BR Fernsehen - Löwengrube


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Löwengrube Der Regisseur: Rainer Wolffhardt

Der gebürtige Hesse Rainer Wolffhardt wuchs in München auf. Als Regie-Assistent bei Kortner und Brecht merkte er: "Das ist mein Weg."

Von: Wolfgang Zehentmeier

Stand: 20.03.2012

Porträt Rainer Wolffhardt | Bild: BR / Foto Sessner

Eigentlich ist Rainer Wolffhardt Hesse: Er wird 1927 in Hanau geboren. Aber er wächst in München auf, Bayern ist seine Heimat und schon früh beschäftigt er sich mit bayerischer Literatur wie den Werken von Oskar Maria Graf, die er später in seinen Filmen verarbeitet. Doch zunächst studiert er Altphilologie, um Lehrer zu werden - eine Vernunftentscheidung, die er bald korrigiert. Sein wirkliches Berufsziel ist es, Schauspieler zu werden. So besucht er von 1946 bis 1948 die Münchner Otto-Falckenberg-Schule im ersten Jahrgang nach dem Krieg.

"Weil sich mein Wunsch, ein wirklich großer Darsteller zu werden, nicht erfüllte, nahm ich davon Abstand. Das heißt nicht, ich sei aus Frustration Regisseur geworden!"

Rainer Wolffhardt

Regie-Handwerk

Seine Karriere als Regisseur beginnt Wolffhardt an den Münchner Kammerspielen. Er ist unter Bert Brecht, Hans Schweikart und Fritz Kortner Regie-Assistent. "Dabei merkte ich, dass Regie mein eigentlicher Weg ist", so erzählt Wolffhardt.

Fernsehspiele

Hans Gottschalk, der damals gerade die Fernsehabteilung des Süddeutschen Rundfunks gründet, bringt ihn zum Fernsehen und 1957 inszeniert Wolffhardt sein erstes Fernsehspiel: "Das war live und eine echte Herausforderung", erinnert er sich. Er bleibt bim SDR und bekommt 1968 für seine "Berliner Antigone", die er zusammen mit Rolf Hochhuth produziert, den begehrten Grimme-Preis.

"Anton Sittinger"

Walter Sedlmayr (links) mit Michael Grimm

Für den BR arbeitet Wolffhardt erstmals 1973. Mit Franz Xaver Kroetz als Drehbuchautor entsteht 1974 der Film Der Mensch Adam Deigl und die Obrigkeit. Willy Harlander spielt den naiven Adam Deigl, der unschuldig in die Mühlen der Justiz gerät. Mit Walter Sedlmayr in der Hauptrolle verfilmt Wolffhardt 1979 den Roman Anton Sittinger von Oskar Maria Graf.

"Rumplhanni"

Szene aus der Rumplhanni, Teil 1

1982 sucht er sich erneut eine literarische Vorlage: Die Rumplhanni von Lena Christ. Nicht nur bei den Dialogen achtet er dabei auf Authentizität, getreu seinem Motto, dass "beim Film Verständlichkeit nicht nur eine Sache der Sprache, sondern der gesamten Inszenierung ist." Der Film wird ein großer Erfolg.

"Verständlichkeit entsteht durch das Milieu, die Gesten, den Habitus der Darsteller und den ganzen Kontext."

Rainer Wolffhardt

"Klein aber mein"

Jörg Hube und Erich Hallhuber jun. in die "Löwengrube"

1984 kommt er mit dem Autor Willy Purucker in Kontakt. Er verfilmt für den BR das Purucker-Drehbuch Klein aber mein. Die Hauptrolle spielt Karl Obermayr, der zuvor den Karl Grandauer in Puruckers 28-teiliger BR-Hörspielserie Die Grandauers und ihre Zeit gesprochen hat. Die Fäden für die Zusammenarbeit bei der Löwengrube sind gesponnen. Ab 1986 beschäftigt sich Wolffhardt dann gedanklich mit der Löwengrube, die er von 1987 bis 1991 in Szene setzt. Die Fernsehserie wird sein bis dahin größter Publikumserfolg.

"Mali"

Christine Neubauer

Nach der Löwengrube schaffen Wolffhardt und Purucker 1996 mit dem Zweiteiler Mali einen weiteren Erfolg: In der Hauptrolle wieder Christine Neubauer, die Wolffhardt Anfang der 80er Jahre in einem Kellertheater entdeckt und später als "Traudl" in die Löwengrube holt.

Komödienstadel als Protest

Szene aus dem Komödienstadel "Der siebte Bua"

Dass er auch andres kann, zeigt Wolffhardt 1993: Er inszeniert den Komödienstadel mit dem Stück Der siebte Bua. Vielleicht steckt dahinter die Sorge um die Flut so genannter volkstümlicher Kunst. Mit dieser Abart will Wolffhardt nichts zu tun haben. Umso schlimmer stellt er fest, "dass vieles, was ich heute im Fernsehen sehe, nicht das echte Bayerische ist".

Keine rosarote Brille

Dagegen kämpft er und zeigt in seinen Filmen, dass bayerische Kunst heute nicht identisch mit Schuhplattler, Lederhosen und Almgedudel ist. Seine Themen und Filme sind authentisch, stimmig inszeniert und überzeugen gerade dadurch, dass sie die Wirklichkeit nicht durch die rosarote Brille zeigen, sondern sich die Mühe machen, die Geschichte detailliert und mit Tiefgang nachzuzeichnen - so wie in der Löwengrube.


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