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LeseZeichen Extra Die Verleihung des Bayerischen Buchpreises

Der Bayerische Buchpreis wurde 2015 zum zweiten Mal vergeben. Wieder diskutierten drei Juroren vor Publikum, wer von den jeweils drei Autorinnen und Autoren aus den Kategorien Sachbuch und Belletristik den Porzellanlöwen sowie 10.000 Euro mit nach Hause nimmt. Der Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten würdigt in diesem Jahr das Lebenswerk der Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke.

Stand: 13.11.2015

Die Jury bestand - wie im vorigen Jahr - aus den beiden Publizistinnen Carolin Emcke und Franziska Augstein sowie aus Denis Scheck, den man vor allem mit der ARD-Literatursendung "Druckfrisch" verbindet. Das Trio hat 2015 sechs Bücher in die engere Wahl genommen, die fraglos alle preiswürdig sind. Ulrich Peltzers Gesellschafts- und Wirtschaftsroman "Das bessere Leben". Angela Steideles Buch "Rosenstengel", ein fingierter Briefwechsel mit wahrem Kern. Frank Witzels Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969", für den der Autor bereits den diesjährigen Deutschen Buchpreis bekommen hat. Für die Jury spielte das keine Rolle, betonte sie, denn Witzel war schon vorher nominiert worden.

Für die Kategorie Sachbuch kamen in die engere Wahl: "Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit", von Bruno Preisendörfer, der seine Leser wie in einer Zeitmaschine in den Alltag des 18. Jahrhunderts zurückversetzt. Monika Rincks poetologischer Essayband "Risiko und Idiotie" mit dem Untertitel "Streitschriften". Reiner Stachs "Kafka. Die frühen Jahre", der Abschlussband seiner umfangreichen Biografie über Franz Kafka.

Die Jury: Franziska Augstein, Carolin Emcke und Denis Scheck

Die Jury hatte in beiden Kategorien exakt eine halbe Stunde Zeit, die Bücher vorzustellen und zu diskutieren. Die Juryvorsitzende Carolin Emcke betonte zu Beginn, dass es keinerlei Vorabsprachen gäbe, dass tätsächlich nichts inszeniert werde. Die Preisträger würden erst jetzt, live vor dem Publikum in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz ermittelt. Dies war kurzweilig und es gab, auch Dank der Schlagfertigkeit der Jury mit manchen guten Pointen, einiges zu lachen. Viel Lob fanden alle Bücher und für die Zuschauer blieb es bis zuletzt spannend, für wen die Juroren stimmen würden.

Ausgezeichnet wurden:

Reiner Stachs "Kafka. Die frühen Jahre"

Reiner Stach

Mit dem Band über Kafkas Kindheit und Jugend schloss Reiner Stach nun seine große, dreibändige Kafka-Biografie, an der er 18 Jahre lang arbeitete, ab. Denis Scheck lobte, er habe durch Stachs glänzend geschriebenes Werk ein anderes Kafka-Bild gewonnen, das eines durchaus auch humorvollen, technikinteressierten und kommunikativen Schriftstellers.

Angela Steideles "Rosenstengel"

Angela Steidele

In Angela Steideles Briefroman tauschen sich der bayerische König Ludwig II. und sein Arzt Franz Carl Müller über einen interessanten, aktenkundig gewordenen Fall aus dem 18. Jahrhundert aus: Damals hatte Catharina Linck es geschafft unter dem Namen Anastasius Rosenstengel jahrelang unentdeckt die Rolle eines Mannes einzunehmen, Kriegsdienst zu verrichten und sogar zu heiraten. Erst die Schwiegermutter enthüllte die wahre Identität, der Fall kam vor Gericht, Catharina Linck wurde hingerichtet. - "Ein historischer Briefroman, der mitten ins Herz des Lebens geht", befand die Jury. Carolin Emcke zeigte sich beeindruckt und nannte den Roman, der über Sex, Gender und Geschlechterdifferenz nachdenke "eine wirkliche Entdeckung".

Ehrenpreis für Cornelia Funke

Cornelia Funke in ihrer Videobotschaft

Wer den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten erhält, stand schon vorher fest: Cornelia Funke. In Vertretung Horst Seehofers hielt Ilse Aigner die Laudatio auf die Kinder- und Jugendbuchautorin, deren Werk in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und eine Gesamtauflage von über 20 Millionen Exemplaren hat. International berühmt wurde sie unter anderem mit der Tintenwelt-Trilogie. Cornelia Funke, die in Los Angeles lebt, konnte nicht anreisen, schickte jedoch eine Videobotschaft, in der sie betonte, wie wichtig ihr dieser Preis sei, zumal damit auch die Bedeutung der Kinder- und Jugendbuchliteratur gewürdigt werde.

Ein spannender wie unterhaltsamer Abend für die Literatur: Tilman Urbach berichtet für LeseZeichen Extra von der Preisverleihung.

Preisträger des Bayerischen Buchpreises 2015

Bereich Sachbuch:

Reiner Stach
Kafka
Die frühen Jahre
S. Fischer Verlag
34,00 Euro

Bereich Belletristik:

Angela Steidele
Rosenstengel
Ein Manuskript aus dem Umfeld Ludwigs II.
Verlag Matthes & Seitz Berlin
28,00 Euro

Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten

Bücher von Cornelia Funke u. a.:

Cornelia Funke
Reckless
Das goldene Garn

Band 3
Dressler Verlag
19,99 Euro



Cornelia Funke
Tintenherz
Dressler Verlag
14,95 Euro (gebunden, Jubiläumsausgabe)
19,90 Euro (gebunden)
9,95 Euro (Taschenbuch - im Oetinger Verlag)

Cornelia Funke
Herr der Diebe
Dressler Verlag
17,90 Euro (gebunden)
9,99 Euro (Taschenbuch - im Oetinger Verlag)

Der Bayerische Buchpreis im Web

Mehr über den Bayerischen Buchpreis:


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