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Malachitparure Modefarbe des Biedermeier: das russische Grün

Mit dieser Demi-Parure, einer Brosche mit Ohrringen und einem Armreif, war im Biedermeier sicher Staat zu machen. Zumal, weil der um 1850 fabrikmäßig gefertigte Schmuck an den großen Prunk der russischen Zaren erinnert.

Stand: 12.03.2012 | Archiv

Etwas später ist die Demi-Parure mit einem passenden Armreif ergänzt worden. Auffallend sind die üppigen Goldfassungen in Kombination mit grünem Malachit. Dieser Halbedelstein wurde besonders häufig im Empire, also zu Beginn des 19. Jahrhunderts verarbeitet. Im Ural standen große Vorkommen zur Verfügung. Zar Alexander I verschenkte mit Vorliebe schöne Dinge aus Malachit: Schalen, Uhren, Garnituren - und eben auch Schmuck. So wurde Malachit europaweit zu einem sehr beliebten, weil vom Zaren geadelten Material.

In Anlehnung an diese reiche Zarenzeit wurde auch noch ein halbes Jahrhundert später, im ausklingenden Biedermeier, Malachitschmuck hergestellt – aus dieser Zeit stammt das vorliegende Set. Allerdings hält der erste Eindruck nicht, was er verspricht. Denn hier wurde mit Schaumgold, auch Hohlgold genannt, gearbeitet. In die kleinen Löcher auf der Rückseite wurde Kitt in den Hohlraum eingespritzt, um der dünnen Goldhülle mehr Schwere und Widerstandskraft zu verleihen. Dennoch ist dieser Schmuck sehr anfällig für Druckstellen, die irreparabel sind.

In der verhältnismäßig armen Biedermeierzeit ermöglichte dieser fabrikmäßig hergestellte Schmuck den Damen, sich trotzdem glänzend zu schmücken. Hier liegen die Wurzeln des späteren Modeschmucks.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 900 Euro
  • Herkunft: Deutschland
  • Datierung: 1845 bis 1860
  • Sendung vom 17. März 2012

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