vier Waben passen in die Schleuder. Beginnt sich die Trommel zu drehen, wird der Honig durch die entstehenden Fliehkräfte aus den Waben gezogen. Blütenhonig ist mild im Aroma und schimmernd goldgelb. Je nach Trachtpflanzen, Wassergehalt und Herkunft variiert der Honig in Farbe, Textur, Geruch und vor allem Geschmack. Etwa 30 Quadratkilometer beträgt der Aktionsradius von Bienen. Auf dieser Fläche naschen sie von vielerlei Trachtpflanzen. Und so individuell wie die umgebende Natur schmeckt dann auch der gesammelte Honig, denn Blütennektar ist mal mehr, mal weniger mit pflanzeneigenen Duftstoffen ‚geschwängert‘.

Veranstaltungs-Tipp

Wer jetzt neugierig geworden ist, hat am Sonntag 19.07.2015, am ‚Tag der offenen Tür‘ eine gute Gelegenheit sich den Bienenstand, die Blütenstreifen und das gesamte Gelände der Bayerischen Landesanstalt in Bamberg selbst einmal anzuschauen.

Mehr Infos zum Tag der offenen Tür gibt es hier:

Kontakte:

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Ökologischer Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg
Galgenfuhr 21, 96050 Bamberg
Telefon: +49 (0)951 91726-0

Imkerverein Bamberg
Dominikanerstraße 7
96049 Bamberg
Telefon: +49 (0)951/35467