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Therapie anders Tiere helfen im Kinderheim St. Elisabeth

Tiere können richtige Seelentröster sein - sie können sogar Kindern helfen, die sehr Schlimmes erlebt haben. Ein Kinderheim in der nördlichen Oberpfalz hat das erkannt und geht ganz neue Wege.

Von: Viola Nowak

Stand: 25.10.2018

Insgesamt 54 Kinder leben in drei Kinder- und drei Jugendgruppen im Haus St. Elisabeth in Windischeschenbach. Für jede Gruppe sind sechs Erzieher zuständig, die sich in einem Schichtsystem abwechseln. Die Idee, intensiv mit Tieren zu arbeiten, hatte Heimleiterin Hannelore Haberzett. Sie erklärt, worum es geht:

"Für die Kinder ist das Ankommen hier schon schwierig, weil alle Kinder lieben ihre Eltern unabhängig davon was da war. Das ist das Besondere an dieser Eltern-Kind-Bindung. Und die Kinder erleben sehr viele Veränderungen, sind dann verwirrt, sind traurig. Und da ist die Arbeit mit den Tieren dann häufig ein gutes Medium, dass man einen besseren Zugang zu den Kindern finden kann."

Hannelore Haberzett, Leiterin Haus St. Elisabeth

Mit Reittherapie gegen schwere Traumata

Zum wöchentlichen Programm des Kinderheims gehören heilpädagogische Therapiesitzungen mit hauseigenen Ziegen. Oder auch Angebote mit Pferden - die sogenannte Reittherapie. Rund 7.000 Euro pro Jahr lässt sich das Kinderheim diese kosten. Finanziert wird sie durch Spenden. Um das Angebot kümmert sich die selbständige Reittherapeutin Elke Farran:

"Das es sind viele Kinder, die haben viele Therapien schon durch. Und ich hab' oft das Gefühl, die sind müde. Die wollen nicht immer müssen. Und wieder müssen, und wieder Therapie. Und bei den Pferden ist es einfach die Situation: die haben die Pferde, das sind ihre Freunde. Und das ist mein Ansatz, erstmal Freundschaft aufbauen, Emotionen zulassen, fühlen, und über das dann dem Kind die Möglichkeit geben, sich zu öffnen."

Elke Farran, selbständige Reittherapeutin

Elke Farran hat schon viel erlebt: Kinder mit schweren Depressionen, Kinder die schon mehrere Suizidversuche hinter sich hatten. Manche gehen 15 Jahre oder länger zur Therapie.

Für mehr Aufmerksamkeit: Lesestunden mit dem Hund

Ein weiteres Angebot im Kinderheim St. Elisabeth: Lesestunden mit dem dreijährigen Hund Ace. Der Husky, der gerade zum Therapiehund ausgebildet wird, gehört Erzieherin Johanna Hösl - und ist von klein auf Teil der Wohngruppe "Villa Kunderbunt". Seine Aufgabe: für bessere Konzentration beim Zuhören zu sorgen, und für den nötigen Kuschelfaktor. Trotzdem ist Achtsamkeit gefragt, weiß Erzieherin Hösl:

"Es ist kein Spielzeug zum Ein- und Ausschalten, auch wenn man damit scheinbar coole Wollknäuel basteln kann. Es ist ein Lebewesen und damit muss man klarkommen. Auch er hat gute und schlechte Tage. Und er hat Sachen, vor denen er Angst hat oder die er gern mag. Und darauf muss man genauso Rücksicht nehmen wie auf andere Kinder in der Gruppe: auf den Mitschüler, auf den Lehrer oder später in der Arbeitswelt."

Johanna Hösl, Erzieherin, Kinderheim St. Elisabeth

Weiteres zu den Angeboten und Spendeninformationen gibt es auf der Homepage des Hauses St. Elisabeth in Windischeschenbach.