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Musiktipp: Leila Akinyi Wer hat Angst vor der schwarzen Frau?

Soul, Rap, Reggae, mitreißend, fresh, dazu inhaltlich wichtig - Leila Akinyi verbindet das alles in ihren Songs. Kritisch setzt sie sich mit Identitätsfindung, mit sozialer Realität und Rassismus gegenüber schwarzen Menschen auseinander. Vor allem aber wirbt sie für mehr Selbstakzeptanz und Empathie.

Von: Michaela Paul

Stand: 24.07.2018

Mit ihrem Song "Afro Spartana" setzt Leila Akinyi alias "Miss Akinyi" ein ganz klares Statement für, wie sie sagt, "selbstbewusstes Schwarzsein".

Mit bitterbösem Sprachwitz rappt die Künstlerin über Vorurteile und Klischees, die schwarzen Menschen in Deutschland tagtäglich begegnen.

"Deshalb habe ich diesen Song geschrieben. Damit schwarze Menschen (...) einen Song haben, den sie stolz singen können und stolz einfach sagen können: 'Ich bin schwarz'"

. Leila Akinyi

Auszug aus "Afro Spartana"

"... Und weil ich schwarz bin
Bin ich schnellste Läuferin
Und weil ich schwarz bin
Bin ich beste Mitarbeiterin
Und weil ich schwarz bin
Wird mein Engagement nicht geschätzt
Und weil ich schwarz bin
Werde ich sehr oft unterschätzt
Ja, ich bin schwarz
Ich bin echt ein Hit ..."

Empowerment - "Black is beauty"

"Afro Spartana" ist ein Protest-Song-Soundtrack gegen Rassismus, dem schwarze Menschen in Deutschland tagtäglich begegnen. Es mache sie traurig, sagt Leila Akinyi, dass selbst in einer offenen, liberalen Gesellschaft schwarze Haut noch immer mit negativen Eigenschaften verknüpft sei. Für die Betroffenen habe das oft gravierende Folgen.

"Das geht so weit, dass viele Schwarze sich selbst nicht mehr lieben. Viele schämen sich sogar auch schwarz zu sein und sprechen das gar nicht an oder begraben das Thema."

Leila Akinyi

Um Rassismus entgegenzuwirken, müsse man sich mit dem Problem auseinandersetzen und offen darüber sprechen, statt zu schweigen. Deswegen appelliert die Sängerin mit ihrem Song indirekt auch an People of Color, sich selbst zu akzeptieren und selbstbewusst Stärke zu zeigen.

Musik als Spiegel des Lebensrealität

Geboren wurde Leila Akinyi in Mombasa, Kenia. Mit sechs Jahren holte ihre Mutter sie nach Köln, wo sie aufwuchs. Ihre Kindheit und Jugend beschreibt Leila Akinyi als Zeit voller Zerrissenheit, auch zwischen den Kulturen. Lebensfragen, wie die Suche nach der eigenen Identität, verarbeitet Miss Akinyi in ihren Songs.

"Meine eigene Musik ist für mich wirklich eine Therapie. Ich merke das immer wieder und dass ich im Nachhinein merke, dass jeder Song auch für mich geschrieben ist. Wenn ich sage: 'Kein Weg ist zu weit, liebe dein Leben noch viel mehr', dann gilt das auch für mich."

 Leila Akinyi

Auszug aus "Kein Weg zu weit"

"Liebe dein Leben noch mehr,
verlange nicht zu viel,
aber immer mehr
Gehe deinen Weg und präsentier dich
wie auf einem Laufsteg."

Facettenreiche Songs - mitreißend und inhaltlich relevant

Mit 13 Jahren schrieb die Musikerin ihre ersten Texte und wollte als Rapperin durchstarten. Doch in der männerdominierten, hauptsächlich weißen HipHop-Szene wurde sie als schwarze junge Frau nicht ernst genommen. Sie begann in einem Gospelchor zu singen, schrieb weiter Texte und Songs und veröffentlichte schließlich 2016 ihre erste EP "Afro Spartana", mit der sie sich in der Szene Gehör und Respekt verschaffen konnte.

Heute mixt Miss Akinyi Soul, Rap, Reggae und Afrobeats zu einem erfrischenden Sound und erfindet sich musikalisch immer wieder neu.
Sie versteht ihre Musik als Spiegel der Lebensrealität und die ist persönlich und immer wieder politisch. Denn obwohl sich Leila Akinyi selbst nicht als politische Künstlerin bezeichnen würde, so passen ihre Texte doch beängstigend gut zum heutigen Zeitgeschehen.

Ein Recht auf Anderssein

"Alien", so heißt ihr neuester Song. Darin geht es um Schubladendenken, um Ausgrenzung und Toleranz und um das Recht, anders zu sein, entgegen der Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft. Was dieses "Anderssein" bedeutet und wie es sich anfühlt, von Erwartungen und gesellschaftlichen Normen abzuweichen und sich durchboxen zu müssen, das hat die Sängerin selbst erlebt - als Frau, als Schwarze, als Rapperin.

"Wenn du anders bist und nicht akzeptiert wirst und nicht zu dem eigentlichen Bild passt, dann will man immer, dass du dich anpasst: Einem Trend, einer Musikrichtung, und das möchte ich nicht. Ich möchte einfach ich sein."

Leila Akinyi

Für mehr Liebe und Empathie anderen gegenüber

Auch davor, ihre verletzliche, nachdenkliche Seite zu zeigen, hat Leila Akinyi keine Angst. Allerdings würden viele Menschen in ihr nur die Kämpferin sehen - "aggressiv, wütend, hart", wie sie sagt. Beides, so scheine es, passe für die Menschen nicht zusammen.

Was über sie gedacht werde, das sei für sie allerdings nicht ausschlaggebend, sagt Miss Akinyi. Ihr gehe es vor allem darum, dass die Menschen am Ende des Tages nach Hause gehen und eine ganz bestimmte Message ihrer Musik verstanden haben:

"Empathie, das ist mein Ziel, Empathie rüberzubringen. Ein Spiegelbild darzustellen auch und die Leute über sich selber nachdenken lassen. Denn Empathie bedeutet, sich in andere hineinzuversetzen."

Leila Akinyi

Leila Akinyi ist eine begnadete Songwriterin mit großer Stimme und klarer Haltung, deren Songs einen so schnell nicht mehr loslassen.

Weiterführende Informationen

facebook//Leila Akinyi

"Afro Spartana EP"
Label: Melting Pot Music

"Alien"
Music-Video: Leila Akinyi


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