BR Fernsehen - Löwengrube


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Löwengrube Kleine Leute - große Geschichte(n)

Die Kultserie die "Löwengrube - Die Grandauers und ihre Zeit" lief mehrmals im BR Fernsehen. Wir beleuchten Hintergründe und Inhalt der Folgen.

Von: Wolfgang Zehentmeier

Stand: 08.04.2016

Maxi Grandauer (Thomas Darchinger, links) kehrt endlich aus der Kriegsgefangenschaft zu seinen Eltern (Jörg Hube und Christine Neubauer) zurück. | Bild: BR/Tellux-Film GmbH

Was macht eine Serie zur Kultserie? Mitreißende Geschichten und überzeugende Schauspieler. Denn beides zieht die Zuschauer in die Serie, hält sie und lässt sie nicht mehr los. Und genau deswegen ist die Löwengrube zur Kultserie geworden: Den Machern, Autor Willy Purucker und Regisseur Rainer Wolffhardt gelingt es, die großen Ereignisse der Weltpolitik durch die Brille der "ganz normalen, kleinen Leute" zu zeigen.

Familiengeschichte als Zeitgeschichte

Der Bürger-Blickwinkel zeigt, wie sich die "große Politik" auf das Leben der "kleinen Leute" bis in den hintersten Winkel Haidhausens auswirkt, wie die Geschichte in die Geschichten der Grandauers, Soleders oder Kreitmeiers eingreift.

Wahrhaftige Ereignisse

Diese Geschichten werden durch das Spiel von Charakterdarstellern wie Jörg Hube, Christine Neubauer, Franziska Stömmer und vielen anderen so glaubhaft zum Leben erweckt, dass viele Zuschauer sich mit der Serie in einem Maße identifiziert haben, dass sie keine Folge verpassen wollten.

50 Jahre Geschichte in 32 Folgen "Löwengrube"

Die Anfänge

Eigentlich kommen die Grandauers aus einem kleinen Dorf in Oberbayern. Dort ist Ludwig Grandauer Dorfpolizist. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts zieht er zusammen mit seiner Frau und den Kindern Luise, Adolf und Karl in den Münchner Vorort Haidhausen. Doch München bringt den Grandauers zunächst kein Glück. Grandauers Frau stirbt an Tuberkulose und Karl zieht in den Ersten Weltkrieg. Als er zurückkommt, ist der Vater gestorben, in der Wohnung leben fremde Menschen. Nur Schwester Luise ist noch da und hat in die Bäckerei Kreitmeier eingeheiratet - der ruhende Pol der Familie in den kommenden Jahrzehnten.

Die 20er-Jahre

München ist eine der Hochburgen der aufkeimenden nationalen und nationalsozialistischen Strömungen Anfang der 20er-Jahre. Für die Grandauers eine ruhige Zeit. Karl arbeitet väterlich betreut von seinem Chef Rudolf Grüner in der Mordkommission, Luise ist mit der Bäckerei vollauf beschäftigt und Adolf macht Karriere als Jurist. Da trifft Karl die Liebe seines Lebens: Traudl Soleder. Nach einigen Schwierigkeiten heiraten die beiden und bekommen die Söhne Rudi und Max.

Die frühen 30-er Jahre

Karl Grandauer wird in seinen Ermittlungen immer wieder behindert, wenn er gegen Nazi-Parteigenossen oder rechte Straftäter ermittelt. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, handelt er nach der Devise: Nur nicht auffallen. Er versucht seine Pflicht als Polizist zu tun und verschließt die Augen vor den politischen Verbrechen, die das Nazi-Regime begeht. Bruder Adolf dagegen hat Oberwasser: Schließlich ist der überzeugte Nazi schon beim Marsch auf die Feldherrenhalle 1923 dabei gewesen.

Die späten 30er-Jahre

Als sein Schwager Kurt Karl um Hilfe bittet, versagt er ihm diese genauso, wie er die Nürnberger Rassengesetze nicht kommentiert: Karl handelt nach wie vor nach dem Motto: Gesetz ist Gesetz und Gesetzgebung nur Sache der Mächtigen. Kurt wird nach dem "Heimtücke-Gesetz" verurteilt und muss für sechs Monate ins Gefängnis und seine jüdische Frau Sara sieht sich immer heftigeren Angriffen von Kunden der Bäckerei Kreitmeier, in der sie hilft, ausgesetzt. Karl dagegen wird zum Oberkommissär befördert.

Der 2. Weltkrieg

Nach seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ist Karl erschrocken und in Sorge um seine Söhne und seinen Bruder Adolf, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Als Polizeibeamter muss er nicht an die Front. Er erlebt den Krieg zu Hause in München, sieht Adolf als Hauptmann mit Beutewein aus Frankreich zurückkommen und erlebt später, wie die Alliierten München langsam in Schutt und Asche bomben. Auch die Wohnung der Grandauers wird zerstört und wieder bleibt nur die Zuflucht in die Bäckerei Kreitmeier.

Nachkriegszeit

Karl darf nach einer Gesinnungsprüfung weiter als Polizist arbeiten. Die Freude ist groß, als Max unversehrt aus dem Krieg heimkehrt. Nur Rudi bleibt zunächst verschollen und wird für tot erklärt. Vordringlichste Aufgabe ist für die Grandauers, wieder eine eigene Wohnung zu finden. Sohn Max will ins Druckgewerbe einsteigen, doch Karl verhindert eine Investition und als er schließlich doch zustimmt, ist es zu spät: Die Währungsreform hat das alte Geld wertlos gemacht.

Die 50er-Jahre

Nach einigen Fehlern wird Karl Grandauer kurz vor seiner Pensionierung auf den Posten eines Verzahnungsinspektors weggelobt. Kurz danach ist die Freude groß: Der für tot gehaltene Rudi kehrt aus der Kriegsgefangenschaft heim und stürzt sich ins pralle Leben. Max heiratet in die Druckerfamilie Fröschl ein, hat dort aber einen schweren Stand. Ende 1954 wird Karl Grandauer pensioniert und geht zunächst allen auf den Wecker. Wie gut, dass er einen Schrebergarten hat, in den er sich zurückziehen kann.


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