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Michel Houellebecq Unterwerfung

Der umstrittene Roman von Michel Houellebecq, der am Tag des Attentats auf "Charlie Hebdo" erschien: In "Unterwerfung" wird ein Moslem französischer Präsident.

Stand: 22.01.2015

Michel Houellebecq bei der Vorstellung seines Romans "Unterwefung" am 19.01.2015 in Köln im Rahmen des internationalen Literaturfestival Lit.Cologne | Bild: picture-alliance/dpa

Das Jahr 2022. Präsidentschaftswahlen in Frankreich ... Auf den Straßen fast bürgerkriegsähnliche Zustände. Der Kandidat der Sozialisten ist bereits aus dem Rennen - und nun kommt es zur Stichwahl zwischen der rechtsextremen Front National unter Marine Le Pen und Mohammed Ben Abbes, einem charismatischen gemäßigten muslimischen Kandidaten. Ben Abbes wird Präsident - mit Unterstützung der Sozialisten und Bürgerlichen. Das französische Gesellschaftssystem wird nach seinem Sieg umgebaut - die Frauen sollen nicht mehr erwerbstätig sein, das Schul- und Bildungssystem wird geändert, Frauen gehen zunehmend verschleiert. Die Arbeitslosenquote fällt und die Kriminalitätsrate auch.

Im Mittelpunkt von Houellebecqs Roman steht François, ein Literaturwissenschaftler an der Pariser Sorbonne, dem Alkohol zugeneigt und dem Sex mit wechselnden Frauen. Er wird zum Islam konvertieren, nicht aus Überzeugung, sondern aus Karrieregründen und weil er dann mehrere Frauen zugleich ehelichen kann.

Michel Houellebecq bei der Vorstellung seines Romans "Unterwefung" am 19.01.2015 in Köln

Houellebecqs neuer Roman erschien in Frankreich am Tag des Anschlags auf "Charlie Hebdo". In dessen damals neuester Ausgabe war eine Karikatur von Houellebecq auf dem Cover und in der Zeitschrift eine Besprechung seines Buches. Deren Autor Bernard Maris, mit dem Houellebecq befreundet war, ist unter den Opfern des Attentats.

Houellebecq ist im Bezug auf seinen neuen Roman mit dem Vorwurf der Islamophobie konfrontiert worden. Im Buch geht es aber weniger um eine Kritik am Islam oder die Furcht vor dem Islamismus, als vielmehr um die Dekadenz der westlichen, kapitalistischen Gesellschaft, um das Fehlen von Idealen, um Erschöpfungszustände und Opportunismus. Mit seinem Roman "Unterwerfung" hat Michel Houellebecq wiederum einen Roman vorgelegt, der - wie vorher schon seine Bücher "Ausweitung der Kampfzone" und "Elementarteilchen" - sehr kontroverse Diskussionen ausgelöst hat.

Das Buch

Michel Houellebecq
Unterwerfung
Roman
DuMont Buchverlag
22,99 Euro


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