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Koffergrammophon I-Pod der Weimarer Republik

Mit diesem tragbaren Koffergrammophon der Firma 'Kristall', das zwischen 1920 und 1937 in Berlin hergestellt wurde, konnte auch auf Reisen Musik von der Platte gespielt werden.

Stand: 16.03.2013 | Archiv

Als das 'iPod der Weimarer Republik' könnte man dieses Koffergrammophon bezeichnen: handlich, leicht und reisetüchtig. Aber Mobilität war nicht das Hauptmotiv für seine Entwicklung – der Koffer sollte den großen Schalltrichter der vorangehenden Grammophone ersetzen, denn er war unmodern geworden. Der Koffer übernahm somit die Funktion des Trichters: er wurde zum Klangkörper und Verstärker.

Der Weg des Tons beginnt an der Nadel, die die Rillen in der Schellack-Platte abfährt, mittels einer Membran in Schallschwingungen rückübersetzt und an den Schalltrichter abgibt, der sich im Koffer öffnet. Als Klangkörper und Verstärker zugleich bestimmt der Koffer auch die Lautstärke der abgespielten Musik. Die Art der Nadeln beeinflussen ebenfalls den Ton: je dicker und schwerer sie sind, desto lauter ist die Musik. Allerdings verschleißen dickere Nadeln die recht weichen Schellackplatten schneller, da sie die Rillen im Schellack stärker auskratzen.

Dieses Koffergrammophon wurde ab 1920 von der Firma 'Kristall' produziert, der deutschen Tochter der englischen Firma 'Crystalate'. Die Firma besaß seit 1929 auch ein Patent auf Schellackplatten, die auf solchen Koffergrammophonen abgespielt werden konnten.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 200 Euro
  • Datierung: zwischen 1920 und 1937
  • Herkunft: Berlin
  • Hersteller: Firma Kristall
  • Sendung vom 16. März 2013

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