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Belebter Stadtpark Der Münchner Olympiapark

Der Münchner Olympiapark, das "architektonische Symbol für die geistige Freiheit und die heitere Offenheit", wurde von 1968 bis 1972 maßgeblich von Gastarbeitern gebaut. Wir treffen dort Zugewanderte, die unser Land heute maßgeblich mitgestalten.

Von: Andreas Krieger

Stand: 06.05.2019

Das berühmte Zeltdach. Der Fernsehturm. Die Hügel. Alles an diesem Park hat einen sanften Schwung.

"Olympische Spiele sind ein internationales Ereignis, bei dem sich Menschen aller Völker begegnen", sagte der damalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel beim Richtfest. "Von den Bauarbeitern stammen nur rund 45 Prozent aus der Bundesrepublik. Die übrigen aber aus insgesamt 18 europäischen und außereuropäischen Ländern. Die meisten von ihnen kommen aus Italien, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei."

Vier Jahre lang, von 1968 bis 1972, wurde der Park gebaut. Die Sportstätten und das Gelände sollten sich deutlich von der Monumentalität der Nazis und ihrer Olympischen Spiele 1936 unterscheiden. Die Vision in München: Ein Park für alle. Mehr als 30 Weltmeisterschaften haben hier schon stattgefunden. Aber von Protz: keine Spur. Der Park ist eine Attraktion mit Weltruf. Ein Familien-Park.

Wir treffen Jiao Yang aus China mit seinem dreijährigen Sohn. Sehr viele Gastarbeiter mussten angeworben werden und kommen, um dieses Areal aufzubauen. Weiß er das? "Ja, ich kenne diese Geschichte. Ich finde, der Olympiapark ist sehr schön. Alt, aber sehr gut gepflegt." Mit seinem Sohn kommt er jedes Wochenende hierher. Jiao Yang ist aus China, arbeitet als Software-Entwickler in München. "Ich liebe diese Atmosphäre in Deutschland. Die Beziehung zwischen den Leuten ist nicht so kompliziert. Die Arbeit ist auch gut, diese Balance zwischen Arbeit und Leben. In China, in meinem Freundeskreis, haben alle großen Stress, aber hier ist es gut."

Und wie heißt sein Sohn? "Max." - Warum Max? "Weil er einen Monat zu früh geboren wurde und so klein war. Ich wollte, dass er groß wird. Deshalb einfach Max. Er spricht drei Sprachen, weil wir ihn in eine zweisprachige Kita gegeben haben. Er spricht in der Kita deutsch und englisch. Und zu Hause chinesisch. Aber er kann automatisch wechseln. Das ist super. Er spricht mit mir und meiner Frau immer auf Chinesisch, aber mit unserem Nachbarn auf Deutsch."

"Das Münchner Olympiagelände ist das in aller Welt wahrgenommene architektonische Symbol für die geistige Freiheit und die heitere Offenheit, die sich die Deutschen nach Diktatur und Krieg erarbeitet haben", schreibt der Kulturkritiker Gottfried Knapp.

Surya und Shashank Upadhyay aus Indien machen Picknick mit ihrem zweijährigen Sohn. "Es ist ein Privileg für Menschen von außerhalb hierher kommen und frei arbeiten zu dürfen und in der Gesellschaft akzeptiert zu werden", sagt Surya Upadhyay. "Wir versuchen uns so gut wie möglich zu integrieren, weil das für uns selbst wichtig ist. Das Kind soll auch fühlen, dass es zu Hause ist, weil wir selbst weit von zu Hause weg sind."

Was bedeutet dem Ehepaar München und Bayern, möchten wir von Shashank Upadhyay wissen. "Es ist unser neues Zuhause, seit zweieinhalb Jahren. Mein Sohn wurde hier geboren. Im Schwabinger Krankenhaus." - Er ist also ein Bayer? - "Er ist ein Bayer." Papa: Maschinenbauingenieur. Von der indischen Firma nach München geschickt.

Li Fan aus China, Sachbearbeiterin, ist mit ihren Töchtern Anna und Emily in den Park gekommen. "Deutschland bedeutet Hochqualität", sagt Li Fan. "Zum Beispiel bei Mechanik und Medikamenten. Das ist ganz hohe Qualität." Die Kinder aber sind in Unterhaching aufgewachsen. Waren die beiden Töchter schon mal in China? "Ja", sagen sie. Und wie gefällt es ihnen dort? "Gut", sagt Anna. "Schlecht", lacht Emily.

Migranten haben damals als Gastarbeiter das Land mit Fleiß und Kraft mit aufgebaut. Heute sind es viele Migranten, die hochqualifiziert das Label "Made in Germany" für die Zukunft prägen.

Wir treffen Rudi Albert. Ein geborener Sizilianer. Sein Uropa war Deutscher. Er ist als Tourist im Olympiapark. "Ich hoffe, dass meine Kinder als europäische Kinder aufwachsen. Nicht als Italiener, Deutsche oder Franzosen. Das hoffe ich in der Zukunft für meine Kinder."

Ein Park wie ein utopischer Ort. Migranten und Deutsche haben ihn gemeinsam gebaut. Hier lebt der olympische Geist weiter. Es zählt das Gemeinsame, das entspannte Nebeneinander und das belebte Miteinander.


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