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Pariser Schale Sèvres nach Hausmaler-Art

Auf einem aussortierten Teller der berühmten französischen Porzellanmanufaktur Sèvres aus dem Jahre 1865 hat ein Pariser Hausmaler sein eigenes Dekor hinzugefügt.

Stand: 11.10.2013 | Archiv

Das Porzellan der Schale stammt untrüglich aus Sèvres: die eingeritzten Zeichen 'BL 65 20 P' und das kleine 'S 65' sind die originalen Sèvres-Marken von 1865. Allerdings wurde letztere durchgeschliffen. Das bedeutet, dass dieses Stück nach dem Brennen aussortiert worden war. Dennoch kam es in Umlauf, dank einem so genannten Hausmaler.

Diese Porzellanmaler, die frei arbeiteten, besorgten sich solch günstige weiße Porzellane, bemalten und verkauften sie. Die zuckrige Farbigkeit dieses Tellers, vor allem das Rosa, weist auf einen Pariser Maler hin, der das Stück im gefragten Stil des 18. Jahrhunderts dekoriert hatte.

Dabei hat der unbekannte Maler den für Sèvres prägnanten Blau-Türkiston, das so genannte 'Bleu céleste', verwendet. Auch die ausgemalten Kartuschen am Schalenrand, Reserven genannt, und die reiche Goldmalerei ähneln der Art, wie im Hause Sèvres gearbeitet wurde.

Allerdings ist bei den Originalen das Gold sehr dick, fast reliefartig aufgetragen, während es hier flacher und dünner aufliegt und dadurch an manchen Stellen schon weg gerieben ist. Auch hat diese Malerei nicht die gewohnte Feinheit und Klarheit im Strich. Um ein Original vorzutäuschen, wurde der Teller 'zurückdatiert' und in die Glasur die blaue Sèvres-Marke des 18. Jahrhunderts eingearbeitet: das gespiegelte 'L' für 'Louis'.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 1.500 bis 2.000 Euro
  • Datierung: 1865
  • Herkunft: Sèvres / Paris
  • Hersteller: Porzellanmanufaktur Sèvres
  • Sendung vom 12.10.2013

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