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Glutenfrei, Laktosefrei Das Geschäft mit der Lebensmittel-Unverträglichkeit

Brot, Nudeln und sogar Bier - frei von Gluten und oft frei von Laktose. Der Markt für solche Produkte boomt. Glutenfreie Kost füllt auch in Supermärkten ganze Regale. Doch sind solche Lebensmittel für Gesunde wirklich eine bessere Wahl?

Von: Josef Streule

Stand: 02.07.2016

Weizen in Verruf: Glutenfrei - eine Modeerscheinung? | Bild: picture-alliance/dpa

Wir legen der Ernährungsberaterin Daniela Krehl willkürlich eingekaufte Produkte vor. Bei glutenfreien Nahrungsmitteln fällt vor allem die Vielzahl der Zutaten auf.

"Sie haben keinen Vorteil, wenn sie glutenfreie Lebensmittel kaufen, wenn sie nicht betroffen sind, im Gegenteil, die Zutatenlisten sind meistens immens lang, weil man einfach versucht, ein Produkt zu imitieren und dafür brauch ich sehr viele Zusatzstoffe, die zum Teil auch wirklich fragwürdig sind."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Stars essen glutenfrei

Trotzdem schwören Stars wie der Tennisspieler Novak Djokovic auf glutenfreie Kost. Auch die Sängerinnen Miley Cyrus oder Lady Gaga werben dafür. Doch ist das eine sinnvolle Diät? Wir schauen uns die Produkte genauer an: Sie haben oft überraschend viele Kalorien.

"Durch den Wegfall des Weizens müssen die Hersteller geschmacklich die Produkte aufpeppen und das erfolgt meistens über Fett und somit deutlich höhere Kalorienanzahlen."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Auch laktosefreie Produkte bringen Gesunden keinen Vorteil. Im Gegenteil:

"Laktose, der Milchzucker, unterstützt die Kalziumaufnahme in den Körper und das fällt ja weg, wenn sie laktosefreie Produkte kaufen."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Bis zu 356 Euro für einen  IgG-Test

Dennoch: Viele Menschen vermuten, dass bestimmte Lebensmittel bei ihnen zu Magen- oder Darmbeschwerden führen. Ein beliebter Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit ist der IgG-Test. Untersucht wird, ob sich im Blut IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel befinden. Solche Tests gibt es viele, vor allem im Internet. Sogar ein Soforttest zum Selbermachen wird angeboten – für rund 87 Euro. Manche Ärzte verlangen dafür über 300 Euro.

Was taugen solche Tests?

"Mit solchen Tests kann man Nahrungemittelunverträglichkeiten nicht aufdecken, geschweige denn objektiv nachweisen. Die sind lediglich der Nachweis einer Messung von Antikörpern, das heißt, mein Körper hat sich mit dem Lebensmittel auseinander gesetzt."

Prof. Martin Raithel, Chefarzt Waldkrankenhaus Erlangen

Und was ist von Empfehlungen zu halten, oft mehrere Nahrungsmittel monatelang wegzulassen?

"Wenn gleichzeitig mehrere Lebensmittel weggelassen werden müssen, bloß aufgrund von Antikörperbefunden, halte ich das für eine Gefährdung des Patienten."

Prof. Martin Raithel, Chefarzt Waldkrankenhaus Erlangen

Fazit:

Solche Tests sind rausgeschmissenes Geld. Wer unter Beschwerden leidet, sollte daher einen Arzt aufsuchen, der wirklich sinnvolle Tests und Untersuchungen durchführt.

Die 14 kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene

  • Weizen und daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
  • Eier und Eierzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Soja und Sojaerzeugnisse
  • Milch und Milcherzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Lupinen und Lupinenerzeugnisse
  • Weichtiere und daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Schwefeldioxide und Sulfite
  • Nüsse (Hasel-, Wal-, Kaschu-, Pecan-, Para-, Macademia-, Queenslandnuss, Pistazie und Mandel) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse

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