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Wasserflaschen Einweg statt Mehrweg

Diese dekorativen Mineral- und Bitterwasserflaschen des 19. Jahrhunderts stammen aus Ransbach im Westerwald. Nach dem Genuss des Wassers wurden sie 'entsorgt'.

Stand: 03.11.2012 | Archiv

Scherben solcher Mineralwasserflaschen aus Keramik sind bei Ausgrabungen häufig zu finden. Denn es handelte sich in der Regel um Einwegware, die in Massen hergestellt wurde. In die eine dieser unbeschädigt erhaltenen Flaschen ist der Schriftzug 'Herzogthum Nassau' eingeritzt, die anderen tragen den Stempel 'Seidlitzer Fürstlich Lobkowitz' aus Böhmen.

Schon ab 1581, als ein Buch des Arztes Jakob Theodor Tabernasmontanus erschien, das von der Heilwirkung des Wassers handelt, begannen Gemeinden, nach Heilquellen zu suchen. Nicht nur, weil das Wasser der Stadtbrunnen oft kaum trinkbar war und daher mehr alkoholische Getränke konsumiert wurden, als gesund war. Diese Heilquellen wurde auch bald zu wichtigen Einkommensquellen der Gemeinden, wie für Selters bei Nassau im Taunus. Denn sie verschickten ihr Wasser in solchen Flaschen sogar über weite Strecken.

Mineralwasser wurde in Flaschen mit einer länglichen, zylindrischen Form abgefüllt, Bitterwasser in die mit gedrungener, niedriger, vierseitig abgeplatteter Form. Der Unterschied liegt lediglich im Kohlensäuregehalt: Mineralwasser ist 'mit', Bitterwasser 'ohne'. Die frühen Flaschen sind eher aus grauem Ton, diese aus dem 19. Jahrhundert zeigen eine bräunliche Farbigkeit. Die Mineralwasserflache ist mit dem Töpferzeichen 'R' geritzt für Ransbach, einem Töpferort im Westerwald. Heute dienen solche Steinzeug-Flaschen der Dekoration und haben je einen Wert zwischen 30 und 80 Euro.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: um 150 Euro
  • Datierung: 19. Jahrhundert
  • Herkunft: Ransbach (Westerwald)
  • Sendung vom 3. November 2012

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