BR Fernsehen - puzzle


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Sasha Marianna Salzmann Desintegration

"Sasha, Marianna, queer, jüdisch, gender fluid, schlecht gelaunt, euphorisch, wütend, verzweifelt. Ich kann es sein, weil ich als das, was ich bin, ernst genommen werde. Weil ihr es mir abverlangt, etwas zu mir zu sagen. Stellung zu beziehen. Das, was ich will, zu erkämpfen und zu verteidigen."

Stand: 16.10.2017

Sasha Marianna Salzmann kommt  1985 in Wolgograd (Sowjetunion) als Tochter jüdischer Eltern zur Welt. 1995 emigriert sie mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie zunächst Ärztin oder Bewährungshelferin werden will. Durch erste Begegnungen mit dem Theater erkennt sie dort  ihren Weg, „weil ich glaube, dass das, was wir hier tun, auch retten und heilen kann.“  Sie lebt in Berlin,  kämpft als Theatermacherin, politische Aktivistin und Schriftstellerin  für ihre Vision einer  Gesellschaft ohne Markierungen, Kategorisierungen und Grenzen.

"Ein neues Deutschland, in dem die Geschlechtergrenzen endgültig gesprengt wurden: ein Jude und ein Moslem, eine lesbische Türkin mit schwarzer Hautfarbe und ein blonder Transsexueller, diese vier bekommen gemeinsam ein Baby und leben dann glücklich miteinander happily ever after. So lautet zumindest der Plan, die Utopie. Ich glaube daran, dass sich Dinge bewegen, weil ich es sehen kann. Weil wir alle gemeinsam miteinander irgendwohin wollen. Wohin, wissen wir immer nur für den einen Tag und dann geht die Verhandlung wieder von vorne los. Irgendwer hat mal gesagt, Heimat ist nicht der Ort, an dem du geboren bist, sondern die Zeit, in der du lebst."

Sasha Marianna Salzmann

Im "Studio Я" des Gorki Theaters in Berlin organisiert sie im Juli 2016 aus exemplarisch jüdischer Perspektive zusammen mit Max Czollek 2016 den ersten Desintegrationskongress. Daraus entsteht  ein regelmäßiges Forum gegen Exklusion mit Panels, Debatten und Kulturveranstaltungen.

"... eine Plattform für Versehrte, für die Ungehaltenen. Für die, die suchen. Für die, die niemals aufhören skeptisch zu sein. Für die, für die es nie eine Norm gegeben hat. Für die Fragezeichen ... Für die, für die es nicht selbstverständlich ist, sich gemeint zu fühlen. Dieses 'Sichgemeintfühlen' kann einen aus der Resignation, Aggression und Verzweiflung retten, wenn man als junger Mensch sich darauf einstellt, immer der Fremdkörper in einem sonst intakten Organismus zu sein …"

Sasha Marianna Salzmann

Weiterführende Informationen

Desintegrationskongress

"Studio Я" des Gorki Theaters in Berlin

In Istanbul schreibt sie ihren Debütroman "Außer sich", der im September 2017 in 12 Sprachen erscheint.

Autorin des Filmbeitrags: Birgit Eckelt


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