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Lebenslinien - Vapula, vom namibischen Flüchtlingskind zum Zahnarzt Ich musste mich durchbeißen

Vapula kommt mit vier Jahren als sogenanntes "DDR-Kind" von Namibia nach Ostdeutschland. Nach dem Mauerfall – er ist 14 Jahre alt – wird er wieder zurückgeschickt. Mit seinem Heimatland kann er nichts mehr anfangen. Heute führt er ein glückliches Leben als erfolgreicher Zahnarzt in München.

Stand: 20.02.2018

Vapula wächst in einem Flüchtlingslager auf. Seine Eltern sind Kämpfer der SWAPO, der Unabhängigkeitsbewegung Namibias. Mit vier Jahren wird Vapula in die ehemalige DDR geschickt, um dort zur sozialistischen Elite für die Zeit nach der Befreiung Namibias erzogen zu werden.

Filminfo

Originalitel: Ich musste mich durchbeißen (D, 2017)
Regie: Beatrice Möller
Redaktion: Christiane von Hahn
Länge: 44 Minuten
16:9, VT-UT, stereo

Er geht in die Schule, bekommt regelmäßige Mahlzeiten, lernt mit dem Gewehr umzugehen und wird von freundlichen Erzieherinnen betreut. In dieser Zeit entdeckt Vapula seine Fähigkeit, anderen Kindern schmerzfrei wackelnde Milchzähne zu ziehen. Daraus erwächst sein Wunsch, einmal Zahnarzt zu werden.

1990 muss Vapula zurück nach Namibia und kommt zu seiner Mutter – die er kaum kennt – in eine kleine Hütte in einem Township von Windhoek. Schnell merkt er, dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen muss.

Er schafft die Aufnahmeprüfung an der deutschen Schule und findet Arbeit auf einer Jagdfarm. Dort knüpft er Kontakte mit deutschen Urlaubern und so kommt er an einen Ausbildungsplatz in Bayern.

Mutig ergreift er die Chance. Heute lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in München und hat eine eigene Zahnarztpraxis.

Fragen an die Lebenslinien-Autorin Beatrice Möller

Lebenslinien-Autorin Beatrice Möller

Wie kam es zu den Lebenslinien über Vapula?

Die Geschichte der DDR-Kinder von Namibia begleitet mich schon lange und faszinierte mich seit meiner ersten Begegnung mit einer Protagonistin 2002 für einen Dokumentarfilm zum gleichen Thema („Omulaule heißt schwarz“).
Über eine Freundin erfuhr ich von Vapula. Mein Interesse war sofort geweckt. Ich fragte mich: Wie kommt es, dass ein Kind mit solch einer überwältigen Geschichte später ausgerechnet Zahnarzt in München wird? Viele Fragen gingen mir durch den Kopf.
Kurz darauf lernte ich Vapula persönlich kennen und er hatte schließlich Lust dazu, seine Geschichte einem großen Publikum zu erzählen.

Was hat die Geschichte mit Ihnen zu tun?

Vielleicht berührt mich die Geschichte der ehemaligen DDR-Kinder so tief, weil ich als Kind in Südafrika gelebt habe und die Erfahrung, in einem anderen Land aufzuwachsen, mein Leben geprägt hat.

Haben die Dreharbeiten bei Vapula etwas verändert?

Vapula hat alles erreicht, wofür er so lange und so hart gearbeitet und gekämpft hat. Für einen Blick zurück, wie er aufgewachsen ist und die Umstände, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist, hatte er nie Zeit.
Durch die Dreharbeiten kamen viele Erinnerungen hoch, die Vapula lange verdrängt hatte. Nach dem Dreh sagte mir Vapula, dass er heute das Gefühl habe, ruhiger zu sein, dass er loslassen könne und mehr verstanden habe – über sich und den Lauf seines Lebens. Diese Reise hätte schon lange angestanden und nun habe er endlich den Mut gehabt zurückzublicken. Vapula ist dankbar, dass er diese Reise machen konnte.

Gibt es etwas, das Sie an Vapula fasziniert?

Mich faszinierte von Anfang an Vapulas Zielstrebigkeit. Bereits als sechsjähriger Junge wusste er, dass er etwas mit Zähnen machen wollte. Später erfuhr er, dass es sogar einen Beruf dazu gibt: Zahnarzt. Seitdem stand sein Berufswunsch fest. Trotz all der Rückschläge und vielen Schwierigkeiten in seinem Leben hat er diesen Wunsch nie aus den Augen verloren. Das fasziniert mich und lässt auch mich manche Dinge des Alltags aus anderer Perspektive sehen. Dafür bin ich Vapula dankbar.


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