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Rapper Camufingo Songs als Spiegel schwarzer Lebensrealität

Francisco Camufingo rappt über aktuelle, brisante Themen wie Rassismus, Vorurteile und Ausgrenzung schwarzer Menschen in Deutschland. Sein Album "Ombanji" ist eine musikalisch-poetische Reise zu seinen Wurzeln - und zu sich selbst.

Von: Michaela Paul

Stand: 28.01.2019

"Ombanji", "Zeugnis" heißt Francisco Camufingos neues Album. Es ist ein echter Befreiungsschlag von stereotypen Fremdzuschreibungen durch eine weiß dominierte Gesellschaft. In 22 Tracks setzt sich der Rapper mit alltäglichem Rassismus auseinander, mit dem Wunsch nach Akzeptanz und mit dem Suchen und Finden der eigenen Identität.

Musik als "Selbsttherapie"

Als Sohn eines Angolaners und einer Deutschen wächst Camufingo im Potsdam der 80er-Jahre auf. Rassismus, Ausgrenzung, Stereotype - für ihn sind seine Songs eine "musikalische Selbsttherapie", wie er es nennt, denn was er in seine Texte packt, ist Erlebtes. Ein Spiegel schwarzer Lebensrealität in Deutschland.

"Ich mache es weder überzeichnet noch unterzeichnet, sondern ich stelle die Dinge so dar, wie sie sind, wie ich sie sehe. Sorry für die Ausdrucksweise: Wenn da ein Stück Scheiße liegt, dann brauche ich da nicht drumherum reden."

Francisco Camufingo, Rapper

Die vermeintlich tolerante Gesellschaft

Selbstreflexion der Mehrheitsgesellschaft und eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus und seinen Wurzeln, das vermisst Camufingo immer noch. "Wir und die anderen" heißt ein Protest-Song von ihm. Zu fetten, peitschenden Beats zerfetzt er darin die vermeintlich tolerante Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der auch heute noch Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe ausgrenzt und diskriminiert werden.

"Er fragt mich wo ich herkomm, typisch Weißer. Ignoranter Mensch, der es hier für üblich leicht hat. Ich sag: von hier, doch er spricht über Heimat. Ich koch, doch nenne nur ein Land im Süden, reicht ja. Braun gleich fremd ist worin wir übereinkamen …"

Songtext 'Wir und die anderen'

"Die Zerrissenheit, die man in meiner Musik hört (…), ist eine Identitätszerrissenheit, die sich da durchzieht. Aufgrund von Mangel an Zugehörigkeit, hier wie dort. Weil man in den meisten Fällen als anders identifiziert wird."

Francisco Camufingo

Der Spagat zwischen den Kulturen, zwischen schwarz und weiß, zermürben ihn. Camufingo fühlt sich fremd im eigenen Land und ist getrieben von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Frage nach der eigenen Identität. 2009 reist er nach Angola, der Heimat seines Vaters, und hofft dort Antworten und inneren Frieden zu finden. Es ist eine Reise zu seinen Wurzeln, die sich auch in seiner Musik bemerkbar macht. Funkiger HipHop mischt sich mit afrikanische Beats.

"Ich bin fertig mit Deutschland, in Angola wird alles besser, da bin ich Mensch, da ist alles cool, da gehöre ich dazu. Das war meine Vorstellung damals als ich losgegangen bin. Dann habe ich da andere Sachen gelernt."

Francisco

Identität ist mehr als nur Hautfarbe

Der Traum hält der Realität nicht stand, Camufingos Hoffnung bricht zusammen. Doch statt zu verzweifeln schlägt er versönlichere Töne an. Er erkennt: Identität ist viel mehr als Hautfarbe - auch, wenn andere ihn darauf reduzieren.

"Loslösen kann man sich davon nicht. Dazu wird einem auch nicht die Chance gegeben. Aber die Auseinandersetzung durch die Musik damit war wie eine Art Heilungsprozess. Ich kann jetzt sagen, wer ich bin, und das ist auch alles, was zählt."

Francisco Camufingo, Rapper

Empowerment und Protest - Spiegel des Lebensgefühls schwarzer Menschen in Deutschland: Camufingos Songs und sind eindringlich und hochaktuell.  

Album

"Ombanji"
Artist: Francisco Camufingo
Label: Heart Working Class


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