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"Swango" HipHop mit Tiefgang

Funky, fresh, klug, selbstironisch und unverschämt lässig - Die HipHop-Step-Kombo "Swango" hat ihn: den Swag - und noch mehr. Ihre Songs sind persönlich, poetisch und hochpolitisch.

Von: Michaela Paul

Stand: 26.11.2018

Tiefgründiger Rap, mitreißender Stepptanz-Beat und melancholischer Folk-Gitarren-Sound. Es ist ein Mix verschiedener Genres, die die deutsch-amerikanische Band "Swango" - bestehend aus Rapper Dan Robb aka Manekin Peace, Gittarist Michael Kussinger aka Moco Mariachi und Stepptänzer Tim Robb aka Skillgott Heron - mühelos kombiniert. Die Songs auf ihrem neuen Album, das Anfang 2019 erscheinen soll, verstehen sie als Spiegel der Lebenswirklichkeit, schonungslos ehrlich und hochpolitisch.

"Die Welt ist politischer geworden, es gibt viele Themen, denen man nicht mehr einfach so entkommen kann. (…) Was wir machen, das ist nicht einfach nur Musik oder Unterhaltung, sondern eine moralische Verantwortung."

Dan Robb aka Manekin Peace, Frontman der Band 'Swango'

Erschreckende Parallelen zwischen damals und heute

Der Song "They Live" erzählt die Geschichte eines Juden im Nazi-Deutschland. Inspiration war die derzeitige Stimmung in den USA gegenüber Afroamerikanern und Migranten, aber auch die eigene Biografie von Dan und Tim Robb. Die Brüder haben amerikanische Wurzeln, ihr Großvater lebte als Teenager in Nazi-Deutschland und sprach mit Dan und Tim oft über diese Zeit.

Die Parallelen zwischen der damaligen und heutigen Zeit empfindet Dan Robb als offensichtlich und erschreckend.

"Unser Großvater hat viel mit uns über die Zeit geredet, über seine Erlebnisse, damit wir einfach aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und damit wir auch aufmerksam sind."

Dan Robb aka Manekin Peace

Sprache schafft Wirklichkeit

"They Live" ist ein eindringliches Statement gegen Rassismus, vor allem aber gegen das kollektive Wegsehen und die fast schon historische Naivität der Menschen. Die Unkenntnis und die Ignoranz der Vergangenheit gegenüber seien brandgefährlich, sagen die Musiker und warnen vor einer arglosen, blinden Akzeptanz widerkehrender NS-Rhetorik, wie sie innerhalb der Gesellschaft, aber auch in der Politik zu beobachten ist.

"Bestes Beispiel. Trump, der davon spricht: 'Amerika first.' 'Amerika first' kam von der Nazipartei in den frühen 30ern. Dann nimmt Trump 'America first', dann nimmt die AFD 'Deutschland zuerst' und die CSU sagt 'Bayern zuerst'. So einfach. Du nimmst eine Sprache, die falsch ist, und normalisierst sie."

Dan Robb

Abrechnung mit dem Hyperkapitalismus und seinen Auswüchsen

In ihrem Song "Change is coming" bieten "Swango" einen radikal-ungeschönten Blick in die Welt von Habsucht und Gier. Es ist eine peitschende, mitreißende und wortgewaltige Abrechnung mit dem Hyperkapitalismus und seinen Auswüchsen, der die Menschheit zu entzweien droht.
Es gehe heute so vielen Leuten so gut wie nie, so die Musiker, trotzdem oder gerade deswegen gebe es ein permanentes Treten nach unten, vor lauter Angst, die soziale Leiter herunterzufallen.

"Natürlich gibt es Probleme im Land, aber dann werden komische Brücken geschlagen. Da gibt es das Problem, dass alte Menschen wenig Rente kriegen - also Altersarmut. Und dann wird aber plötzlich die Brücke geschlagen, 'das hat was mit den Flüchtlingen zu tun'. Das sind zwei unterschiedliche Sachen."

Dan Robb aka Manekin Peace

Klare Message

Funk, Folk, HipHop, Stepptanz - musikalisch lassen sich Swango nicht einschränken, stattdessen erfinden sie sich immer wieder neu. Doch es gibt eine klare Message:

"Wenn du willst, dass die Welt ein besserer Ort wird, dann musst du selbst dafür arbeiten und das ist auch die Message der neuen Platte."

Dan Robb

Für eine angstfreie, tolerante Gesellschaft - die Band "Swango" liefert den Soundtrack dafür.

Weiterführende Informationen

Live-Konzert: 8.12., Weltwirtschaft München

Infos zum Release des neuen Albums:
Facebook: @helloswango


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