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Umstrittene Pläne Freiberufliche Hebammen fürchten um ihre Existenz

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV will die Vergütung der freiberuflichen Hebammen ändern. Er sagt, das sei eine Verbesserung. Anders sieht das der Hebammenverband: Der befürchtet das Aus vieler freiberuflicher Hebammen. Im Juli soll eine Schiedsstelle über die Zukunft der Hebammen entscheiden.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 07.06.2017

Hebammen bei der Arbeit | Bild: BR

Am Klinikum in Cham arbeiten neun Beleg-Hebammen. Sie sind selbstständig und rechnen ihre Leistungen direkt mit der Krankenkasse ab. Eigentlich bräuchten Anja Karl und Bettina Armansperg mehr Kolleginnen. Aber sie finden keinen Nachwuchs. Besonders stark merken sie den Personalmangel in Ferienzeiten. Die Rufbereitschaften für August sind kaum zu besetzen.

"Die Situation mit den Hebammen ist die letzten Jahre viel schlimmer geworden. Ich werde oft gefragt, warum keiner mehr Hebamme lernen will. Ich glaube, das ist gar nicht das Hauptproblem, sondern viele, die schon Hebamme sind und dann Kinder bekommen, sind durch die Situation gezwungen aufzuhören, weil es sich einfach nicht lohnt halbtags zu arbeiten."

Anja Karl, Hebamme, Cham

Den beiden macht aber noch weiteres Sorgen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV möchte die Vergütung der Beleg-Hebammen verändern. Auf dem Papier klingt das alles zunächst gut, zum Beispiel, dass die Hebammen mehr Geld bekommen sollen. Doch es wird auch gefordert, dass eine Hebamme künftig nur noch eine werdende Mutter betreuen darf, maximal zwei. Das hieße unterm Strich weniger Geld, sagt der Hebammenverband.

"Wenn der GKV-Vorschlag so durchgehen würde, glaube ich, könnten wir hier aufhören mit arbeiten, weil wir das nicht leisten können, dass für jede Geburt eine Hebamme da ist."

Bettina Armansperg, Hebamme, Cham


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