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Sichtwechsel-Filmpreis Der Blickwechsel hilft

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da hilft es, die Perspektive zu verändern, um vielleicht das zu sehen, was man sonst nicht sehen konnte. Wie sieht Deutschland von dort aus? Wie groß oder klein sind dann unsere Probleme?

Von: Matthias Beckel

Stand: 29.10.2018

Am Rande des "Sichtwechsel Filmpreises" in Hamburg sind wir mit den Jurymitgliedern, die sich selbst für neue Perspektiven einsetzen, ins Gespräch gekommen und haben den Hamburger Filmemacher Dario Aguirre, aus Ecuador stammend, getroffen. Er hat in seinem Film "Im Land meiner Kinder" beschrieben, wie es ist, nach zehn Jahren plötzlich die deutsche Staatsbürgerschaft angeboten zu kommen.

"Das Interessante beim Wort Sichtwechsel ist: Ich kann mittlerweile aus der gleichen Distanz auf mein Geburts-Land schauen, wie auch auf Deutschland, und das ist eine Bereicherung für mich."

Dario Aguirre, Regisseur

Im Land meiner Kinder

Aguirres Film beschreibt mit Humor seine Wandlung vom geduldeten Ausländer zum deutschen Staatsbürger. Der letzte schwierige Gang in das Ausländeramt, nach 15 Jahren als Ausländer in Deutschland und mehreren Visa-Verlängerungen, ist auf sympathische Art behandelt. Seine Sicht auf Behörden, Sprachprobleme und komische Vorurteile ist von dem ehemaligen "Ausländer" aus sehenswert.

"Wenn ich mit einem Zauberstab Leute in andere Länder schicken könnte, dann würde ich das so machen. Die Erfahrung, woanders zu leben und dort  fremd zu sein, ist sehr wichtig."

Dario Aguirre

Die Jury sieht, wie andere es sehen

Beim Sichtwechsel-Filmpreis bestand die Jury aus der Produzentin Irene von Alberti, dem Theatermacher Ersan Mondtag und der Schauspielerin Marie-Lou Sellem.

"Unsere Riten, unsere Mythen, die Blicke auf unser Land sind Bestandteil eines Austauschs, wie ein Handel. Interessant zu sehen, wie andere Nationen uns empfinden."

Marie-Lou Sellem, Schauspielerin

Erst im Ausland wie ein Deutscher behandelt

Der Theatermacher Ersan Mondtag | Bild: Thomas Schröder

… das war zumindest die Erfahrung, die Jury-Mitglied und Theatermacher Ersan Mondtag in den USA machte. Er ist als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger. Der Künstlername Mondtag ist die Übersetzung seines türkischen Familiennamens.

"Ich fühlte mich immer als Türke. In Deutschland ist man ja nicht per Geburt Deutscher, sondern 'per Blut'. Die Amerikaner haben mir gesagt, für uns bist du Deutscher. Das habe ich geglaubt. Nach einem Jahr kam ich zur Grenzkontrolle und der Blick des deutschen Beamten sagte mir: Du bist kein Deutscher."

Ersan Mondtag

Weiterführender Link zu "Im Land meiner Kinder"


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