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Bayern aus Sicht eines Syrers Haferlschua und Kefije, Gstanzerl und Qanun

Als Mohamad Alkhalaf vor drei Jahren aus Syrien fliehen musste, weil er dort als Journalist verfolgt wurde, hatte er ein Ziel vor Augen: München. Weil er schon seit seiner Kindheit ein großer Fan des FC Bayern München ist. Warum sein Lieblingsverein so heißt und was dieses Bayern überhaupt ist, wusste er damals noch nicht. Inzwischen trägt er selbst ab und zu eine Lederhose und grüßt seine Nachbarn mit einem überzeugten "Servus!".

Von: Johanna Zach

Stand: 26.03.2019

Mohamads große Leidenschaften sind der Sport und die Musik. Beide haben ihm geholfen, in der neuen Welt Fuß zu fassen und die Menschen dort kennen zu lernen - mit all ihren Gewohnheiten und Bräuchen. 

Beim Sport ist es egal, wo man herkommt. Man versteht sich auch ganz ohne Worte.

Über den Sport lernt Mohamad viele Menschen kennen, die ihm helfen und gute Freunde werden. Mit zwei Freundinnen geht er zum Beispiel regelmäßig laufen und lernt dabei neue Vokabeln von ihnen. Auch die Marathons, an denen er schon teilgenommen hat, waren immer großartige Erlebnisse, die ihn motiviert haben, weiter zu machen.

Sind die Deutschen alle verrückt?

Was für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, kommt Mohamad oft komisch vor. In Syrien würde zum Beispiel keiner freiwillig zum Joggen gehen. Und dass Männer und Frauen gemeinsam einen Fahrradausflug machen, kommt auch nicht so oft vor. Manchmal sind es aber auch die alltäglichen Dinge, an die sich Mohamad erst gewöhnen musste.

"Schnäuzen in der Öffentlichkeit, Kartoffeln als Salat, Mülltrennung, Toilettenpapier statt Wasser benutzen, Menschen, die mit Tieren spielen und reden - manchmal könnte man denken, die Deutschen sind verrückt."

Mohamad Alkhalaf

Inzwischen weiß er aber, wie die Bayern ticken, und macht einfach mit. Mit Rosi, der Nachbarshündin, kann er stundenlang im Garten spielen, er trifft sich zu Schneeballschlachten im Park oder geht zum Volkstanz in das Hofbräuhaus - natürlich in Lederhosen.

"Als ich das erste Mal einen Mann in Lederhosen gesehen habe, war ich mir sicher, dass es sich dabei um einen verkleideten Mann, einen Schauspieler handelt."

Mohamad Alkhalaf

Kulturen-Mash-Up statt Clash

Da isst er dann auch mal ganz gern Knödel oder Spätzle. Von Schweinefleisch und Bier lässt er aber nach wie vor die Finger. Und daheim wird auch noch arabisch gekocht. Seine Wurzeln und seine Herkunft sind ihm nämlich nach wie vor wichtig.

Dass sich die beiden Kulturen nicht ausschließen, sondern super nebeneinander funktionieren, möchte Mohamad beweisen. Er schreibt in der SZ-Kolumne "Neue Heimat" und zeigt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen der bayerischen und der syrischen Kultur auf.

Auf seiner Hochzeit hat er die beiden Kulturen einfach zusammengebracht: Syrer, die in arabischer Tracht auf Volksmusik tanzen und Deutsche, die in bayerischer Tracht arabische Kreistänze lernen.

Musik verbindet!

Da zeigt sich auch, welche verbindende Kraft die Musik hat. In Rakka, Mohamads Heimatstadt, begleitete sie ihn durch den Alltag. Dass sich seine alte und seine neue Heimat unterscheiden, merkt er oft auch an der Musik. Trotzdem gibt es auch Instrumente, wie die Zither, die ihn an seine Heimat erinnern.

Und die bayerische Volksmusik hört er inzwischen auch gerne - besonders die derbe, ironische und offene Art fasziniert ihn. Da muss man einfach mitklatschen, lachen und tanzen!   

"Vor allem, dass in Bayern Gstanzl gesungen werden, fand ich besonders aufregend, lebten Musiker in Syrien in den Jahren vor meinem Abschied doch ähnlich gefährlich wie Journalisten."

Mohamad Alkhalaf


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