BR Fernsehen - Lebenslinien


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Lebenslinien - Sinteza Rita Prigmore überlebt medizinische Versuche der Nazis Die unheilvolle Narbe

Rita ist Zwilling. Doch ihre Zwillingsschwester stirbt bei medizinischen Experimenten durch die Nationalsozialisten. Rita überlebt schwer verletzt und wird ihrer Mutter zurückgegeben. Fortan sind Mutter und Tochter symbiotisch verbunden. Seite an Seite kämpfen sie für die Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus und um Wiedergutmachung.

Stand: 05.12.2017

Weil Ritas Mutter Sinteza ist, soll sie 1942 zwangssterilisiert werden. Als sich herausstellt, dass sie mit Zwillingen schwanger ist, wird sie verschont. Sofort nach der Geburt nimmt man ihr die beiden Mädchen und missbraucht sie für medizinische Versuche.

Filminfo

Originalitel: Die unheilvolle Narbe (D, 2016)
Regie: Constanze Hegetusch
Redaktion: Christiane von Hahn
Länge: 45 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo

Das eine Mädchen stirbt, Rita wird der Mutter nach einem Jahr zurückgegeben - mit einer schweren Verletzung am Kopf. Mutter und Tochter leben fortan ein symbiotisches Leben. Als Rita 14 Jahre alt ist, gründet ihre Mutter einen Verein, der für die Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus kämpft und sich für Wiedergutmachung stark macht.

Auch Rita wird zur Aktivistin. Mit Anfang 20 verliebt sie sich in einen amerikanischen Soldaten, der in Würzburg stationiert ist. Sie heiraten und bekommen zwei Kinder. Als er wieder zurück in die USA muss, geht Rita mit. Sie leidet jedoch sehr unter der Trennung von der Mutter.

Rita mit ihrem Sohn George in Seattle.

Die Ehe zerbricht und Rita muss immer häufiger nach Deutschland, um für ihre eigene Wiedergutmachung zu kämpfen. So entscheidet sie sich schweren Herzens, die USA und ihre beiden jugendlichen Kinder zu verlassen und zur Mutter zurückzuziehen. Als diese 2004 stirbt, führt Rita die politische Arbeit weiter.

Sie tritt als Zeitzeugin bei Veranstaltungen in der ganzen Welt auf. Sooft sie kann, fliegt sie zu ihren heute erwachsenen Kindern und Enkeln in die USA. Als Oma würde sie so gerne die Zeit nachholen, die sie als Mutter versäumt hat.

Lebenslinien-Autorin Constanze Hegetusch über ihre erste Begegnung mit Rita

"Es ist immer ein besonderer Moment für mich, die Protagonisten meiner Filme das erste Mal zu Hause zu besuchen. Ich bin gespannt, wie sie ihre Umgebung gestalten, welche Gegenstände und Gewohnheiten ihnen wichtig sind. Bei Rita ist es zunächst das Aroma von frisch gebrühtem Bohnenkaffee, das mich besonders charmant in ihre kleine Wohnung in Würzburg führt. "Ich bin eine Kaffeetante“, verrät sie mir. „Und ohne Musik brauchen wir gar nicht erst zu beginnen." Also stehen wir kurze Zeit später vor ihrer opulenten Plattensammlung mit Swing und Cool Jazz aus den 40er und 50er Jahren, alles echte Raritäten aus der Sammlung ihres Stiefvaters, eines amerikanischen GIs. Durch ihn lernte sie die coolen Tanzbars der amerikanischen Soldaten kennen, und Tanzen hat sie ebenfalls von ihm gelernt. Davon gibt sie mir auch gleich eine Kostprobe, und ich soll mittanzen. Tanzen war Ritas Liebe und Leidenschaft, das sieht und spürt man heute noch. Deshalb durfte auch eine Tanzszene im Film über Rita nicht fehlen."


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