BR Fernsehen - puzzle


4

Mit Humor gegen Klischees German LifeStyle GLS

Allaa Faham und Abdul Abbasi aus Syrien erzählen auf ihrem Blog "German LifeStyle" von ihrem Alltag in Deutschland und von kulturellen Unterschieden. Eben ist ihr neues Buch erschienen. Witzig, klug, ein bisschen boshaft.

Von: Michaela Paul

Stand: 05.06.2018

"Kann ich beides sein? Kann ich Syrisch und Deutsch sein? Ja, ich tanze manchmal wie Syrer ... Und manchmal tanze ich auch wie Deutsche ... Vielleicht entwickeln wir jetzt ein neues Wort - deutsch, syrisch ... seutsch?"

Ausschnitt aus GLS 'Syrisch oder Deutsch?'

Sie sind jung, witzig und seutsch - ein bisschen syrisch, ein bisschen deutsch: die syrischen Studenten Abdul Abbasi und Allaa Faham, besser bekannt als die Macher des Video-Blogs "German LifeStyle", dem mittlerweile mehr als 100.000 Fans folgen und der ihnen die Integrationsmedaille des Bundes eingebracht hat.

In kurzen Clips nehmen sie Vorurteile, Missverständnisse und kulturelle Unterschiede zwischen Syrern und Deutschen gleichermaßen aufs Korn, denn falsche Vorstellungen gibt es auf beiden Seiten genug.

"Viele Leute haben das Bild im Kopf, dass wir in einer Wüste leben und mit Kamelen umgehen, oder sie fragen mich, ob ich in Syrien einen Fernseher hatte."

Allaa Faham, syrischer Student, Blogger und Autor

"Ich hatte auch diese Idee von Deutschland, dass alle wie Oliver Kahn sind und keinen Spaß verstehen und dass alle immer sauer sind. Natürlich hat sich das Bild geändert, seit ich in Deutschland bin, und die Menschen kennengelernt habe."

Abdul Abbasi, syrischer Student, Blogger und Autor

Von syrischen und deutschen Missverständnissen und Vorurteilen könnten Abdul und Allaa eigentlich ein langes Lied singen. Stattdessen haben sie aber ein Buch geschrieben mit dem Titel: "Eingedeutscht - die schräge Geschichte unserer Integration".

Es ist ein Plädoyer dafür, Missverständnissen und kulturellen Gegensätzen mit Humor statt mit Angst zu begegnen. Auch wenn einem das nicht in jeder Situation leicht falle, sagt Abdul Abbasi. Während seines Studiums der Zahnmedizin sei er, sobald er einen großen Rucksack dabei gehabt habe, von Kommilitonen scherzhaft gefragt worden, ob er eine Bombe dabei habe.

"Ich fand das nicht so witzig, dachte aber, okay, dann mache ich jetzt eben auch mal so einen Witz, und habe gesagt, dass ich vielleicht morgen das Klinikum bombardiere ..."

Abdul Abbasi, syrischer Student, Blogger und Autor

Dass dieser Witz bei seinen Kommilitonen und der deutschen Polizei überhaupt nicht gut ankam und dass aus Spaß manchmal bitterer Ernst werden kann, erfuhr Abdul am eigenen Leib. Kurz nach seiner Nachricht wurde er verhaftet, bis er schließlich das Missverständnis aufklären konnte und sich zahlreiche seiner Kommilitonen für ihn verbürgt hatten.

Mit Geschichten wie diesen wollen die beiden Autoren aber ihr Publikum nicht nur zum Lachen bringen. Sie möchten die deutsche Gesellschaft wachrütteln und sie dazu ermutigen, das eigene Bild von "den Syrern" oder "den Flüchtlingen" kritisch zu hinterfragen. Schließlich sei nicht jeder Syrer ein gefährlicher Bombenleger. Genauso wenig wie jeder Deutsche ein Bier trinkender, spaßbefreiter Rassist sei.

Es sei wichtig, hinter verallgemeinernden Begriffen wie "die Deutschen", "die Syrer" oder "die Flüchtlinge" den Menschen zu sehen.

Natürlich gebe es auch unter Syrern und Flüchtlingen schlechte Menschen. In erster Linie seien Flüchtlinge aber Menschen, die nicht den Terror nach Deutschland brächten, sondern vor Krieg und Terror geflohen seien, so die Autoren, die ebenfalls vor einigen Jahren ihre Heimat verlassen mussten, weil sie gefährdet waren:

"Der Polizist zeigte mir eine Liste mit Namen und ja, da stand mein Name, Geburtsdatum, die Daten stimmten. Wer auf der Liste stand, landete im Gefängnis. Ich war dran, ich war tot. (...) Und da sagte der Polizist plötzlich in einem Anflug von ironischer Selbstgefälligkeit des Mächtigeren: 'Ach komm, Du hast ein nettes Gesicht, komm, verpiss Dich.'"

Lesung Allaa Faham, syrischer Student, Blogger und Autor 

Vorurteile den anderen gegenüber gebe es bei Syrern wie auch bei Deutschen gleichermaßen, so die Erfahrung von Allaa und Abdul. Integration könne aber nur dann gelingen, wenn aus Angst und Ablehnung kultureller Unterschiede Akzeptanz werde. Dafür sei vor allem eines notwendig: Kommunikation und die Bereitschaft, gemeinsam über Gegensätze und Vorurteile zu lachen. Denn Humor könne Brücken schlagen, auch zwischen Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen, sagen Abdul Abbasi und Allaa Faham.

Weiterführende Informationen

Mehr Infos zum Blog "German LifeStyle" und den Tourdaten zum Buch "Eingedeutscht" unter

www.germanlifestylegls.de oder via Facebook: "German LifeStyle GLS".


Buch:
"Eingedeutscht - die schräge Geschichte unserer Integration"
Autoren: Allaa Faham, Abdul Abbasi
Goldmann Verlag


4