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Petros Markaris Zurück auf Start

Leere Kassen, leere Straßen - Petros Markaris hat in seiner Heimat, im krisengebeutelten Griechenland, einen brisanten Stoff für seinen neuen Roman gefunden.

Von: Rudolf von Bitter

Stand: 28.05.2015

Wie kann ein Schriftsteller reagieren, wenn es seinem Land schlecht geht? Was tut sich, wenn abends die Straßen leer werden, die sonst pulsierten von Leben? Wie versteht man sich, wenn man in den eigenen vier Wänden zusammenrücken muss? Was wird aus dem Humor, wenn einer Gesellschaft das Lachen vergeht? Petros Markaris hat einen Kriminalroman geschrieben, in dem erst die Zustände dazu führen, dass Leute einander umbringen. Die einen wollen wieder zurück zu moralisch idealen Werten, während andere fröhlich profitieren.

Die Täter als Opfer der Zustände

Petros Markaris

Kostas Charitos, ehemaliger Polizist, hat zuerst mit dem Selbstmord eines Mannes zu tun, dessen Eltern aus Griechenland nach Deutschland ausgewandert waren, und der, zurück im Land seiner Väter, mit deutschem Fleiß einsteigen wollte ins Geschäft mit der Windenergie. Er hatte schon eine Insel vor der türkischen Küste in Betracht gezogen, aber dann ... Sein Tod ist tatsächlich ein Selbstmord, doch mit dem Motiv dafür hat es seine Bewandtnis.

Julia Benkert im Gespräch mit Petros Markaris

Dann erfährt Charitos von einem Brief an die deutsche Botschaft, dass der Selbstmord eigentlich keiner sei, unterschrieben hat diese Nachricht eine mysteriöse Formation "Griechen der fünfziger Jahre". Wenig später bringen sich diese Griechen der fünfziger in Verbindung mit einem richtigen Mord. Nach und nach schält sich heraus, dass die gesamte griechische Gesellschaft, zumindest in den Ballungsräumen, wie von einer Flechte durchwirkt ist von Beamtenträgheit und Korruption, in deren Schatten ganz neue Gewerbe entstehen, z. B. das des Überbringers und Amtsläufers, der schon weiß, bei welchem Amt man wem was gibt, damit der Kunde, also der Bürger, mit seinem amtlichen Antrag an sein Ziel kommt. Und auch ein solcher Dienstleister wird ermordet. Die ominösen "Griechen der fünfziger Jahre" entpuppen sich als zugereiste und naturalisierte Albaner, die ein Griechenlandbild in sich tragen, das lange überlebt ist, und die sich empören, wie "die Griechen" ihre alten Ideale, ihre Würde und ihren Anstand haben verfallen lassen. Wo zum Beispiel eine Bildungsmisere das Nachhilfewesen derartig aufblühen lässt, dass am Ende niemand mehr nach einem Staat fragt, der sein Schulwesen pflegen sollte.

Julia Benkert im Gespräch mit Petros Markaris

Neben diesem Fall, der schon komplex ist, hat Markaris seinem Helden noch einen Überfall auf seine Tochter aufgebürdet, die sich für illegale Einwanderer engagiert. Hier ist die Polizei mit rechtsgerichteten Politikern und ihren Schlägertrupps eine unselige Allianz eingegangen.

So haben wir Petros Markaris danach fragen wollen, ob die Krise gewissermaßen eine eigene Biografie entwickelt hat und sein Kommissar als deren Weggefährte aus der Nähe mitbekommt, wie sie sich auswirkt auf die einzelnen Menschen. Dazu haben wir uns mit ihm am Neuen Museum in Nürnberg getroffen.

Das Buch

Petros Markaris
Zurück auf Start
Ein Fall für Kostas Charitos
Diogenes Verlag
23,90 Euro


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