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Dux-Pokal Rot wie die Liebe

Nicht nur Holz, auch Glas kann gebeizt werden: die Rotbeize dieses Pokals aus den 1930er Jahren war zur Zeit ihrer Erfindung eine Sensation.

Stand: 11.04.2012 | Archiv

Auf dem Pokal ist das barocke Schloss Dux, heute Duchkov (Tschechien) dargestellt. In den 1960er Jahren wäre es fast dem Braunkohlebergbau zum Opfer gefallen. Doch mehr als das machte ein Bibliothekar das Schloss berühmt: Casanova schrieb dort während seiner 13jährigen Dienstzeit seine berühmten Memoiren. Politisch interessant wurde Dux 1813, als sich der russische Zar, der preußische König und der Kaiser von Österreich dort trafen, um über die Völkerschlacht von Leipzig zu verhandeln.

Damit eine Gravur sich farblich absetzt, darf das Glas nicht durchgefärbt sein. Aber wie bekommt man eine hauchdünne Farbschicht auf die Glasoberfläche? Nach Jahren des Experimentierens entwickelte der Glasmaler Friedrich Egermann in Nordböhmen ein Verfahren, das als Rotbeize bekannt geworden ist. Die industrielle Herstellung konnte ab 1832 beginnen. Sein rot gebeiztes Glas war so erfolgreich, dass es –trotz strenger Geheimhaltung - bald in ganz Europa und sogar in Übersee hergestellt wurde. Auch heute werden solche Gläser noch nach ihrem Erfinder benannt: 'Egermann-Gläser'. Einen Nachteil hat die hauchdünne Farbschicht aber: sie ist hoch empfindlich, die Oberfläche verkratzt sehr schnell.

Gebrauchsspuren finden sich auch auf dem vorgestellten Pokal. Sein dickes, schweres Glas weist in die 1930er Jahre. Auch am Glasrand erkennt man das 20. Jahrhundert: bei alten Gläsern laufen die Ecken der Facetten nicht bis hoch zum Rand, sondern sind oben immer abgerundet. Früher achtete man auf diesen so genannten 'Lippenrand', denn er machte das Trinken angenehmer – 'form follows function' ist keine neue Erfindung.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: um 180 Euro
  • Datierung: um 1930
  • Herkunft: Nordböhmen
  • Sendung vom 14. April 2012

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