BR Fernsehen - Kunst + Krempel


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Löwenkopfgeige Violine für den Hausgebrauch

Auf kaum einem anderen Gebiet wird so viel gefälscht wie bei den Geigen: auch diese ist nicht das, was der Zettel in ihrem Innern vorgibt. Sie wurde erst um 1900 im Vogtland gebaut.

Stand: 30.06.2012 | Archiv

Auf dem Zettel steht: 'Jacobus Stainer, 1656'. Stainer war ein Innsbrucker Geigenbauer des 17. Jahrhunderts, dessen Instrumente Weltrang haben. Aber stammt diese Violine wirklich aus seiner Werkstatt? Der recht fein geschnitzte Löwenkopf mit der angesetzten Zunge lässt zuerst auf die Echtheit des Zettels hoffen. Doch anderes ruft sofort Zweifel an der Zuschreibung hervor: die Neigung der F-Löcher stimmt nicht und diese Geige ist auch nicht so hoch gewölbt gebaut wie ein Stainer-Original.

Um 1900 war das Bauen von Geigen im alten Stil sehr üblich. In Böhmen und im Vogtland gab es um 1900 semi-industrielle Serienproduzenten, die die halbe Welt mit solchen Instrumenten versorgten. Dabei sind sie von passabler Qualität. Bei dieser Geige aus dem Vogtland wurde sowohl für die Fichtendecke wie für den Boden feinjähriges Holz verwendet. Ihre Randeinlage ist sauber gearbeitet und auch die Hohlkehle zeigt sich stilsicher. Zwar ist sie sicher kein Original von Stainer, als Schüler- und Gebrauchsinstrument taugt diese Geige aber allemal.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 300 bis 400 Euro
  • Datierung: um 1900
  • Herkunft: Vogtland
  • Sendung vom 30. Juni 2012

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