BR Fernsehen - puzzle


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Ausstellung Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.

Rechte Hetze, Verrohung und Gewalt trifft Juden, Moslems, people of colour, Homosexuelle - und: Angehörige der Sinti und Roma. Erfahrungen in Deutschland. Heute.

Stand: 30.01.2018

"Da war die Pegida dagestanden", sagt Ramona Röder.

"Und meine Enkeltochter ist vorgelaufen und hat sich da hingestellt, weil die wusste ja nicht, was das ist. Und dann ist so ein alter Mann gekommen und hat zu ihr gesagt: 'Wenn jetzt der Hitler hier wäre, tätest du Zigeuner-Fotze und du Ausländer-Fotze hier nicht heraumlaufen. Aber was der Hitler nicht vollendet hat, das vollenden wir jetzt.' Das vollendet er. Dann hat er den Krückenstock hochgenommen und wollte mein Kind auf den Kopf hauen. Und dann habe ich geschrien. Und die Polizei stand nebendran und hat gelacht."

"Geld für die Oma statt für Sinti & Roma" - Dieses Plakat musste die Stadt Ingolstadt ertragen. Keine Volksverhetzung, entschied das Verwaltungsgericht München.

Diese Ausstellung dokumentiert die Ideologie der Menschenfeindlichkeit.

"Wir haben hier zwei Abbildungen, die mich ganz besonders betroffen gemacht haben", sagt Winfried Nerdinger, der Leiter des NS-Dokumentationszentrums München. "Das eine zeigt ein junges Paar, das sich in Dachau im Krematorium lachend vor die Verbrennungsöfen stellt und den Daumen nach oben hält. Also im Sinne von: Weiter so, wieder so. Das ist von einer abgrundtiefen Widerwärtigkeit. Das andere ist aus einer Webseite und es wird eine Anspielung gemacht auf die Ertrinkenden im Mittelmeer. Und es heißt: Kommt alle, die Freibäder sind wieder eröffnet. Auch das von einer unsäglichen Brutalität und Gemeinheit."

Von 1990 bis 2016 töteten in Deutschland Rechtsextremisten mindestens 192 Menschen.

Sinti und Roma werden wie andere diskriminierte Gruppen bis heute mit rassistischen Vorurteilen, Ausgrenzung und strukturellem Rassismus konfrontiert.

"Vor zwei Jahren hat meine Tochter den Gang geputzt, wo ich wohne", sagt Regina Horvath. "Und der Familie, die schon länger drin wohnt, hat es nicht so gepasst, wie meine Tochter geputzt hat, und hat halt gemeint: 'Ihr asozialen dreckigen Zigeuner, wenn ihr schon putzen tut, dann putzt ihr richtig.'"

"Meine erste diskriminerende Geschichte war, dass ich eine erblindende Mutter betreut habe, mit drei Kindern", sagt Alexander Diepold, 56, Geschäftsführer der Madhouse Gemeinnützingen GmbH, einer Einrichtung mit Schwerpunkt auf Sinti und Roma. "Und ich mich gewundert habe, dass die Kinder eigentlich relativ gut klar kamen, obwohl sie von öffentlicher Hilfe gelebt haben. Aber trotzdem Markensachen anhatten. Ich habe dann mit dem elfjährigen Jungen sehr intensiv gearbeitet. Und dann irgendwann herausbekommen, dass die Familie von einem älteren Mann besucht wird, der zu der Frau kommt und offensichtlich die Kinder finanziell bedient. Und habe dann später erfahren, dass der elfjährige Junge dafür sexuelle Leistungen erbracht hat. Das Ganze ist dann von unserer Seite aus zur Anzeige gekommen. Von der Mutter natürlich auch, die es überhaupt nicht fassen konnte. Und der Mann ist in erster Instanz vom Gericht freigesprochen worden mit der Begründung, dass Zigeunerkinder, die im Hasenbergl groß werden, bereits schon so milieugeschädigt sind, dass an ihnen kein Schaden angerichtet werden kann."

Auch das ist Deutschland. Immer noch.

Geschichte, Ideologie und Methoden der Rechtsextremen: Eine kaum zu ertragende - sehr, sehr wichtige Ausstellung.

Autor des Filmbeitrags: Andreas Krieger


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