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Homöopathie für Pflanzen Eine Alternative beim Pflanzenschutz?

Ob bei Bauchschmerzen, Fieber oder Angstzuständen - Homöopathische Arzneimittel sollen Menschen Linderung bringen. Bei der Auswahl des Mittels gilt das Ähnlichkeitsprinzip. Das heißt, dass ein Stoff, der bei Gesunden eine bestimmte Wirkung hervorruft, ähnliche Symptome beim Kranken lindern oder heilen kann.

Stand: 16.01.2015

Homöopathie für Pflanzen | Bild: BR

Doch können solche Präparate auch Pflanzen schützen, beispielweise vor Pilzbefall?

Globuli gegen Falschen Mehltau

Im ökologischen Gemüsebauversuchsbetrieb der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau in Bamberg gehen Birgit Rascher und ihr Team dieser Frage auf den Grund und zwar aus konkretem Anlass: Denn der Falsche Mehltau ist an vielen Kulturen sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus ein großes Problem. In der Vergangenheit hat man häufig sogenannte Pflanzenstärkungsmittel gegen den Pilz eingesetzt. Diese Mittel haben nun keine Zulassung mehr, deshalb muss nach Alternativen gesucht werden. Eine dieser Alternativen könnte die Behandlung mit homöopathischen Mitteln sein. Im Bamberger Versuch wurden sowohl Einzelpräparate als auch Mittel in bestimmter Abfolge und Kombipräparate gegen den Falschen Mehltau bei Rucola eingesetzt.

Aufwendiger Versuch

Um die Mittel ausbringen zu können, werden die Globuli der verschiedenen Varianten und auch die Kombipräparate in 150 Milliliter Wasser aufgelöst. Um eine Vermischung der Mittel zu vermeiden, hat jedes Präparat ein eigenes Glas, eine eigene Gießkanne und natürlich auch ein eigenes Holzstäbchen zum Verrühren. Da es sich um einen Exakt-Versuch mit drei Wiederholungen handelt, gibt Birgit Rascher zum Gießen der ersten Parzelle ein Drittel der vorbereiteten Lösung in die beschriftete Gießkanne und füllt diese auf 10 Liter auf. Alle drei Parzellen werden so mit dem Mittel behandelt. Bei 13 verschiedenen homöopathischen Präparaten, je einer Nass- und einer Trockenkontrolle, heißt das für die Experten bei jedem Wässern 45 Gießkannen ansetzen und anschließend per Hand ausbringen.

Begonnen haben die Experten mit der Mittelausbringung direkt nach dem Pflanzen. Damit sich die Mittel auch im Beet nicht gegenseitig beeinflussen, ist jede Parzelle von einer Randreihe umgeben, die mit klarem Brunnenwasser gegossen wird. Die Grenzen der jeweils 2,88 Quadratmeter großen Versuchsparzellen markieren blaue Plastikstäbchen. Innerhalb dieser muss die Gießlösung möglichst gleichmäßig über die Rucola-Reihen verteilt werden, um alle Pflanzen zu benetzen. Ebenso zeitaufwendig wie das Wässern ist das Kontrollieren des Pflanzenbestands. Mehrmals pro Woche gehen die Experten durch das Gewächshaus, prüfen dabei stichprobenartig in jeder Parzelle die Gesundheit der Rucola-Blätter.

Versuchsauswertung

Mit Blattflecken und grauen Sporenrasen auf der Blattunterseite zeigt sich der Falsche Mehltau schließlich im Rucola. Allerdings musste der Bestand dafür überständig werden. Das heißt die Pflanzen wurden nicht zur Schnittreife geerntet, sondern durften weiterwachsen. Dadurch wurde die Blattmasse immer größer und dichter und der Pilz konnte sich ausbreiten. Für Birgit Rascher und ihre Kollegen der Startschuss für die Bonitur, das heißt für die Kontrolle der einzelnen Pflanzparzellen auf befallene Blätter. Bonitiert wird nach dem Vier-Augen-Prinzip, um ein möglichst exaktes Ergebnis zu erhalten.

Sind alle Parzellen kontrolliert, geht es ans Auswerten des Versuchs. Dafür überträgt Birgit Rascher die Anzahl der befallenen Blätter pro Behandlungsparzelle und der jeweiligen Wiederholung in eine Tabelle und addiert die Zahlen. Anschließend vergleicht sie die erhaltenen Werte mit denen der unbehandelten Kontrollparzellen. Daraus lässt sich die Wirkung der homöopathischen Mittel ablesen.

Und das Ergebnis?

"Zweimal haben wir den Bestand aufwachsen lassen und zweimal musste er überständig werden, damit sich der Falsche Mehltau zeigt. Dabei konnten wir einen Befalls-Schwerpunkt in der Mitte des Hauses feststellen, dort ist die Luftfeuchte im Bestand am größten. Einen Bezug zwischen dem auftretenden Befall und den eingesetzten Mitteln ließ sich nicht herstellen. Wir können nicht sagen, dass eines der Mittel geholfen hat."

Birgit Rascher, Bayerische Landesanstalt für Gartenbau

Hier der genaue Versuchsbericht der Bamberger Experten zum Nachlesen Format: PDF Größe: 388,99 KB


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