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Rapper mit bayerischer Mundart Liquid & Maniac

Ihre Raps sind witzig, politisch, scharf - und auf Bairisch. Liquid & Maniac. Liquid ist Oberpfälzer und Maniac ein Niederbayer. So einfach ist das. Und doch ist bei den beiden alles etwas anders: Liquids Opa war ein schwarzer G.I. und Maniac ging mit sieben Jahren mit seinen Eltern nach Amerika, wo er ein Jahrzehnt blieb.

Von: Andreas Krieger

Stand: 24.06.2019

Die dunklere Hautfarbe bei dem einen und das Südstaaten-Slang-gefärbte Bairisch bei dem anderen sind Spuren der Migration, die manch "Besorgten" auf den Plan rufen. Und genau für sie haben sie einen Haindling-Klassiker neu interpretiert: "Du Depp". Die Einstellung von Liquid: "Wenn dir einer blöd kommt: Am besten bist du noch nett zu dem. Dann bringst du ihn voll aus dem Konzept."

Liquid & Maniac sind die Klassenbesten im Boarisch-Rap. Liquid: Oberpfälzer. Maniac: aufgewachsen in South Carolina.

"Ich habe erlebt, dass mir einer in der Schule einfach in den Pulli gespuckt hat", erinnert sich Liquid. "Und noch heute passiert esmir oft, wenn ich auf einer Straßenseite einfach geradeaus gehe und schaue und meistens, wenn dann ältere weiße Frauen daherkommen ... das ist blöd zu sagen, meine Oma ist weiß, meine Mama ist weiß, ich bin auch nicht gerade der Dunkelste ... aber die sehen mich aus der Weite und wechseln die Straße, nur weil ich Dreadlocks habe und ein bisschen bräuner bin. Weil sie auf Nummer sicher gehen wollen."

Gegen die Blindwutbürger, Rassisten und Ignoranten haben sie den Hit "Du Depp" von Haindling aufgebretzelt.

"Ganz ehrlich. Das kann jedem passieren, dass man flüchten muss, was auch immer", sagt Liquid. "Zum Beispiel das Kernkraftwerk Isar. Was wäre jetzt denn, wenn da radioaktiver Scheiß rauskommen würde? Dann müssten wir flüchten, weil wir nicht mehr da leben könnten. Dann wären wir doch natürlich alle froh, wenn wir irgendwo anders hingehen könnten und uns jemand aufnehmen würde. Ich halte das für einen völligen Schwachsinn, dass man darüber überhaupt diskutieren muss. Oder dass Leute, weil sie anders ausehen, blöd behandelt werden von Leuten, die meinen, sie schauen aus wie jeder andere."

Maniac wurde 1985 in Landau an der Isar geboren. Als er sieben Jahre alt war, zog er mit den Eltern von Arnstorf nach Greenville, South Carolina. Mit zehn die ersten Raps. Mit 18 kam er allein nach Niederbayern zurück. "Ich habe eine Ausbildung als Feinwerkmechaniker gemacht. Das war nicht wirklich mein Ding, aber cool, ich war untergebracht. Passt. Ich mache was. Dann können die Eltern auch nicht meckern. Aber für die anderen Arbeiter war ich der Gangster aus dem Ami-Land, der einen auf Rap macht. Ich wurde halt verarscht. Das waren noch andere Zeiten. Wenn du vor zehn, 15 Jahren jemandem erzählt hast, dass du rappst, dann hat der gedacht, du stichst ihn gleich ab. Wir können uns in andere Leute hineinversetzen. Wie deren Situation ist. HipHop war das Ding, das uns aufgefangen hat. Wir wurden einfach akzpetiert, wie wir sind. Im HipHop ist es scheißegal, ob du lila, gelb, schwarz, weiß bist. Das ist einfach eine coole Community. Da ist es einfach cool, wenn du anders bist. Oder anders aussiehst. Oder ein Loch in der Hosen hast - oder grüne Dreadlocks, das ist cool. HipHop ist eine Kultur, die die Leute zusammenbringt. Egal von wo du kommst, egal aus welcher Nation. Selbst wenn du die Sprache nicht verstehst, dann checkst du trotzdem die Stimmung durch den Flow. Darum ist HipHop für uns die Brücke, die das alles zusammenbringt."

Die Beats und Klänge von Liquid & Maniac sind sehr zeitgemäß. Im Song "Flohmarkt" nehmen sie sich den amerikanischen "Trap", den Underdog-Rap-Stil des Südens, vor. Und veralbern die Konsumgellschaft. Flohmarkt versus Markenwahn.

Ihr Dialekt ist eine Waffe. "Ich habe da ein gutes Beispiel. Neben mir ist ein Auto stehen geblieben und dann hat jemand gefragt: 'Entschuldigung. Wo geht es denn da und da hin?'", sagt Liquid. "Da waren meine Kumpels dabei und da wusste ich halt als erster, wo es hingeht, und habe im breiten Bairisch gesagt: 'Ja, da musst da vorne links und rechts ...' Und als der Autofahrer meinen Dialekt gehört hat, hat er geschaut und auf einmal war der total happy im Gesicht. Und so geht es mir immer. Egal wo du hingehst, wenn du bairisch redest, egal wie du ausschaust, ist das Eis gebrochen. Noch ein Beispiel. Ich ging in meinen Friseurladen, das ist gleich dort, wo ich wohne. Und ich wollte mir für meinen Bart etwas kaufen. Eine Bartwichse. Dann bin ich also in den Laden rein. Die haben geschaut. Weil da eigentlich nur Rentner reingehen zum Haareschneiden. Und dann habe ich gesagt: 'Entschuldigung, ich wollte nur fragen, ob ihr für den Bart so eine Creme habt.' Auch das natürlich im breiten Bairisch. Da hat sie gleich gesagt: 'Ja, eine Bartwichs meinst du. Nein, das haben wir nicht. Aber ich weiß, wo du das herbekommst.' Sie hat es mir gleich aufgeschrieben und sofort ist das Eis gebrochen. Andererseits ist es halt scheiße, wenn einer nicht im Dialekt sprechen kann. Wenn einer nicht Bairisch kann und anders ausschaut, dann wird er meistens nicht cool behandelt."

Liquid & Maniac. Ihre Sprache ist: Heimat. Ihre Haltung: offen zur Welt. The Gaudi? Is real!

Album

Liquid & Maniac
"The Gaudi is Real"


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