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Dokumentarfilm "Khello Brüder"

Ein Film über zwei Brüder aus Aleppo, die unabhängig voneinander fliehen mussten und sich in Deutschland wiedertrafen. In "Khello Brüder" erzählen sie vom Krieg, der Flucht und dem Ankommen in einem zunächst fremden Land. Und wie sich das alles anfühlt.

Von: Anna-Louise Bath

Stand: 25.10.2019

Mit knapp 18 Jahren beginnt Hille Norden, einen Film über Zakwan und Tarek Khello zu drehen. Für den Maler Zakwan, der seinem Bruder nach Deutschland gefolgt und gerade erst angekommen ist, ist das Filmteam der erste Kontakt zu Deutschen.

"Also ich wollte nur reden. Ich hatte eine Geschichte, ich war traurig, so wie viele Flüchtlinge. Wir wollten einfach mit jemandem sprechen. Das war schön, das war wichtig für mich, dass ich mit Deutschen reden konnte."

Zakwan Khello

Einen "anderen Flüchtlingsfilm", einen, "in dem Geflüchtete selbst zu Wort kommen", wollte die Regisseurin machen.

Tarek, der Journalist ist, hält es für wichtig, "dass nicht nur Deutsche über Flüchtlinge berichten", sondern diese auch "über sich selbst".

Wegen seiner regimekritischen Texte wurde er in Syrien mehrmals inhaftiert, musste fliehen und kam 2013 als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Heute berichtet er hier als erfolgreicher Experte über den Nahen Osten und das Thema Flucht.

"Du musst einfach fliehen, du verlierst die Kontrolle, du kannst nicht mehr richtig nachdenken oder planen. Du hast deine Gefühle nicht im Griff, dein Leben auch nicht im Griff. Da denkst du einfach nach: Wie komme ich hier raus?"

Tarek Khello

Zakwan war Dozent an der Kunstakademie in Aleppo. Als der Krieg ausbricht, will er seine Studenten nicht alleinelassen. Doch als er, der sich weigert, eine Waffe in die Hand zu nehmen, zum Militärdienst soll, bleibt ihm nur noch die Flucht.

Wie Millionen von Menschen wagt er sich im Schlauchboot übers Mittelmeer. Aber in Europa erwartet ihn zunächst keine Sicherheit. Auf den langen Fußmärschen drohen Raub, Entführung, in vielen Ländern staatliche Gewalt. Wie sich das anfühlt, ahnt man, wenn man seine Zeichnungen von der Flucht betrachtet.

"Die Leute, die schon den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, sind ein bisschen anders mit uns. Also sie verstehen uns mehr. Und sie helfen den Flüchtlingen ein bisschen mehr."

Zakwan Khello

Könnte er nicht malen, müsste er schreiben, sagt Zakwan. Wie Tarek, der mit Worten erzählt - damit man die Geflüchteten hier besser versteht.

"Na ja, ich hab das gar nicht geplant. Und gar nicht gewollt. Und ich wusste das bis heute auch nicht, dass ich mal fliehen muss. Ich wollte gerne mal nach Deutschland als Besuch. So als Tourist hier mal 'ne Runde machen und Deutschland besuchen. Aber nicht als Flüchtling. Klar – das plant man nicht."

Tarek Khello

Hille Norden hat ihr Regiedebut selbst produziert. Sie erschafft Intimität und große Nähe zu den Protagonisten. Und berührt zutiefst. Lässt jedes Schubladendenken absurd erscheinen. Ein "Flüchtlingsfilm"? Nein! Ein "Menschenfilm"!

Weiterführende Informationen

"Khello Brüder"
Ab 7. November im Kino

Informationen zum Film unter:
http://ggfplanet.de/khello


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