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Hans Söllner Live-Premiere "Rassist"

Der bayerische Liedermacher Hans Söllner läuft zur Höchstform auf, wenn ihn etwas wütend macht. Bei einer Fahrt mit der Fähre Richtung Griechenland hörte er deutsche Touristen über Geflüchtete schimpfen und spontan schrieb er das Lied "Rassist".

Von: Andreas Krieger

Stand: 24.09.2018

Ein Lied voller Zorn über diejenigen Zyniker, die gegen Geflüchtete wettern, aber jeden Vorteil gerne mitnehmen. Über Feiglinge und Hetzer. "Rassist" ist ein scharfer, wichtiger Song. Beim Afrika&Karibik-Festival in Wassertrüdingen gab es nun die Live-Premiere dieses Songs. Mit dabei die Banda Internationale, in der viele ehemals Geflüchtete mitspielen.

"Du scheiß Rassist, schau dass di schleichst. / Du scheiß Rassist, schau dass di schleichst. / Des is mei Heimat / und ned dei Reich."

(Songtext 'Rassist')

Ein Song wie eine Watschn. Wenn sich Hans Söllner richtig aufregt, dann kommt nicht gerade Kuschel-Rock und Reclam-Heft raus.

Uns frisst keiner die Haare vom Kopf

"Weil das so ist, dass sich die Rassisten einfach schleichen sollten", sagt Hans Söllner. "Wenn es ihnen wirklich so schlecht geht mit all den verschiedenen Nationen und Hautfarben, dann sollten sie sich dahin schleichen, wo sie unter sich sind. Vielleicht auf eine Insel im Pazifischen Ozean oder auf irgendeine Müllinsel im Indischen Ozean. Das ist Panikmache und Angstmache. Und das ist ziemlich unverschämt gegenüber allen Nationen, die wir seit Hunderten oder Tausenden von Jahren ausbeuten. Und dann kommen welche und dann lassen die sie in der Adria ersaufen und schauen zu und sagen: 'Ja, die sollen ersaufen, bevor sie uns die Haare vom Kopf fressen.' Uns frisst keiner die Haare vom Kopf."

Der Ton macht die Musik

"Du scheiß Rassist, schau dass di schleichst." Einfache, deutliche Worte. Bei der Banda Internationale aus Dresden sprechen alle deutsch. Söllners Bayrisch ist wie eine Fremdsprache, aber: der Ton macht die Musik. Die Haltung. Und da sprechen alle dieselbe Sprache. "Vielfalt ist ein Vorteil, eine Bereicherung für Deutschland", sagt der Schlagzeuger und Sänger Ezé Wendtoin. "Wir müssen lernen zusammen zu leben."

"Ich geh grad durch eine Stadt in Deutschland / und du Trottel marschierst grad mit deine Freind / Ich geh grad durch eine Stadt in Deutschland / und du Trottel, du marschierst mit deine Freind / alloa tat’s da des eh niad traun / du brauner Arsch, zu dem bist zu viel zu feig."

(Songtext 'Rassist')

Falscher Stolz

"Die sind nicht stolz auf ihre Toleranz", sagt Hans Söllner. "Die sind stolz auf ihre Intoleranz. Das ist eigentlich das Problem: dass sie stolz sind, Deutsche zu sein. Und das geht überhaupt nicht, das mit Stolz zu verbinden. Menschen die Hilfe zu verweigern, das ist für mich Rassismus."

"Wehrlose Frauen, Männer und Kinder / san eure Opfer, san euer Ziel / wehrlose Frauen, Männer und Kinder / san eure Opfer und san euer Ziel / und eure Billigjeans nähen Kinder / in Bangladesch und Indien."

(Songtext 'Rassist')

Potition zeigen

Die Musiker von Banda Internationale kannten den Volkshelden Söllner nur vom Hörensagen. "Das Lied gefällt mir, weil Hans Söllner Position zeigt", sagt Ezé Wendtoin. "Um zu sagen, dass diese Welt offen sein muss. Jemand darf aufgrund seiner Hautfarbe nicht diskriminiert werden. Und das einfach klar zu sagen, das gefällt mir an diesem Lied."

"Geh in ein Altersheim und wasch / a oidn Frau ihrn oidn Arsch / geh in a Altersheim und wasch / a deutschen oidn Frau / ihrn deutschn oidn Arsch / danach kimma uns unterhoitn / ansonsten hoit dei Fotzn / des war’s."

(Songtext 'Rassist')

"Ich bin für Leben"

"Wenn wir uns nicht mehr vertrauen, dann entsteht auch diese Hinterfotzigkeit", sagt Hans Söllner. "Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann mal in der Nacht nach Hause gehe und irgendwelche Nachbarn in Selbstjustiz mir einen Knüppel draufhauen, weil ich für Ausländer bin. Ich bin nicht für Ausländer. Ich bin für Leben, ich bin für Menschen, ich bin für Freiheit. Ich bin nicht für etwas. Ich bin gegen Rassismus und gegen einsperren und gegen wegsperren. Aus, das ist alles."


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