BR Fernsehen - natur exclusiv


0

natur exclusiv Unbekanntes Afrika - Das Kap

"Dreht etwas, das noch nie jemand in einem Afrika-Film gesehen hat!" Dieser Herausforderung hatten sich sieben BBC-Regisseure und 36 erfahrene Kameraleute zu stellen, als sie den Auftrag erhielten, eine Naturfilm-Serie über Afrika zu produzieren. So entstand in insgesamt fast vier Jahren diese Serie über ein tatsächlich "Unbekanntes Afrika". Dieser Teil des spektakulären Afrika-Fünfteilers führt ans Kap.

Von: Hugh Pearson

Stand: 26.04.2018

Tafelberge bei Kapstadt  | Bild: BR/WDR/Justin Maguire

An ruhigen Tagen, in denen der Wind kaum die Meeresoberfläche kräuselt, ahnt niemand, dass am Kap der Guten Hoffnung im äußersten Südwesten Afrikas zwei Giganten aufeinander treffen: der warme Indische Ozean und der kalte Atlantik. Wenn sie sich vermischen, steigen Wasserdämpfe auf und hüllen die Gipfel der Tafelberge ein.

Der Einfluss der Ozeane

So spektakulär die Wolken sind - sie sind nur ein erster Hinweis darauf, was die so unterschiedlichen Ozeane alles bewirken: Diese Folge der außergewöhnlichen Serie über das "Unbekannte Afrika" widmete sich den Einflüssen der beiden Meere, genauer gesagt, ihrer sehr unterschiedlicher Strömungen. Dem warmen Agulhasstrom, der die Ostküste entlang in Richtung Kap zieht, und dem kalten Benguela, der von der Antarktis kommend an Afrikas Westküste entlang gen Norden zieht. 

Das schwierige Leben der Meeresschildkröten

In den warmen Angulhasstrom geraten zum Beispiel die kleinen Grünen Meeresschildkröten - vorausgesetzt, sie haben den gefährlichen Weg über den Strand von Ort des Schlüpfens bis zum Meer überlebt. Hautnah erlebt der Zuschauer die Not eines kleinen Weibchens, das mitten durch hungrige Rabenscharen und von Geisterkrabben verfolgt zum Meer hetzt. Dort angekommen, wird es sofort von der heftigen Brandung erfasst, und von oben stürzt ein Milan hinab. Ist ihre erste Reise schon nach wenigen Minuten beendet?

Schmetterlingsball im "Google-Wald"

Über 300 Milliarden Liter Wasser transportiert der Agulhasstrom jeden Tag zum Kap. Doch auf seinem Weg dorthin beeinflusst er das Klima bis weit ins Landesinnere. Denn er ist so warm, dass enorme Mengen Wasser verdampfen. Sie regnen in den Bergen von Mozambique ab und erschufen dort einen Regenwald, dessen Ausmaß erst mit Hilfe von Google Earth in vollem Umfang erfasst wurde. Insider nennen ihn deshalb auch "Google-Wald". Inmitten dieses "Google-Waldes" folgen hunderte von Schmetterlingen Bachläufen gegen den Strom und gelangen so auf den baumfreien Gipfel des Monte Mabu. Dort haben sie Raum genug, um ihren "Schmetterlingsball" aufzuführen - ganz nach der Devise: Steig so hoch du kannst, vielleicht gewinnst du so das Herz einer Schmetterlingsdame. Ein BBC-Filmteam fing dieses Schauspiel erstmals mit der Kamera ein - ihre Drehreise war die zweite Expedition, die in diesen Bergen überhaupt bislang stattgefunden hat.

Foto-Impressionen:

Die größte Sandfläche der Welt

Der Einfluss des feuchten Agulhas endet abrupt an den Hängen der Drachenberge, etwa 200 Kilometer von der Ostküste entfernt. Dahinter erstreckt sich die größte Sandfläche der Welt - die Kalahari. Sie geht im äußersten Südwesten in die noch trockenere Namibwüste über. Deren Bewohner erleben so gut wie nie einen Regenschauer und können nur dank der Nebelschwaden überleben, die an über 200 Tagen im Jahr vom Meer in die Sanddünen ziehen. An der Westküste nämlich herrscht der kalte Benguelastrom, der zwar für reichlich Nahrung im Meer, aber nur ganz selten für Regen sorgt. Fällt er tatsächlich einmal, erblüht die Küste in bunten Farben, und Blatthornkäfer kämpfen in den Blüten der Kapmargeriten um ihre Weibchen. Der Zuschauer ist ganz nah dabei und erlebt direkt mit, wie die beiden Helden im Kampfgetümmel gar nicht merken, dass ihnen ihre Angebetete verloren geht. 

Jäger jagen Jäger

Vor der Küste sammeln sich währenddessen unzählige Delfine, um einem riesigen Sardinenschwarm zu folgen. Sie ihrerseits werden verfolgt von einem noch größeren Jäger - einem Brydewal. Er ist wie sie auf die Fische aus, doch massig, wie er ist, braucht er die Kleineren, um die Sardinen zusammenzutreiben. Doch selbst dann scheint es zunächst, als würde er immer zu spät kommen und kaum etwas von dem Festessen abbekommen.

Pinguine in der Hitze

Der nahrungsreiche Benguelastrom lockt auch unzählige Brillenpinguine an, die auf kleinen Inseln vor Südafrikas Küste brüten. Sie allerdings stehen vor einem für Pinguine höchst ungewöhnlichen Problem: Sie müssen ihre Eier vor Hitze schützen - und gehen dabei, mit einer dicken Speckschicht gegen grimmige Kälte ausgestattet, beinahe zugrunde.

Sendehinweis

Die Serie "Unbekanntes Afrika" sehen Sie in mehreren Folgen jeweils in "natur exclusiv" im BR Fernsehen:

  • "Das Kap" am Sonntag, 06.05.2018 um 12.45 Uhr und Montag, 07.05.2018 um 10.25 Uhr

0