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Franziska zu Reventlow Sex & Revolte

Lieber ein Leben in der Münchner Bohème als Langeweile im Schloss: Franziska zu Reventlow schrieb Romane und kämpfte für die sexuelle Emanzipation der Frau.

Stand: 02.07.2015

Obwohl Franziska zu Reventlow (1871-1918) kein umfangreiches literarisches Werk hinterlassen hat, ist sie unvergessen. Man erinnert sich an sie als die Schwabinger Skandalgräfin, die keinen Geschmack an dem ihr vorgezeichneten Leben einer Adligen fand. Der Langeweile im Schloss zog sie ein Leben in der Münchner Bohème vor, erotischen Abenteuern niemals abgeneigt. Das besondere an ihren Romanen und Erzählungen ist ihr unbestechlicher, ironischer Blick auf die Münchner Künstlerszene, aber auch auf sich selbst.

Familienbilder der Reventlows

Von heute aus gesehen wird erst deutlich, wie sehr Franziska zu Reventlow ihrer Zeit voraus war. Zwar hielt sie erklärtermaßen nichts von den Zielen der damals sehr aktiven Frauenbewegung: Gleichberechtigung von Mann und Frau. Dafür waren ihr die Selbstverwirklichung und vor allem die sexuelle Emanzipation der Frau wichtig - Themen, die erst in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts richtig aktuell wurden.

Schloss vor Husum

Mit dem Filmemacher Tilman Urbach besuchen wir das Schloss vor Husum, wo Reventlow geboren wurde, und unterhalten uns mit einem ihrer adligen Nachfahren über die Lebenskünstlerin, die aus der Adelswelt ausgebrochen ist. Der für seine Schrift "Empört Euch!" berühmt gewordene, betagte, inzwischen verstorbene, französische Schriftsteller Stéphane Hessel erinnert sich, was ihm sein Vater Franz Hessel, der mit Franziska zu Reventlow in einer frühen Wohngemeinschaft zusammenlebte, noch von der Schriftstellerin erzählt hat.

Franziska zu Reventlows Silberbesteck

Wir streifen mit der Reventlow-Biografin Gunna Wendt durch Schwabing auf der Suche nach Erinnerungsorten und besuchen den Turm in Ascona, wo sie in späteren Jahren lebte. Von ihrem Sohn Rolf, von dem noch Filmmaterial erhalten ist, erfahren wir, wie er seine Mutter sah.


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